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St. Ingbert
Diskussion um Musikschule geht weiter

Im ehemaligen Gefängnis in St. Ingbert soll die Musikschule untergebracht werden.
Im ehemaligen Gefängnis in St. Ingbert soll die Musikschule untergebracht werden. FOTO: Michael Aubert
St. Ingbert. Nach der Küdigung der Musikschulleiterin Isabel Meiser ist die Diskussion geprägt von gegenseitigen Schuldzuweisungen. Von Michael Aubert

Die Kündigung der ehemaligen Musikschul-Leiterin Isabel Meiser nach nur sechs Wochen hat nicht nur in St. Ingbert hohe Wellen geschlagen. Ebenso wie ihr niederschmetterndes Urteil über den Zustand der Musikschule im Kulturausschuss. Dass sie „ihren Traumjob“ an den Nagel gehängt hat, sei der politisch angespannten Situation im St. Ingberter Stadtrat – und dem Gegenwind, dem sie sich ausgesetzt sah, geschuldet gewesen. Dass aber Oberbürgermeister Hans Wagner (parteilos) Stadtratsmitgliedern vorgeworfen hatte, sich in Personal- und somit in Verwaltungsangelegenheiten eingemischt zu haben, hat beinahe alle Fraktionen zu einer Stellungnahme bewegt – offensichtlich besorgt um das Wohl und das Image von Musikschule und Stadt.


Dabei reicht die Bandbreite der Reaktionen von Verwunderung (CDU-Fraktion) über Bedauern (Wir für St. Ingbert) bis zu Befremden und Beschämen (Familienpartei). Vor allem die Aussagen von OB Wagner, wonach „im Hintergrund Strippen und Fäden gezogen wurden“ und der Stadtrat sich „unerlaubterweise in Personalangelegenheiten eingemischt habe“, stieß bei den Stadtratsfraktionen auf Unverständnis. So sei die CDU-Fraktion auf Bitte von Lehrenden und Eltern an die Verwaltung getreten. Hauptsächlich wegen der Art und Weise, wie Verwaltung und Musikschulleitung versucht haben, die Verträge der Lehrkräfte kurzfristig umzustellen. Ein aus Sicht der CDU verhängnisvolles Signal für die Weiterentwicklung der Musikschule.

Aus dem Ausschuss sei fraktionsübergreifend die Bitte an die Verwaltung ergangen, die Situation zu entschärfen und eine Übergangslösung zu finden, um möglichen Schaden von der Musikschule abzuwenden. Die Einschätzungen von Isabel Meiser im Kulturausschuss bezüglich der Situation sowie der angedachten Entwicklung der Musikschule hätten zu „konsensualen Lösungen“ mit dem Rat geführt. OB Wagner habe hier ein katastrophales Krisenmanagement betrieben und damit dem Ansehen der Stadt und der Musikschule geschadet.



Auch die Familienpartei rügt OB Wagner für sein „Nach-außen-Tragen interner Vorgänge scharf“ und bedauert einen „künstlichen Streit“ zu Lasten von Image und Personal der Musikschule. Demnach habe sich herausgestellt, dass in der Musikschule Lehrer, Leitung und Verwaltung nicht miteinander arbeiten konnten oder wollten. So sollten Personalentscheidungen, die in die Zuständigkeit der Verwaltung fallen, mit Fingerspitzengefühl, Wertschätzung, Einhaltung von Absprachen und fachlicher Richtigkeit einhergehen. Aus Sicht der Familienpartei sei einiges schief gelaufen, was von der Verwaltung auch eingeräumt worden wäre. Darüber sei aber intern zu reden. Die Politik aber habe Isabel Meiser nicht bewegt zu kündigen.

Die Fraktion „Wir für St. Ingbert“ (WFSI) bedauert den Verlust von Isabel Meiser, die fachlich wie menschlich einen kompetenten Eindruck hinterlassen habe. Ihrer Ansicht nach habe die Musikschule intern wie extern schon durch die Querelen der drei ehrenamtlichen Vorgänger Meisers gelitten. Mit dem Widerstand aus den eigenen Reihen, wie etwa einberufene Lehrerkonferenzen ohne Meisers Wissen, hätte sie nicht rechnen können. WFSI kritisiert in ihrer Mitteilung die Fraktionen, die sich „vor den Karren“ hätten spannen lassen und so Meisers Führungsqualifikation und Fachkompetenz anzweifelten. Denn von den 30 Honorarkräften hätten bis auf fünf erklärt, den neuen Vertrag zu unterschreiben. Es wäre an OB Wagner gewesen, sich schützend vor die Musikschulleiterin zu stellen. „Nach unserem Dafürhalten, wird auch der nächste hauptamtliche Musikschulleiter mit dieser Situation konfrontiert“, sagt Christina Wieth, Mitglied im Kulturausschuss.

Für die SPD-Fraktion bleibe die kritische Bestandsaufnahme des Zustands der Musikschule, nämlich teils mangelnde Qualität in der Nachwuchsförderung, unterdurchschnittliche Honorierung der Lehrkräfte, räumliche Situation und chronische Unterfinanzierung, auch nach dem Weggang von Meiser eine Warnung an Stadtverwaltung und Stadtrat. Aus Sorge um einen Imageschaden für Musikschule und damit auch für die Kulturstadt St. Ingbert, fordert die SPD die Stadtverwaltung auf, die durch Meiser begonnene Bestandsaufnahme fortzuführen und den Stadtrat auch bezüglich einer realistischen Prognose des Finanzbedarfs zu informieren.

Gleichzeitig schließt die SPD eine Rückkehr zu einer ehrenamtlichen Leitung ebenso aus wie sie Provisorien hinsichtlich der Leitung und der Arbeits- und Honorarverträge ablehnt. Vielmehr brauche eine neue hauptamtliche Leitung die klar wahrnehmbare Rückendeckung der Verwaltungsspitze bei der Umsetzung notwendiger Veränderungen sowie bei der Reform des pädagogischen Konzepts. Deshalb appelliert die SPD an die Mitglieder des Stadtrats, auf einseitige Schuldzuweisungen zu verzichten und vielmehr Ursachen für die Misere und Lösungswege zu diskutieren, „durch einen konstruktiven Dialog und mit einem fairen Umgang untereinander“, so der SPD-Vorsitzende im Stadtrat, Sven Meier.