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Konzert in der Christuskirche
Musik, viel zu schade nur fürs stille Kämmerlein

Diese Streicherinnen gehörten zu den jüngsten Teilnehmern des 17. Kammermusikkurses.
Diese Streicherinnen gehörten zu den jüngsten Teilnehmern des 17. Kammermusikkurses. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. 40 Kinder und Jugendliche präsentieren beim Konzert in der Christuskirche die Ergebnisse eines Kammermusikkurses.

Kammermusik heißt nicht etwa so, weil sie nur in kleinen Zimmern hinter verschlossenen Türen gemacht wird. Im Gegenteil, sie war schon vor hunderten Jahren für den „repräsentativen Gebrauch“ bestimmt. Und so war es eine Freude auch die Probenergebnisse des 17. St. Ingberter Kammermusikkurses in der Christuskirche zu hören. Rund 40 Teilnehmer, die jüngste Violinistin war gerade mal fünf Jahre alt, probten eine Woche in allen Räumen und Winkeln des Hauses von Kursleiterin Barbara Barthruff. Jede Gruppe intensivierte das Spiel an ihrem Instrument.


Wobei das gar nicht so einfach zu trennen ist, denn einige Teilnehmer spielen mehrere Instrumente, wie man beim Konzert am Donnerstag sah. Unter den jungen Kursteilnehmern gibt es schon viele „alte“ erfahrene Hasen, die sich jedes Mal aufs Neue auf den Kammermusikkurs freuen. Unter den Musikern sind aber auch einige neue Gesichter, die noch die Noten lernen mussten. Auch die Ehemaligen zeigten ihre Verbundenheit zu der musikalischen Truppe, brachten Kuchen vorbei oder Musikaufnahmen aus dem vergangenen Jahr. „Es war eine begeisternde Woche, die uns Freude gemacht hat“, so Barthruff, „es wurde jeden Tag fleißig gearbeitet.“

Wunderbar war die Zeit aber nicht nur durch die vielen talentierten Kinder und Jugendlichen, sondern auch die Dozenten trugen ihren Teil zum Erfolg bei. Darunter eine Soloflötistin des Staatstheaters und eine Professorin des Hochschule für Musik, die den kleinen Meisterkurs Klavier leitete. Und das Üben hat sich gelohnt. Die zehn Violinen, elf Flöten, drei Trompeten, fünf Celli, zwei Klarinetten, ein Saxofon, ein Schlagzeug und ein Euphonium und einige Pianisten sorgten für ein Festival der Kammermusik. Immer wieder neu „sortiert“ gab es zum Auftritt ein buntes Programm, das vom Orchester mit dem Eurovisions-Lied von Charpentier eingeleitet wurde. „Das Orchester war dieses Jahr besonders gut und vom Klang her sehr ausgewogen“, sagte Barbara Barthruff im Anschluss.



Smetanas Moldau vom Orchester gespielt sei „hinreißend“ gewesen, das von den Jugendlichen gesungene „With or without you“, ein Musiktitel von U2, sehr emotional. Für die anderen Zuhörer war es einfach nur ein toller Nachmittag, der viel zu schnell zu Ende ging. Er war bestückt mit Werken von Mozart, Paganini, Tschaikowsky, Schubert, Dvorak , Saint-Saens und vielen anderen. Die Vielfalt an Instrumentengruppen in verschiedenen Konstellationen wie Quartett, Blechbläser-Ensemble, „vierhändiges Klavier“, Harry-Potter- und Musical-Gruppe, Violine-Klavier-Duo und als Orchester sowie Chor sprach für die Qualität und Intensität des Kammermusikkurses. Aber er bot den Gästen, darunter viele stolze Eltern, auch die Möglichkeit, mal weniger bekannte Stücke zu hören. Die Luft anhalten mochte man beim dynamischen Spiel des Flötenquartetts, das „Flûtes légères“ von Jacques Castérède grandios intonierte.

„Das war zehn Jahre mein Traum, dass ich mal vier Flöten habe, mit denen man das spielen kann“, freute sich die musikalische Leiterin, dass es nun endlich mit der Aufführung geklappt hat. Auch die kleinen Kammermusiker machten ihre Sache gut.

„Hier können die Jüngsten sehen, was man in einigen Jahren erreichen kann“, sagte die St. Ingberter Pianistin. Man hätte gern alles gehört, was in dieser Woche im musikalischen Kämmerlein des Hauses Barthruff geprobt wurde, doch jedes Ensemble musste sich für ein Stück entscheiden, das es in der Christuskirche spielte. Geprobt habe man aber mindestens viermal so viel. Vor dieser Leistung konnte man nur den Hut ziehen und es strafte jene Lügen, die behaupten, dass die Jugend nur noch am Computer sitze.