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Mit Plastik gegen Kinderlähmung

Manfred Schmitz (links) und Toni Schuster vom St. Ingberter Rotary-Club inmitten der an der Albertus-Magnus-Realschule gesammelten Plastikdeckel, mit deren Erlös Impfseren gegen Kinderlähmung gekauft werden sollen. Allein dort kamen bisher 120 Kilogramm des Recyclingmaterials zusammen. Foto: Cornelia Jung
Manfred Schmitz (links) und Toni Schuster vom St. Ingberter Rotary-Club inmitten der an der Albertus-Magnus-Realschule gesammelten Plastikdeckel, mit deren Erlös Impfseren gegen Kinderlähmung gekauft werden sollen. Allein dort kamen bisher 120 Kilogramm des Recyclingmaterials zusammen. Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
St Ingbert. Kinderlähmung wird auch von St. Ingbert aus bekämpft. Und das ist einer Lehrerin vom BBZ zu verdanken. Janina Burkholz sah im Fernsehen, dass es eine Deckel-Sammel-Aktion von Rotary gibt, mit deren Erlös man Impfstoffe kaufen kann. Neben dem BBZ sind auch die Albertus-Magnus-Schulen dabei. Cornelia Jung

Wir Deutschen sind bei der Mülltrennung schon ganz vorn mit dabei und doch denkt wohl kaum einer daran, die Deckel von Tetrapacks, Plastikflaschen, Zahnpastatuben oder Shampooflaschen noch einmal gesondert zu sammeln. Aber die Verschlüsse bestehen aus hochwertigen Kunststoffen wie hart-dichtem Polyethylen (HDPE) oder auch Polypropylen (PP), für die entsprechende Verwerter sogar noch Geld bezahlen. Natürlich nicht für zehn Stück, für große Mengen aber schon. Im Jahr fallen in Deutschland rund 20 Milliarden solcher Deckel an, die rund 40 000 Tonnen wiegen und einen Materialneuwert von 48 Millionen Euro haben. Auf einem Rotary-Treffen 2013 in Portugal stellten die Mitglieder eines dortigen Serviceclubs ein Projekt vor, bei dem vom Erlös gesammelter Deckel Rollstühle für Bedürftige gekauft wurden. Mit der Gründung des Vereins "Deckel drauf" 2014 wurde die Idee in Deutschland aufgegriffen und das Konzept sozusagen "importiert".



In einem ersten Schritt unterstützt der Verein das Programm "End Polio Now" von Rotary mit dem weltweiten Vorhaben, die Poliomyelitis, auch Kinderlähmung genannt, bis 2018 auszurotten. Im Kampf gegen die Krankheit konnten seit 1988 schon überzeugende Erfolge errungen werden. Waren es damals noch rund 350 000 Polio-Fälle, die jährlich neu auftraten, konnte diese Anzahl bis 2011 dank Impfkampagnen auf weniger als 700 reduziert werden. Nord- und Südamerika wurden 1994 als von Polio befreit erklärt, die Westpazifikregion im Jahr 2000 und Europa 2002. Gehäuft tritt diese Viruskrankheit, die mit Verkrüppelungen und Lähmungen einhergeht, und vor allem Kinder bis fünf Jahre "befällt", derzeit nur noch in Afghanistan, Pakistan und Nigeria auf. Um alle Kinder schützen zu können, müssen die Impfmaßnahmen allerdings zu Ende geführt werden, wofür Geld gebraucht wird. Derzeit klafft eine Finanzierungslücke von einer Milliarde Dollar. Viele Institutionen, Regierungen, Organisationen und Stiftungen , wie die Weltgesundheitsorganisation , Unicef oder die Melinda und Bill Gates-Stiftung, unterstützen diese Kampagne. Nun wird Polio auch von St. Ingbert aus bekämpft. Und das ist einer Lehrerin vom BBZ zu verdanken. Janina Burkholz sah im Fernsehen , dass es diese Deckel-Sammel-Aktion von Rotary gibt und mit dem Geldwert von einem Kilogramm Plastikdeckeln, rund 500 Stück, eine Impfdosis gekauft werden kann. Sie wollte mit ihrer Schule helfen und fragte beim Rotary-Club St. Ingbert nach, ob es diese Initiative auch hier bei uns gibt. Noch gab es sie nicht, doch die St. Ingberter Rotarier nahmen die Nachfrage zum Anlass, um nun ihrerseits St. Ingberter Schulen anzuschreiben. In drei von ihnen wurden nach deren Zustimmung ein paar Wochen vor den Sommerferien Sammelbehälter aufgestellt. Neben Schülern des BBZ stiegen noch die Albertus-Magnus-Schulen in die Deckelsammlung ein, die noch bis November laufen soll. Je nach Sammelaufkommen werden die Schulen von Rotary St. Ingbert mit einem Geldgeschenk bedacht. Alle sind hoch motiviert, die Schüler der Albertus-Magnus-Realschule gingen sogar in Supermärkte, um die Deckel von den abgegebenen Behältnissen abzuschrauben.

Bisher kamen so allein beim AMR rund 120 Kilogramm bunte Plastikdeckel zusammen. Eine Riesen-Menge, wenn man bedenkt, dass ein einzelnes "Käppchen" nur zwei Gramm wiegt. Rotarier Toni Schuster hat mittlerweile auch in seinem Bekanntenkreis dafür gesorgt, dass die Sammelleidenschaft ausgebrochen ist und er möchte noch mehr St. Ingberter zum Nachmachen animieren. In einem Gespräch mit dem Oberbürgermeister musste er nicht viel Überzeugungsarbeit für diese gute Sache leisten. Demnächst wird es eine Sammeltonne für die "lebensrettenden" Deckel auch im Bürger-Servicecenter im St. Ingberter Rathaus geben. Warum gerade diese Deckel gesammelt werden, liegt auf der Hand. Sie sind ein wertvoller Rohstoff, der in jedem Haushalt anfällt. Für den Spender selbst haben sie keinen wirtschaftlichen Wert. Jeder kann mitmachen, unabhängig von seinen wirtschaftlichen Verhältnissen. Und nun sind auch die St. Ingberter aufgerufen, unter die Sammler zu gehen, denn bereits 500 Deckel können ein Leben ohne Kinderlähmung ermöglichen.