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Karriertag
Mit Papierfliegern Software entwickeln

Vera Hinrichs testet einen Papierflieger, den sie zusammen mit ihren Teamkollegen Thomas Mechenbier und Pascal Niedermeyer (links im Bild) beim Karrieretag bei abat+ gefaltet hat. Insgesamt waren 24 Studenten zu Gast.
Vera Hinrichs testet einen Papierflieger, den sie zusammen mit ihren Teamkollegen Thomas Mechenbier und Pascal Niedermeyer (links im Bild) beim Karrieretag bei abat+ gefaltet hat. Insgesamt waren 24 Studenten zu Gast. FOTO: Nina Drokur
St. Ingbert. 24 Studenten haben sich beim Karrieretag über die Arbeit der IT-Firma abat+ in St. Ingbert informiert. Von Nina Drokur

In der ehemaligen Direktoren-Villa auf dem Beckergelände in St. Ingbert hat das IT-Unternehmen abat+ seinen Sitz. Dort wo früher der Brauerei-Chef wohnte, sieht es auf den ersten Blick nicht nach Arbeit aus. Eine Parkanlage mit grünen Wiesen und Bäumen umgibt das Gebäude, offene Terrassentüren so hoch wie die Wände selbst reihen sich aneinander. Im Inneren stolpern Besucher aber schnell über Kabel undComputer der Mitarbeiter und der Arbeitsalltag wird real.


Was die insgesamt 160 Mitarbeiter auf dem Beckergelände treiben? „Wir sind ein Softwareunternehmen, das die Produktion von komplexer Fertigungsindustrie managed“, sagt Geschäftsführer Peter Grendel. Heißt im Klartext? „Kein Mercedes geht vom Band, der nicht mit unserer Software entwickelt wurde.“ Dabei spricht die Software nicht nur mit den Robotern in den Mercedes-Werken und gibt Anweisung welches Blech, wie gebogen werden muss, sie spricht auch mit den Menschen. So zeigen etwa Bildschirme dem Mitarbeiter an, welches Teil er von welchem Band nehmen muss oder leuchten rot, wenn er es auf das falsche Band zurücklegt. Hinter all diesen Prozessen steckt abat-Software, nicht nur bei Mercedes, erklärt Grendel.

Von dieser Arbeit haben sich am Karrieretag 24 Studenten ein Bild gemacht – aus Bereichen wie Informatik und Mathematik, aber auch der Betriebswirtschaftslehre. Von Universitäten und Hochschulen, aus Saarbrücken und Trier. Für sie haben Mitarbeiter aus unterschiedlichen Fachbereichen Präsentationen über verschiedene Berufsfelder vorbereitet und erzählen aus ihrem beruflichen Alltag. Auffällig ist: Die Mitarbeiter sind auf den ersten Blick nicht von den Studenten zu unterscheiden. Turnschuhe, Sandalen, Jeans – jeder trägt, worauf er Lust hat. „Was will ich bei diesem Wetter einen Anzug tragen?“, fragt Geschäftsführer Peter Grendel. Der ehemalige SAP-Mitarbeiter hat zusammen mit Harald Ströher das Unternehmen 2010 gegründet. Grendel legt wert auf ein alternatives Konzept. „Die jungen Leute ticken anders. Karriere heißt nicht mehr gleich: viel Kohle. Und darauf muss man reagieren, wenn man erfolgreich sein will“, sagt er.



Um dem potenziellen IT-Nachwuchs einen Vorgeschmack auf die Tätigkeit bei abat+ zu geben, erarbeiten sich die Studenten zwei gängige Methoden der Software-Entwicklung selbst – indem sie Papierflieger bauen. Ein Team nach der sogenannten agilen Scrum-Methode, deren Prinzip auch abat+ seit zwei Jahren folgt. Ein anderes nach der sogenannten Wasserfall-Methode. Team Agil überlegt nur kurz, bevor die vier Studenten gleich zum Papier greifen, falten, sich kurz beraten und weiterfalten. Währenddessen greift Team Wasserfall zum Stift, denn bevor zwei von ihnen loslegen dürfen, müssen die anderen beiden ein Konzept festlegen. Am Ende kann das agile Team 17 Flieger vorweisen. Und Team Wasserfall? Die halten nach Ablauf der Zeit ihren einzigen Flieger hoch. Für Joachim Albrech der Beweis, dass die Methode, für dessen Umsetzung er als sogenannter Scrum-Coach verantwortlich ist, funktioniert. Scrum, zu Deutsch Gedränge, kommt aus Amerika. Wie Albrech erzählt, lebt das Modell von Transparenz. Regelmäßig finden deshalb Treffen mit Kunden statt, die können gleich ihre Meinungen und Änderungswünsche äußern, auch das Team überprüft, was noch verbessert werden kann und passt das Produkt, in diesem Fall nicht Papierflieger, sondern die Software entsprechend an.

Der Karrieretag kommt bei den Studenten gut an. Unter der überwiegend männlichen Studentenschaft fallen die wenigen Interessentinnen auf. Eine von ihnen ist Vera Hinrichs. Eigentlich hat sie BWL studiert, möchte aber auf die Software-Seite wechseln. Bei abat+ wollte sie einen Einblick bekommen, wie und ob ihr dieser Einstieg gelingen kann. „Ich bin positiv überrascht. Ich dachte eigentlich ich hätte keine Chance, aber die haben mir Mut gemacht“, sagt Hinrichs.

Den Karrieretag wird es in Zukunft regelmäßig geben. Denn er ist nicht nur eine Chance für Studenten, einen Tag hinter die Kulissen zu blicken. „Wir müssen uns auch um unseren Nachwuchs kümmern. Wir sind weiterhin auf Wachstumskurs und brauchen die Unterstützung von innovativen, kreativen, jungen Menschen“, sagt Grendel.