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Chorkonzert
Mit einem Pop-Requiem gegen die Trauer

Das erste von zwei Konzerten mit dem Hettwer-Requiem leitete Andreas Ganster in der Konradskirche in St. Ingbert.
Das erste von zwei Konzerten mit dem Hettwer-Requiem leitete Andreas Ganster in der Konradskirche in St. Ingbert. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Die Chöre zweier Gymnasien läuteten bei zwei Aufführungen in zwei Städten den Trauer-Monat November ein. Von Cornelia Jung

Die Monate Oktober und November sind im Kirchenkalender geprägt von Tagen, die der christlichen Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod und der Trauer gewidmet sind. Was passt in diese Zeit also besser als die Aufführung eines Requiems? Ein ganz besonderes haben sich der Von Leyen-Chor Blieskastel und der ELSchE-Chor des Albertus-Magnus-Gymnasium St. Ingbert ausgesucht – das Pop-Requiem des Komponisten und Pianisten Thomas Hettwer.


Der heutige Professor an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg schrieb das Stück 1989 als sein erstes größeres Werk, zu dem der damalige Hauptpastor der Hamburger Kirche St. Petri den Auftrag gab. Dieser suchte ein Werk, mit dessen Hilfe sich Jugendliche mit dem Tod auseinandersetzen können. Dass das Ergebnis überzeugend ausfiel, beweist auch die Tatsache, dass sich die Sängerinnen und Sänger der beiden Schulen mit diesem Stück auseinandersetzten und es mit Freude aufführten. Die Blieskasteler hatten den St. Ingbertern allerdings bereits einige Erfahrungen mit dem Singen des Hettwer-Requiems voraus, denn sie probten es erstmals anlässlich des 40-jährigen Bestehens ihres Chores 2013. Die Sänger des Blieskasteler Chores blieben dem Werk, das mit einer Mischung unterschiedlicher musikalischer Richtungen verschiedener Epochen überrascht und auf der Schaffung von Gegensätzen beruht, verbunden und führten es mehrmals auf. Es ist dort so beliebt, dass es eine Sängerin, die in beiden Chören aktiv ist, dem Leiter des St. Ingberter Chores zur Aufführung vorschlug. Andreas Ganster griff die Empfehlung auf, und so war es nur noch ein kurzer Weg bis zum gemeinsamen Auftritt in der Kirche St. Konrad in St. Ingbert und einen Tag später in der Schlosskirche Blieskastel. So leicht, wie sich die Musik, die irgendwo zwischen eingängigen Liedern, Gregorianischem Gesang und Adiemus angesiedelt ist, auch anhört – leicht zu erlernen ist das Requiem nicht. Harmonien und Rhythmik wechseln ständig, und was sich für den Zuhörer so stimmig anhört, ist harte Arbeit.

Mit dem Text lehnt sich Hettwer konservativ an das katholische Requiem in lateinischer Sprache an. „Er hat den alten Text zeitgenössisch aufgepeppt und mit modernen Elementen versehen“, sagt der Dirigent des AMG-Chores. Bereits die musikalischen Strukturen bestehen aus Gegensätzen – altbekannte Kirchenmelodien werden der Instrumentalisierung mit Synthesizern und Schlagzeug gegenüber gestellt, Rock- und Pop-Elemente stehen neben Chorsätzen im Stile des 17. Jahrhunderts, meditativ-balladenhafte Melodien neben Klängen, die an Carl Orff erinnern. So viel Freude wie die Musiker und Solisten in der Konradskirche am Musizieren hatten, hatten die Zuhörer beim Zuhören. Dieser Musikgenuss blieb leider nur wenigen Gästen vorbehalten, die den Weg in die Kirche „fanden“. Für Heike Scholl, Sängerin und Schulleiterin des AMG, war es eine Freude, beim Konzert dabei zu sein: „Das Stück deutet schon auf den November hin. Es ist ein sehr Trost spendendes Requiem. Es vereinigt die Chöre beider Schulen, an denen ich tätig war, so dass es für mich ein Konzert mit Freunden ist.“