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Mit der Mundart in die Herzen der Jury

St Ingbert. Heike Scholz hat mit ihrem Text „Allerseeledaa“ den zweiten Preis im Bereich Lyrik gewonnen, Dorothee Neurohr-Gebhardt schaffte es mit ihrem Beitrag „Mednanner gehn“ auf Platz zwei im Bereich „Kurztext“. Von SZ-RedakteurinYvonne Handschuher

"Man redet, man diskutiert, man spielt, konkurriert oder streitet - miteinander. Man hat was miteinander, kann nicht miteinander, man verträgt sich miteinander." So beschreibt der Saarländische Rundfunk (SR) das Motto seines Mundartpreises 2013. Ende November war es soweit: Die Gewinner in den Bereichen Lyrik, Prosa und Kurztext standen fest. Mit dabei die beiden St. Ingberterinnen Heike Scholz und Dorothee Neurohr-Gebhardt. Die Schulleiterin des St. Ingberter Albertus-Magnus-Gymnasiums, Heike Scholz, erhielt den zweiten Preis in der Kategorie Lyrik, der zweite Preis in der Kategorie Kurztext ging an die St. Ingberterin Dorothee Neurohr-Gebhardt, die die Arbeitsstelle Integrationspädagogik in Saarbrücken leitet und gelernte Logopädin ist.

Heike Scholz nahm zum ersten Mal an dem Wettbewerb teil, Dorothee Neurohr-Gebhardt ist "Wiederholungstäterin" und erhielt bereits zum dritten Mal einen Preis, zweimal den dritten, dieses Mal den zweiten.

Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet Heike Scholz, dass sie sich als Lehrerin für Wettbewerbe interessiert. Dass sie nun selbst an dem Wettbewerb teilnahm, lag laut der Deutsch- und Musiklehrerin daran, dass sie derzeit keine geeignete Lerngruppe habe. Würde sie nochmal teilnehmen, dann auf jeden Fall gerne mit ihren Schülern. Es war ein Gräberbesuch, der sie zu ihrem Text inspirierte. "Ich sah einen Mann gedankenverloren an einem Grab stehen", berichtet Heike Scholz. "Einen Mann, der nicht hochdeutsch gesprochen hätte." So kam es zu Scholz' "Augenblicksarbeit". Kurios, denn die Lehrerin stammt aus einem Haushalt, in dem kein Saarländisch gesprochen wird. "Ich halte Mundart für wichtig. Es ist die Sprache, die direkt zum Herzen spricht", so die Lehrerin weiter. Mundart sei auch ein schönes Unterrichtsthema, "da wir im Saarland zwei Dialekte haben, die nichts miteinander zu tun haben". Heike Scholz sagt: "Es wäre eine Verarmung, wenn es die Mundart nicht gäbe." Wenngleich die Lehrerin darauf hinweist, dass es selbstverständlich wichtig sei, das Hochdeutsche zu beherrschen, als "Standardlautung".

Als "Eisbrecher" bezeichnet Dorothee Neurohr-Gebhardt die Mundart. Und auch sie betont, dass diese direkt ins "Herz geht". Bereits als Jugendliche hat Neurohr-Gebhardt Gedichte geschrieben. Dass sie nun Mundart-Texte schreibt und damit Wettbewerbe gewinnt, sei eher ein Zufall. Sie sagt: "Ich bin in St. Ingbert geboren, da schwätzt man platt." Wenn gleich sie als Logopädin auch eine Sprecherziehung hinter sich hat. "Es war anstrengend, die saarländischen Spuren zu beseitigen", erinnert sie sich. In dieser Zeit habe sie gemerkt, dass sie "zweisprachig" sein möchte. "Ich sehe die Mundart als Bereicherung und lege großen Wert darauf, diese auch meinen Enkelkindern anzubieten." Als Kind hat Neurohr-Gebhardt selbst acht Jahre lang mit ihrer Urgroßmutter unter einem Dach gelebt. "Sie sprach noch altes Deutsch", erinnert sich die Logopädin. Die Mundart sieht sie als wichtiges Kulturgut, das allerdings nicht überall hingehört.


Zum Thema:

HintergrundDen Saarländischen Mundartpreis gibt es seit 2007. Seitdem schreiben SR 3 Saarlandwelle, die Stadt Völklingen und der Landkreis St. Wendel alle zwei Jahre im Frühjahr den Mundartpreis in den Bereichen Lyrik, Prosa und Kurztext aus. Nach den Themen "Heimat" (2007), "Zeit" (2009) und "Glück"(2011) stand der Mundartwettbewerb in diesem Jahr unter dem Motto "Miteinander". Über 400 Beiträge waren eingereicht worden. red