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Mehr als nur Scheiben schmeißen

St. Ingbert. Anfang März gelang den St. Ingbert Indians der Aufstieg in die 2. Ultimate-Frisbee-Liga. Den Spielern ist aber nicht nur alleine die Liga-Zugehörigkeit wichtig. Für sie steht der Spaß im Vordergrund, wie ein Trainingsbesuch zeigt. Jonas Grethel

Martin Swat hat sich schon daran gewöhnt, dass die meisten Menschen erst einmal stutzig werden, wenn er von seinem Sport "Ultimate Frisbee " spricht. "Die Leute verbinden Frisbee immer mit lockerem Hin- und Herschmeißen von Plastikscheiben am Strand", erklärt der Trainer und Mannschaftskapitän der St. Ingbert Indians beim Training in der Hasseler Eisenberghalle: "Aber Ultimate Frisbee ist viel mehr als das."

Der Mannschafts- und Wettkampfsport ist tatsächlich sehr vielfältig. Zwei Teams à fünf (im Freien sieben) Spielern stehen sich gegenüber und versuchen, die Frisbee-Scheibe durch Werfen und Fangen in die so genannte "Endzone" der anderen Mannschaft am Ende des Spielfelds zu befördern. Das Besondere dabei ist, dass jeder Körperkontakt als Foul angesehen wird, aber dennoch bei keinem Spiel Schiedsrichter vonnöten sind - egal auf welchem Niveau. Swat erläutert: "In strittigen Situationen einigen sich die beteiligten Spieler auf faire Art und Weise über die Entscheidungen." Dafür wird vorausgesetzt, dass zum einen alle Spieler die Regeln kennen und sich gegebenenfalls verständigen können, und zum anderen keiner die Regeln absichtlich verletzt.

Und das funktioniert überraschend gut. "Zusammen Spaß zu haben, steht bei uns an oberster Stelle", sagt Torben Koop, seit 2013 Mitglied bei den Indians: "Es geht zwar zur Sache, und man gibt wirklich alles. Aber man geht trotzdem immer respektvoll mit Mannschaftskameraden und Gegnern um. Das macht diesen Sport für mich aus."

Beim Ultimate gibt es kein intensives Konkurrenzdenken zwischen Gegnern. Die Spieler geben sich stattdessen Tipps und lernen voneinander, wie Koop erklärt. Teamkollegin Anke Fatscher ergänzt: "Anders als bei Sportarten wie Fußball oder Handball geht man bei uns aufs Feld und muss keine Angst haben, dass man böse verletzt wird. Ultimate ist zwar hart, dafür aber fair."

Da sich die Gegenspieler nicht berühren dürfen und Fairness so eine große Rolle spielt, können auch Sportler aller Altersklassen und Geschlechter zusammenspielen. Martin Swat erklärt: "Bei uns ist alles vertreten: alt und jung, Männer und Frauen - jeder spielt miteinander. Das ist wirklich besonders und gibt es in anderen Sportarten sehr selten."

Anfang des Monats haben die St. Ingbert Indians, die der DJK-Sportgemeinschaft St. Ingbert angehören, in heimischer Halle in Hassel den Aufstieg in die 2. Ultimate-Bundesliga perfekt gemacht. Das entscheidende Halbfinale gewannen sie zuhause in einem packenden Duell 15:14 gegen die Feldrenner aus Mainz. Martin Swat freut sich: "Das ist natürlich toll, wir haben jetzt ein neues Level erreicht und spielen gegen andere und bessere Teams." Das Niveau in der 2. Liga sei ein ganz anderes.

Die Indians haben momentan 15 Mitglieder, von denen die meisten über den Hochschulsport an den Verein gebunden werden. Außerdem versuchen die Indianer, in Schulklassen für sich zu werben, Schülerturniere auszurichten, oder einfach durch Mund-zu-Mund-Propaganda auf sich aufmerksam zu machen. "Wir freuen uns immer über neue Mitglieder, bei uns ist jeder willkommen", sagt Martin Swat. Interessierte Anfänger sind jederzeit eingeladen, sich im Training selbst an der Scheibe auszuprobieren und sich davon zu überzeugen, dass Frisbee tatsächlich mehr ist als nur gemütliches Scheibenwerfen.

st-ingbert-indians.de


Zum Thema:

Auf einen BlickUltimate Frisbee , oder einfach "Ultimate", entstand in den 1960er Jahren in den USA und kam rund 20 Jahre später nach Deutschland. In Nordamerika sind heute zwischen vier und fünf Millionen Spieler in Vereinen gemeldet. In Deutschland sind es bisher nur knapp 3500 Spieler in etwa 700 Vereinen, die Zahl ist jedoch in letzter Zeit stark am wachsen. Eine Landesebene zwischen Bundes- und Vereinsebene existiert hierzulande noch nicht, der Deutsche Frisbeesport-Verband (DFV) arbeitet jedoch momentan an einem entsprechenden Konzept. Seit 1983 finden auch Weltmeisterschaften im Ultimate statt. Die Sportart ist noch nicht olympisch; Ziel ist es aber, spätestens bei den Olympischen Spielen 2024 dabei zu sein. jg