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Live dabei sein, wenn Küken schlüpfen

Die Vorschulkinder schauen gespannt in den Brutkasten, in dem es am 17. Mai lebendig wurde. Sie haben vom Hühnerpapa aber auch aus einem Bilderbuch (rechts) viel über die Entwicklung der Eier bis zum Huhn erfahren. Foto: Cornelia Jung
Die Vorschulkinder schauen gespannt in den Brutkasten, in dem es am 17. Mai lebendig wurde. Sie haben vom Hühnerpapa aber auch aus einem Bilderbuch (rechts) viel über die Entwicklung der Eier bis zum Huhn erfahren. Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
St Ingbert. Ein Brutkasten, Eier und Miethühner erobern die Kindertagesstätte St. Franziskus. Nicht nur für die Kinder ein Gewinn, das erleben zu können. Cornelia Jung

Am Besten lernt man das Verhalten und die Lebensbedingungen von Tieren aus eigener Anschauung kennen. Das dachten sich auch Ursula Hornig, die Leiterin der Kindertagesstätte St. Franziskus, und der Förderverein, die sich für die Kita Miethühner zulegen wollten.


So könnten die Kinder den Tieren beim picken zuschauen, sie versorgen, ihre Bedürfnisse kennenlernen und nebenbei noch sehen, wo das Frühstücksei herkommt. Dafür begeisterten sich die Eltern schnell, nur die Finanzierung war nicht geklärt. Aus dem Elternkreis kam die Idee mit dem Kükenlotto. Denn "Hühnerpapa" Philipp Stilgenbauer aus Pirmasens bietet auch befruchtete Eier an, deren Entwicklung im Brutkasten verfolgt werden kann. Jedes der 50 Eier erhielt eine Nummer und für fünf Euro konnten die Eltern auf ein Ei setzen. Mit diesem Geld können später die bis zu fünf Miethühner plus mobilem Stall bezahlt werden.

Die "Paten" des Kükens, das zuerst schlüpft, bekommen als Preis eine Torte. Doch die ist nicht wirklich wichtig. Denn den Gewinn haben die fast 80 Kinder der Kita, die am 17. Mai Kükeneltern wurden. Manche haben noch nie ein Küken gesehen. Um so gespannter verfolgten sie den Einzug der am 26. April in der Pfalz gelegten Eier in der Kita. Vom Hühnerpapa wissen sie, dass es die Eier warm haben und ab und zu bewegt werden müssen, sie Feuchtigkeit und Ruhe brauchen, 21 Tage lang.



Zehn Tage nachdem die Eier die Hühner verlassen haben, kam Stilgenbauer zum Durchleuchten der Eier vorbei. Gespannt verfolgten die Kita-Kinder, wie es dem Hennennachwuchs im Inneren der Eier geht. Einige mussten aussortiert werden. Auch das lernten schon die Kleinsten, dass nicht alle lebensfähig sind. "Es kann auch sein, dass später ein Küken tot ist. Dann kriegen es die Erdmännchen im Zoo", weiß ein Mädchen, das dort beim Füttern zusah. Wann die Küken genau schlüpften, wussten die Kinder nicht. "Wir wollen ihnen nicht irgendetwas eintrichtern, sondern sie sollen es selbst erleben und erfahren", so Ursula Hornig.

Nicht nur die Kinder waren gerührt von dem jungen Leben, das man ihnen anvertraut hatte. Selbst Ursula Hornig hatte Tränen in den Augen als sie die Blutbahnen sah, die das Küken während des Brütens mit allem Notwendigen versorgten. Sie war so beeindruckt, dass ein Kreuzfahrtschiff, das bis dahin als Hintergrundbild ihres Computerbildschirms gedient hatte, einem Ei weichen musste, dessen Inhalt beim Durchleuchten sichtbar gemacht wurde. Das Schlüpfen konnte per "Live-Stream aus dem Brutkasten" über einen Link auf der Kita-Homepage verfolgt werden. "Den Küken geht es prima und sie sind fleißig am Fressen", so Hornig.

Nun bleiben sie noch bis zum 2. Juni bei den Kindern, bevor sie gegen erwachsene Miethühner eingetauscht werden. Über die Hühner kommen auch Betreuer und Kinder anders ins Gespräch. "So habe ich erstmals gehört, dass ein Opa oder ein Nachbar ebenfalls Hühner hat", so Hornig. Dagegen ist es für die Stadtkinder eine ganz neue Erfahrung, Hühner beim Aufwachsen begleiten zu können.

Der Vorteil: Man könne sich die Tiere ins Haus holen und muss nicht mit allen auf den Bauernhof fahren. Außerdem staunen die Großen manchmal über die Fragen der Jüngsten, die sich natürlich bisher um die Eier drehen. So gab es Dialoge über die Entstehung des Lebens, die Hühnermama oder die Eiform. "Ich finde es einfach schön, wie man sich mit den Kindern solch ein Thema Stück für Stück erarbeiten kann", sagt die Kita-Leiterin, die selbst "tierischen Spaß" am Hühnerprojekt hat, für das noch Paten gesucht werden.