| 20:37 Uhr

Leibniz-Gymnasium
Leibniz-Schüler setzten sich mit Konzentrationslager auseinander

Neuntklässler des Leibniz-Gymnasiums vor einem geböude des ehemaligen KZs Struthoff.
Neuntklässler des Leibniz-Gymnasiums vor einem geböude des ehemaligen KZs Struthoff. FOTO: Steffi Rosar
St. Ingbert. Am letzten Wandertag des jetzt zu Ende gegangenen Schuljahres hatte sich die Klasse 9a mit den Lehrern Andreas Rehlinger und Steffi Rosar ein wahrlich schwieriges Ziel ausgesucht: Das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler-Struthof. red

Verständlich, dass da von Anfang an eine aufgeregte, aber auch bedrückte Stimmung herrschte. Daher war es für die Schüler auch hilfreich, dass sie vor der Abfahrt von Werner Hillen, der sie auf der Fahrt begleitete, über Verhaltensweisen im KZ Informiert wurden. Er erzählte ihnen auch bereits auf der Fahrt vieles über das Konzentrationslager und beantwortete ihre Fragen, die sie aus der Vorbereitung der Fahrt im Unterricht mitgebracht hatten. Werner Hillen ist als ehemaliger Rektor der Edith-Stein-Schule in Friedrischsthal jetzt ehrenamtlicher Referent der Stiftung Demokratie.


Erste Station war der Bahnhof, an dem die Häftlinge, nach meist tagelanger Fahrt in geschlossenen Viehwaggons, ankamen. Diejenigen, die die schreckliche Fahrt überlebt hatten, mussten dann noch einen mehrere Kilometer langen, steilen Berg hinauflaufen.

Danach führte Werner Hillen die Schüler über das gesamte Gelände des Lagers. Sie erfuhren, dass das Konzentrationslager Natzweiler ein Arbeitslager (also Tod durch Arbeit) war. Die Häftlinge wurden mit harter und ökonomisch sinnloser Arbeit in einem nahegelegenen Steinbruch und dem Bau eines unterirdischen Gewölbes gequält. Die Menschen hier erfuhren die schlechteste Behandlung und sie hatten die höchste Zahl an Todesopfern zu beklagen. Auch diente das KZ Natzweiler als Hinrichtungsstätte. Die Gestapo ließ dort Widerstandskämpfer und Deserteure erschießen oder erhängen.



Viele der Häftlinge starben auch an Nährstoffmangel, da das Essen dort sehr viel Wasser, aber nur sehr wenig Fleisch, Obst oder Gemüse enthielt. Viele der Leichen wurden im Krematorium verbrannt, das die Schüler ebenfalls besuchten. Neben dem Krematorium befanden sich die Zellen, in denen die Häftlinge eingesperrt wurden. In den ca. 4 Quadratmeter großen Zellen waren manchmal bis zu 40 Leute

Wie in vielen anderen Konzentrationslagern wurden auch in Natzweiler Menschenversuche durchgeführt, um zum Beispiel Impfstoffe gegen Flecktyphus und giftige Kampfgase zu entwickeln. Die Häftlinge, an denen Versuche durchgeführt wurden, starben unter höllischen Qualen.

Die etwas entfernter liegende Gaskammer, in der unter anderem 86 Juden aus Auschwitz ermordet wurden, war schließlich die letzte Station der Führung. Auch an diesem Ort hatten alle ein sehr mulmiges Gefühl, da es schlimm war zu sehen, wozu Menschen fähig sind.

Verständlich, dass auf der Rückfahrt diese bedrückenden Eindrücke in vielen Gesprächen erst einmal verarbeitet werden mussten. Die Schüler empfanden den Tag als anstrengend und traurig, aber sie würden diese Fahrt allen Schülerinnen und Schülern ab einer bestimmten Altersstufe empfehlen, handelt es sich doch um so etwas wie erlebte Geschichte, von der niemand möchte, dass sie sich jemals in Deutschland wiederholt

Neuntklässler des Leibniz-Gymnasiums vor einem Geböude des ehemaligen KZs Struthoff.
Neuntklässler des Leibniz-Gymnasiums vor einem Geböude des ehemaligen KZs Struthoff. FOTO: Steffi Rosar