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Kunst-Diskussion
Die Kultur begleiten einige Baustellen

Doris Tabillion, Christa Strobel, Ulli Meyer, Fabian Roschy und Jörn Michaely (von links) diskutierten über die kulturelle Situation in St. Ingbert.
Doris Tabillion, Christa Strobel, Ulli Meyer, Fabian Roschy und Jörn Michaely (von links) diskutierten über die kulturelle Situation in St. Ingbert. FOTO: Jörg Martin
St. Ingbert. Die St. Ingberter Christdemokraten hatte zur „Zukunftswerkstatt Kultur“ in die Galerie Doris T. eingeladen. Es gab viel Diskussionsstoff.

„Wir müssen über ein Exit-Szenario bei der Baumwollspinnerei nachdenken“, meinte der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Pascal Rambaud am Ende der „Zukunftswerkstatt Kultur“, zu der die Christdemokraten in die Galerie Doris T. eingeladen hatten. Dort wurde diskutiert, wie Privatinitiativen und städtische Kultur besser vernetzt werden können.


In lockerer Runde plauderten, moderiert von Ortsvorsteher Ulli Meyer, die gastgebende Doris Tabillion (Galeristin und Künstlerin), Christa Strobel (Leiterin der VHS-Nebenstelle Hassel), Fabian Roschy (Leiter Festival „Junger Film“) und Jung-Regisseur Jörn Michaely mit dem Publikum. „Wo sind die Schwächen, wo sind die Stärken?“, wollte Pascal Rambaud wissen. „Wir wollten einen anderen Rahmen wählen, da es völlig unterschiedliche Interessen in der Stadt gibt“, erklärte Ortsvorsteher Meyer die Hintergründe.

„Es scheint mir, der Herr Deller will uns verarschen“, brachte Rainer Henrich seinen Unmut über den langwährenden Stillstand bei der Baumwollspinnerei zum Ausdruck. Man hätte das Albert-Weisgerber-Museum erst schließen dürfen, wenn die Baumwollspinnerei fertig ist, so der Alt-Ortsvorsteher von St. Ingbert-Mitte. „St. Ingbert hat extrem viel kulturell zu bieten“, fasste Christa Strobel zusammen, als sie zur Angebotsbeschreibung der Kulturszene ausholte. Die Ex-Lehrerin wünscht sich Veranstaltungen mit Autoren der Abiturlektüre, da die Schulen sowas nicht finanzieren können. Sie glaubt, dass sich das SoHo auf den Kabarett-Nachwuchs konzentrieren würde, während bei der Pfanne und „A la Minute“ die etablierten Künstler auftreten. Die Stadt dürfe dem Nachwuchs nicht den Rang „abgraben“, so Christa Strobel.



„Wir hatten das Gefühl, dass man sowas hier braucht“, erklärte Jörn Michaely die Hintergründe, das Bundesfestival Junger Film in St. Ingbert zu veranstalten. Man wollte etwas ausprobieren, was es hier nicht gibt, so der Nachwuchsregisseur. „Wir setzen verrückte Ideen um“, war das Credo seines Freundes Fabian Roschy. Mehr Gemeinschaft statt Konkurrenzdenken müsse das Ziel der Künstler in St. Ingbert sein, so Doris Tabillion. „Es gibt sehr gute Maler in der Stadt, die woanders ausstellen“, hat die Galeristin festgestellt. Durch den Rückbau der Bankschalterhallen fehlten Ausstellungsmöglichkeiten und die Rathaus-Galerie sei nicht ansprechend, meinte Heinz Scholl. Räume wären in der Mittelstadt ein Problem, pflichtete Regisseur Michaely ihm bei. Er sei bei der Studiosuche in Neunkirchen fündig geworden.

Das konnte Strobel auch für Hassel bestätigen. Die Musikschule habe wegen der Bausubstanz in der Ludwigschule ein strukturelles Problem, meinte Boris Henn. Auch werde das Jazz-Festival vom Gros des Publikums nicht angenommen, so der Musiker. Das Publikum sei durch die Überpräsens von Nils Landgren „vergrault“ worden, blickte Sabine Glück zurück. Der Jazz könne mehr als das Festival vertragen, denkt Karl-Heinz Adams. Mehr Fachleute als Verwaltungsmitarbeiter, forderte Fabian Roschy. „Wir brauchen Kultur für eine andere Zielgruppe“, lautete das Fazit von Ulli Meyer, der sich eine Freilichtbühne wünscht, während Gisbert Groh auf eine Internetseite aller Künstler der Stadt hofft.

Das St. Ingberter Kultur-Ärgernis schlechthin: die alte Baumwollspinnerei.
Das St. Ingberter Kultur-Ärgernis schlechthin: die alte Baumwollspinnerei. FOTO: Tobias Fuchs