| 18:11 Uhr

Ortsrat St. Ingbert-Mitte
Kostenexplosion beim Hallenabriss

Kostenexplosion: Nach Angaben der Stadtverwaltung sollen sich die Abrisskosten der Tischtennishalle in der Gustav-Clauss-Anlage auf eine Million Euro belaufen - und könnten sich nochmals erhöhen.
Kostenexplosion: Nach Angaben der Stadtverwaltung sollen sich die Abrisskosten der Tischtennishalle in der Gustav-Clauss-Anlage auf eine Million Euro belaufen - und könnten sich nochmals erhöhen. FOTO: BeckerBredel
St. Ingbert. Ortsrat befasst sich mit Sanierung der Gustav-Clauss-Anlage: Abriss der TT-Halle soll laut Stadt eine Million Euro kosten.

„Damit wir mal zu Potte kommen“ oder „dass da mal Bewegung reinkommt“ waren zwei der Sätze des Ortsvorstehers Ulli Meyer (CDU), die die Ortsratsitzung in St. Ingbert Mitte am Dienstag wohl am ehesten widerspiegeln. Konkret ging es vor allem um die Gestaltung der Gustav-Clauss-Anlage – von der Instandsetzung mancher Gehwege bis zum Voranschreiten der Planungen zum Abriss der Tischtennishalle. Sodass der Ortsrat einstimmig beschloss, die Stadtverwaltung um weitere Informationen zu bitten, auch über den aktuellen Stand der Planungen zum alten Stadtbad.



Vor allem ein Punkt in der Antwort der Stadtverwaltung auf die Anfrage des Ortsrates, einen Planungsstand für die Sanierung der Gustav-Clauss-Anlage darzulegen, hat die Ortsräte überrascht: die Kostenexplosion hinsichtlich des Abrisses der Tischtennishalle. Demnach würde dieser nun mit einer Million Euro veranschlagt. Ein Betrag, der die vom Stadtrat (im März 2015) bereitgestellten 200 000 Euro um ein Fünffaches übersteigt. Hier eingerechnet wurden von der Stadtverwaltung auch die Verlegung der Trafostation, die Revitalisierung der Hallen- als auch der Parkplatzfächen und deren Eingliederung in die bestehende Grünanlage. „Mich würde mal interessieren, aus welchen einzelnen Kosten sich diese eine Million denn genau zusammensetzt“, sagte Irene Kaiser (CDU). Auch eine Anfrage unserer Zeitung diesbezüglich blieb von der Stadtverwaltung bis gestern unbeantwortet. Zumindest klärte sich die Frage von Siegfried Thiel (SPD), „warum die Tischtennishalle aus dem Fördergebiet ausgegrenzt wurde“. Denn der Abriss der Halle könnte, so Meyer, nicht über das Projekt Zukunft Stadtgrün – wie ursprünglich geplant – gefördert werden.

Eine Erklärung für die gestiegenen Abrisskosten könnte – wie Meyer sagte – auf die geplante Entfernung der Bodenplatte und die damit verbundene Eingliederung in die Grünanlage zurückzuführen sein. „Hier muss man sich allerdings fragen, was man will“, sagte er, „und das wird in den verschiedenen Gremien noch zu diskutieren sein“. Meyer vertrat die Auffassung, auch gut damit leben zu können, die Bodenplatte stehen zu lassen, insofern sie entsprechend gestaltet würde, ob in Form einer Minigolf-Anlage oder einer Konzertmuschel. Denn der Abriss der Halle (ohne Bodenplatte) ließe sich nach seinen Informationen „auch mit etwa 250 000 Euro realisieren“, so Meyer weiter.

Die Stadtverwaltung teilte in diesem Zusammenhang mit, dass sich die Kosten für den Abriss der Tischtennishalle und die Revitalisierung des Geländes noch weiter erhöhen könnten. Dies würde von der Einschätzung des Landesamtes für Umwelt und Arbeitsschutz (LUA) abhängen, wie mit den vorhandenen Altlasten zu verfahren sei. Um eine endgültige Kostenschätzung zu erhalten habe der Ausschuss für Baumanagement deshalb einstimmig beschlossen, die Stellungnahme des LUA abzuwarten. Wie die Stadtverwaltung weiter mitteilte, sei aber die Aufnahme der Maßnahme in das Städtebauförderprogramm „Zukunft Stadtgrün“ sichergestellt. Letzte Unklarheiten bezüglich möglicher Anmeldefristen und der gesicherten Finanzierung des Eigenanteils seien bereits ausgeräumt worden. Auch die Darstellung der benötigten Haushaltsmittel für den Eigenanteil gegenüber des Landesverwaltungsamts seien erfolgreich umgesetzt worden.

Weitere Bedingung des Fördergebers sei, so die Stadtverwaltung, die Erstellung eines integrierten städtebaulichen Konzepts (ISEK) mit einer räumlichen Abgrenzung des Fördergebietes. Hier müssten alle Maßnahmen sowie deren Kosten und Finanzierung dargestellt werden, welche einzeln zur Förderung – auch über mehrere Jahre – angemeldet werden könnten. Ein erster Verfall der förderfähigen Kosten drohe frühestens Ende 2019, wobei auch Planungskosten und die Erstellung des ISEK förderfähig seien und rechtzeitig gemeldet werden könnten.

Für Ortsvorsteher Meyer sei wichtig, dass man sich von Seiten der Verwaltung über die Gestaltung Gedanken mache und Vorschläge unterbreite, „die sich an die städtischen Haushaltsmittel anlehnen“, so Meyer, „und man einfach mal macht, was man machen kann.“ Dies gelte auch für den vorderen und mittleren Teil der Gustav-Clauss-Anlage. Auch wäre der Orstrat gerne über den aktuellen Stand zum Thema Stadtbad informiert. „Das ist quasi unser Ruinenpark im Stadtpark“, sagte Meyer, „vorne das Stadtbad und hinten die Tischtennishalle“. Wobei sich der Stand bezüglich des alten Stadtbads, das einer Seniorenresidenz weichen soll, nach Angaben der Stadt nicht verändert habe: Noch seien Details bezüglich des Brandschutzes zu klären.

Teil zwei des „Ruinenparks“ in der Gustav-Clauss-Anlage: Das alte Stadtbad, das einer Seniorenresidenz weichen soll.
Teil zwei des „Ruinenparks“ in der Gustav-Clauss-Anlage: Das alte Stadtbad, das einer Seniorenresidenz weichen soll. FOTO: Manfred Schmelzer