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Kolumne Unsere Woche
Wir leben in der digitalen Steinzeit

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Streuobstwiesen, naturnahe Wälder, weite Felder – all das zeichnet den Bliesgau aus. Nachteil solcher Naturnähe ist oft eine schlechtere Infrastruktur. Längst hat nicht mehr jedes Dorf einen Supermarkt, Banken schließen ihre Filialen, bauen eine größere in der nächsten Großstadt und auch das Bildungsangebot könnte an dem einen oder anderen Örtchen besser sein. Von Nina Drokur

Wo die Infrastruktur nachlässt, kann die digitale Infrastruktur in die Bresche springen: Zahlungsträger können Kunden längst am Computer-Bildschirm ausfüllen, Universitäten und Volkshochschulen bieten online Kurse an.


Das geht aber nur, wenn die Anbindung ans Netz steht. Und da sind einige Orte des Saarpfalz-Kreises gar des Saarlandes und ganz Deutschland weit abgehängt. Es gibt Menschen im chinesischen Hinterland, die schneller surfen als die Bürger von St. Ingbert-Mitte. Wirft man einen Blick auf den von Ego-Saar und der Saarländischen Staatskanzlei bereitgestellten Breitbandatlas, gibt es etwa in Oberwürzbach, Aßweiler, Blickweiler und vielen weiteren Orten in unserem Kreis immer noch Gebiete, wo kaum ein Haushalt mit einer schnelleren Leitung als 16 MBit über die Datenautobahn schleicht. Das ist in Zeiten von Netflix, Amazon und Co. digitale Steinzeit.

Bis Ende 2019 verspricht der Ausbau der Telekom eine flächendeckende Verbindung mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde in ganz St. Ingbert. Ein längst überfälliges Angebot, das erst einmal gut klingt. Aber 100 MBit/s sollen im jetzigen Ausbauschritt nur maximal erreicht werden. Durchschnittlich sind es dann wohl eher um die 50 MBit/s, die angepeilt werden. Und die müssen beim Verbraucher ja auch erst einmal ankommen. Zwischen dem Verteilerkasten und dem Endgerät liegen nach dem Ausbau noch immer viele Meter Kupfer. Auf den direkten Glasfaseranschluss bis zur Haustür wird verzichtet. Zu aufwendig, zu kostenintensiv, so die Erklärung der Verantwortlichen. Für Gewerbetreibende oder gar international agierende Unternehmen sind schnelle Internetverbindungen überlebenswichtig. Die Geschwindigkeit der Internetanbindung ist standortentscheidend. Wer mit Videos oder großen Datenmengen arbeitet, kann mit maximal 100 MBit/s nicht zufrieden sein, und wird sich im Zweifel woanders ansiedeln. Strukturärmere Regionen bleiben dann strukturarm.



Schnelles Internet ist die Chance für den ländlichen Raum. Der Trend geht aber bereits in die Gigabitgesellschaft. Nicht nur bei Industriekunden, sondern in Zeiten von ferngesteuerten Heizungen und sprechenden Kühlschränken auch für Privathaushalte.