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Filmfestival in St. Ingbrert
Knackig, scharf und mit Köpfchen

Das Team von „Filmreif“ wurde vom Publikum mit Standing Ovations für seine Leistung gefeiert.
Das Team von „Filmreif“ wurde vom Publikum mit Standing Ovations für seine Leistung gefeiert. FOTO: Selina Summer
St. Ingbert. Vier Tage lang stand die Biosphärenstadt St. Ingbert im Zeichen des Bundesfestivals Junger Film, mit 72 Kurzfilmen im Programm. Von Selina Carolin Summer

Es ging um Chancen und Kritik. Darum, zu zeigen, was man kann. Dazuzulernen und sichtbar zu sein. Aber vor allem darum, junge Filmemacher untereinander zu vernetzen und ihnen eine Bühne zu bieten. Ein Festival, das ihnen neue Erfahrungen bringt und den Horizont erweitert. Dafür reisten die jungen Filmemacher, die ihre Werke am vergangenen Wochenende beim Bundesfestival Junger Film präsentierten, aus ganz Deutschland nach St. Ingbert.


Dort drehte sich von Donnerstag bis Sonntag alles um das Thema Kino. Junges Kino von jungen Filmproduzenten, um genau zu sein. Dabei wurde dem Publikum einiges geboten. 72 Kurzfilme, nicht länger als 20 Minuten, die sich mit humorvollen, aber auch ernsten Themen beschäftigten. Das digitale Leben und seine Vor-, aber auch Nachteile, Unterdrückung, häusliche Gewalt, aber auch das „fremd sein“ in all seinen unterschiedlichen Formen kamen zur Sprache. Genauso zählten aber auch das Erwachsenwerden, Nachhaltigkeit, Freundschaft und die Liebe dazu.

Beurteilt wurden die Filme von einer hochkarätigen Jury. Dazu gehörten Regisseur Marcus Siebler, der Ausrichter des Bundesfestivals Spielfilm sowie Präsident und Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Film-Autoren. Außerdem Drehbuchautorin Almut Getto, ebenfalls Regisseurin und ausgezeichnet beim Filmfestival Max-Ophüls-Preis, dem Preis der deutschen Filmkritik und dem Förderpreis der DEFA-Stiftung. Ihnen zur Seite standen die Journalistin und Script-Consultant Marisa Winter, interfilm-Jurymitglied, Kuratorin beim Max-Ophüls-Preis und Mitglied im Auswahlbeirat bei der saarländischen Filmförderung und Vorsitzende des „Forums für Mittellange Filme“ sowie der Schauspieler Marc Rissmann, der unter anderem aus dem Tatort bekannt ist.



Die Jury des Stoffentwicklungspreises, für den sich am Freitag neun Drehbuchautoren beim „Jungen Pitch“ für je fünf Minuten Präsentation ihres aktuellen Projekts auf die Bühne wagten, setzt sich aus der Leiterin des „Debüt im Dritten“, Stefanie Groß, der Regisseurin, Editorin und Filmdozentin Sung-Hyung Cho und der Direktorin des Kuratoriums junger deutscher Film, Anna Schöppe, zusammen.

Insgesamt gab es über die drei Tage verteilt zehn Filmblöcke an verschiedenen Spielstätten. Darunter die Filmwerkstatt, das Regina-Kino und das Open-Air-Kino auf dem Marktplatz. Nicht mal vom Regen am Samstagmittag ließ sich das Team um den künstlerischen Leiter Jörn Michaely und den Organisatorischen Leiter Fabian Roschy aufhalten. Schnell, organisiert und jeder Lage gewachsen zog man kurzerhand vom Marktplatz in die Stadthalle um. Innerhalb von 30 Minuten. Weder die Filmemacher noch Publikum ließ sich davon klein kriegen. Was zuerst nach lückenhaft besetzten Reihen aussah, füllte sich doch schnell, über 300 Personen nahmen an der Veranstaltung teil.

Am Sonntagvormittag präsentierte das Team in der Stadthalle unter dem Motto: „Offenes Fenster“ außer Konkurrenz die beiden Preisträger des Goldenen und des Bunten Lyoners, die beim Kurzfilmfestival „One Shot“ vergeben wurden. Unter dem Motto „Denk‘ global, dreh‘ lokal!“ suchte man dort die schönsten regionalen Kurzfilmen.

Außerdem standen die Ergebnisse des Projekts „Mein Blick aufs Saarland“ der Volkshochschulen des Saarlandes auf dem Programm.

Am Nachmittag ging es dann zur Preisverleihung. Insgesamt 16 unterschiedliche Auszeichnungen wurden vergeben. Darunter die „Besondere Leistung eines Nachwuchsteams“, den der Film „Mein Fenster“ erhielt. Überreicht wurde er von Michael Quiring, dem Geschäftsführer des Vereins zur Förderung der sozialen und kulturellen Belange in St. Ingbert, dem Hauptsponsor des Vereins. Den Preis „Besondere Regiearbeit“ gestiftet von Landrat Theophil Gallo überreichte dieser für den Film „Hostel“.

Die Auszeichnung „Besondere Bildgestaltung“, gestiftet vom „filmreif!“-Team ging an „Am Ende des Tages“ und den Stoffentwicklungspreis, dotiert mit 500 Euro, ebenfalls gestiftet Landrat Gallo, erhielt „Golden Delicious“. Die meisten Förderpreise bestanden aus Sachpreisen von namhaften Firmen aus der Filmindustrie. Vor allem sollten sie junge Filmschaffende bei zukünftigen Projekten unterstützen und sie auf ihrem Weg bestätigen. Ein ganz besonderer Überraschungspreis erhielt das Team selbst. Gesponsort von der Jury persönlich. Die beiden Organisatoren Michaely und Roshy hatten damit nicht gerechnet. Für sie gab es Standing Ovations von allen Zuschauern inklusive der anwesenden Ehrengäste. Darunter auch Staatssekretärin Christine Streichert-Clivot, Oberbürgermeister Hans Wagner, Ortsvorsteher Ulli Meyer und der Ehrengast Florian Ross. Der St. Ingberter zählt spätestens seit seinem Kinoerfolg „Vielmachglas“ zu den erfolgreichen deutschen Regisseuren. „Baut euch Netzwerke auf und lernt Leute kennen“, gab er den Nachwuchstalenten als Erfolgstipp. „Und verliert nie die Liebe und die Leidenschaft für das, was ihr macht.“

Das Festival soll spätestens in zwei Jahren wieder in St. Ingbert stattfinden. Wenn es nach Oberbürgermeister Wagner geht, auch gerne schon im nächsten Jahr.