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Kommentar zum Kreiskrankenhaus
Kliniken prüfen den Weg zum Jawort

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Das Kreiskrankenhaus St. Ingbert und das Klinikum Saarbrücken streben eine gemeinsame Zukunft an. Wie die genau aussehen wird, ist aber noch offen. Nach Bekanntgabe der „Verlobung“ bleiben viele Fragen.

Das Kreiskrankenhaus in St. Ingbert und das Klinikum auf dem Saarbrücker Winterberg wurden im vergangenen November erstmals in einem Atemzug genannt. Damals vereinbarten beide Kliniken, fortan mit einer gemeinsamen Abteilung für die Allgemein- und Viszeralchirurgie zusammenzuarbeiten. Vor einem Vierteljahr machten die Verantwortlichen keinen Hehl daraus, dass diese Kooperation ein erster Schritt zu weiterer Zusammenarbeit sein könne. Was sich allerdings vor Wochen noch nach einer eher vagen Idee anhörte, ist jetzt ganz flott weitreichenden Absichtserklärungen gewichen. Der Saarpfalz-Kreis und die Landeshauptstadt Saarbrücken wollen bekanntlich noch in diesem Jahr einen kommunalen Krankenhausverbund gründen.


Diese Ankündigung war ein echter Überraschungscoup. Weder die Mitarbeiter im Kreiskrankenhaus noch die interessierte Öffentlichkeit hatten bis zu der Pressekonferenz in dieser Woche Wind davon bekommen, dass die Geschäftsführungen der Kreisklinik und des Winterbergs ihre Verlobung verkünden würden. Jetzt hat sich die Ausgangslage schlagartig geändert. Der Charme, dass die beiden doch sehr unterschiedlich großen Krankenhäuser mit einer gemeinsamen Chirurgie erst mal zart und vor allem auf Augenhöhe anbändelten, ist vielen neuen Beziehungsfragen gewichen. Steht das Wort, dass der Große den Kleinen nicht fressen will? Wie intensiv und mit welchen Folgen für die Beschäftigten, insbesondere des kleineren Kreiskrankenhauses, wird nach den Synergien im medizinischen, pflegerischen und administrativen Bereich gesucht? Wie passt der Versuch, das Kreiskrankenhaus stärker als medizinischen Standort im Saarpfalz-Kreis zu etablieren, mit der Anbindung ans Saarbrücker Klinikum zusammen, wo es bisher doch kaum eine Schnittmenge bei den Einzugsgebieten gab?

Zum Glück haben die Verantwortlichen beider Kliniken nach ihrer Vollgas-Ankündigung aber auch gleich wieder einen Gang runtergeschaltet. Details der Zusammenarbeit sollen noch geprüft, eine gemeinsame Trägergesellschaft frühestens im Herbst gegründet werden. Das lässt Zeit und die Chance, die nötigen Antworten zu geben – gegenüber den Beschäftigten, den Aufsichtsgremien, aber auch gegenüber der Öffentlichkeit.

Landrat Theophil Gallo steht aber bereits im Wort. Weder für Patienten noch für die Bediensteten soll es Nachteile geben, wenn es zur verstärkten Zusammenarbeit des Kreiskrankenhauses St. Ingbert mit dem Klinikum Saarbrücken kommt, sagte er zu. Das ist nun die Latte, die mit dem beabsichtigten Jawort der beiden Kliniken in jedem Fall übersprungen werden muss. Auch deshalb sollte die Verlobungszeit richtig genutzt werden. Gerade in dieser Phase gilt es für Partner, Enttäuschungen in der Ehe vorzubeugen.