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Canticum Novum
Kirchliche Musik mit südländischer Leichtigkeit

Mit der „Misa Criolla“ brachte die Gruppe Musikandes gemeinsam mit den Chören Canticum Novum und St.Jakob-Singers (von links) südamerikanisches Temperament in die Kirche St. Konrad.
Mit der „Misa Criolla“ brachte die Gruppe Musikandes gemeinsam mit den Chören Canticum Novum und St.Jakob-Singers (von links) südamerikanisches Temperament in die Kirche St. Konrad. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. In der St. Ingberter Kirche St. Konrad stand ein besonderes Konzert an. Lateinamerikanische Klänge durchzogen das ehrwürdige Gotteshaus.

Schon allein der Fakt, dass der Auftritt der Chöre Canticum Novum aus St. Ingbert und der St. Jakob-Singers aus Alt-Saarbrücken am Samstag das erste Chorkonzert des Jahres 2018 in der Mittelstadt war, macht ihn zu etwas Besonderem. Es waren noch Ferien, das St. Ingberter Kulturleben 2018 erwacht erst und trotzdem, oder gerade deshalb, war die Pfarrkirche St. Konrad äußerst gut besucht. „Das wäre toll, wenn so viele Leute zu den Gottesdiensten kämen“, entfuhr es einem St. Ingberter angesichts der gefüllten Kirchenbänke. Die Besucher freuten sich sichtlich auf die festliche Chormesse „Misa Criolla“, die südamerikanische Rhythmen versprach.


Denn bereits vor rund zehn Jahren hatte Canticum Novum dieses kreolische Werk des Argentiniers Ariel Ramírez aufgeführt. Doch zu Beginn des Konzerts präsentierten die zwei Chöre, die jeweils Anfang der 2000er gegründet wurden, beide Markus Schaubel als Dirigenten haben und mit Gospeln, neuen geistlichen Liedern oder Musicals auch ein ähnliches Repertoire aufzuweisen haben, einige Spirituals zum „Einstieg“. Darunter auch „Waiting for the Lord“ und Leonhard Cohens „Hallelujah“. Als Überleitung in den zweiten Teil des Konzerts spielte Markus Schaubel Orgel. Begeistert, beeindruckt und vielleicht auch ein bisschen verwundert waren die Besucher darüber, dass eine „europäische Kirchenorgel auch lateinamerikanische Laute“ von sich geben kann, wie Roland Roschy von Canticum Novum sagte, bevor die „Rapsodia alla latina“ von Hans André Stamm erklang, die er für ein Orgelfestival 2009 in Mexiko komponiert hatte. Die ins Werk eingestreuten Tango-Rhythmen sorgten für bewegte Füße und Bravo-Rufe am Ende. Auch den Musikern von „Musikandes“ gefiel dieses Stück, das die perfekte Überleitung zu deren eigenem Auftritt darstellte.

Bei der 2008 gegründeten Gruppe um die Chilenen Romina Tobar und Daniel Osorio handelt es sich um ein Kulturprojekt, das die Tradition der lateinamerikanischen Musik aufgreift, die vom täglichen Überlebenskampf erzählt. David Beyer, ein Darmstädter mit bolivianischen Wurzeln, verstärkte „Musikandes“ mit seinem Gesang und Instrumenten. In den von ihnen gespielten Stücken werden die Probleme der Bevölkerung, meist in einfacher Sprache, aufgegriffen und transportiert. Während der kleinen musikalischen Reise durch Südamerika, auf die Musikandes die Zuhörer mitnahm, wurden Stücke von Chiles Volkssänger Victor Jara, von Luis Advis („Cantata Santa Maria“), ein Lied aus Venezuela, und das zweite über die Grenzen Südamerikas bekannte Stück des Schöpfers der creolischen Messe, Ariel Ramirez, zu Gehör gebracht.

Die drei Musiker spielten nicht nur mit Leidenschaft, sondern gaben anhand der interpretierten Musik auch Einblicke in die chilenische Geschichte. In Südamerika gebräuchliche Instrumente wie das einer Ukulele ähnliche Charango, die Anden-Kerbflöte Quena, die viersaitige Gitarre Cuatro, die bolivianische Flöte Moxeno, Panflöten und noch einige andere brachten das Feuer der Anden nach St. Ingbert, dessen Funken schnell auf die Zuhörer übersprangen. So eingestimmt gab es, normalerweise während einer Messe nicht gebräuchlichen, Szenenapplaus für die hernach von den Chören gemeinsam mit „Musikandes“ aufgeführte Misa Criolla. Sie gilt weit über die Grenzen Südamerikas hinaus als bedeutendstes Werk der argentinischen Sakralmusik. Während es für die Sänger von „Canticum Novum“ lediglich einer Auffrischung des von ihnen immer wieder gewünschten Werkes bedurfte, stellten die Proben für den Saarbrücker Chor eine Herausforderung dar. Den für den Zuhörer eingängigen, den Chor allerdings ungewohnten Rhythmus, bewältigten die Sänger mit Bravour, so dass nicht nur das Publikum begeistert Applaus spendete, sondern auch Dirigent Markus Schaubel der Leistung des „Doppelchores“ seinen Respekt zollte.