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Kinowerkstatt
Politisches Chamäleon zieht die Fäden

  Christian Bale als Dick Cheney in dem Film „Vice – Der zweite Mann“.
 Christian Bale als Dick Cheney in dem Film „Vice – Der zweite Mann“. FOTO: dpa / Matt Kennedy
St. Ingbert. In der Kinowerkstatt St. Ingbert laufen am Wochenende „Vice – der zweite Mann“ und ein Film von Claude Chabrol. red

Ganz aktuell zeigt die Kinowerkstatt „Vice - der zweite Mann“ (USA 2018) von Adam McKay von Freitag, 15. März, bis Montag, 18. März, jeweils um 20 Uhr. In einer der lebendigsten Politsatiren der letzten Jahre wird gezeigt, wie ein unscheinbarer Washington-Insider still und leise zum einflussreichsten Mann der Welt wurde: Acht Jahre zog Dick Cheney als Vize von George W. Bush im Hintergrund die Fäden und will demnächst Präsidentschaftskandidat werden. Herausragend die Darstellung Dick Cheneys durch Christian Bale. Mit ihm steht Regisseur McKay dabei der ideale Mime zur Verfügung: ein radikales Chamäleon, das nicht nur komplett in seine Figur eintaucht, sondern regelrecht in ihr verschwindet. Dank angefutterten Kilos und einer spektakulären Maske, die mit dem Oscar prämiert wurde, verwandelt sich Bale dem echten Cheney so weit an, wie es überhaupt nur möglich ist. Für seine Rolle bekam er einen Golden Globe als bester Darsteller.


Die insgesamt Acht Oscar-Nominierungen sprechen für sich: „Man muss dieses phantastische Stück kinematografisch aufgearbeiteter Zeitgeschichte mit seinen acht Oscar-Nominierungen ohne Zweifel zu den Spitzen dieses Jahrgangs zählen“, schrieb Björn Hayer von der Neuen Zürcher Zeitung über „Vice - der zweite Mann“, der ein abgründiges Bild der Politik und ihrer Akteure präsentiert, dies aber mit beißendem Humor.

Der Washingtoner Bürokrat Dick Cheney wird zum Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika unter Präsident George W. Bush und formt das Land und die Welt in einer Weise um, dass die Auswirkungen heute immer noch spürbar sind. Cheney war letztlich die treibende Kraft hinter Amerikas rigiden Antiterrormaßnahmen und dem Einmarsch im Irak und damit genauso mitverantwortlich für das anhaltende Chaos im Nahen Osten wie für den Weg in die Spaltung der US-Gesellschaft unter Donald Trump.



In einer Matinee für die Freunde des französischen Kinos und der französischen Sprache läuft am Sonntag, den 17. März, um 11 Uhr „Au coeur du mensonge /Die Farbe der Lüge“ (1999) von Claude Chabrol mit Sandrine Bonnaire und Jacques Gamblin in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln. „An der bretonischen Küste wird die junge Eloïse sexuell missbraucht und erwürgt aufgefunden. Der Mann, der sie zuletzt bei seinem Zeichenunterricht gesehen hat, ist René Sterne, ein erfolgloser, behinderter Maler ohne Alibi. Kommissarin Frédérique Lesage will den Fall mit allen Mitteln aufklären und gerät dabei immer weiter in Widersprüche und Lügen“, heißt es bei wikipedia. „Vor allem die ausgezeichnet geführten, intensiv spielenden Schauspieler und viele Verweise auf Chabrols frühere ‚filmische‘ Abrechnungen mit der Bourgeoisie machen den 50. Film des ‚Nouvelle Vague‘-Mitbegründers zu einem nicht nur intellektuellen Vergnügen.“ (Lexikon des Internationalen Films). Dieser Film wird am Montag, den 18. März, um 18 Uhr wiederholt.

Zu einem lyrischen Abend mit Mascha Kaléko laden die Kinowerkstatt St. Ingbert und die KEB St. Ingbert am Sonntag, 17. März, um 17 Uhr in die Kinowerkstatt St. Ingbert, Pfarrgasse 49, ein. „…sie sprechen von mir nur leise.“ (Mascha Kaléko) lautet das Thema des Abends. Das Zitat ist der Titel eines lyrisch-musikalischen Portraits, das die Schauspielerin Paula Quast und der Musiker Henry Altmann als Hommage an die Literatin Mascha Kaléko erschaffen haben.

 Die Kinowerkstatt zeigt einen Film des  französischen Regisseurs Claude Chabrol.
Die Kinowerkstatt zeigt einen Film des französischen Regisseurs Claude Chabrol. FOTO: dpa / Soeren Stache