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Kinowerkstatt
Kinowerkstatt widmet sich Erich Kästner

Erich Kästner am 30. Mai 1969 in der Internationalen Jugend-Bibliothek München.
Erich Kästner am 30. Mai 1969 in der Internationalen Jugend-Bibliothek München. FOTO: dpa / Goebel
Homburg/St. Ingbert. Die Filme „Vielmachglas“, „Emil und die Detektive“ von 1931, „Kästner und der kleine Dienstag“ und „Die grüne Lüge“ laufen in der Kinowerkstatt St. Ingbert. red

Für alle, die das Regiedebut des St. Ingberters Florian Ross „Vielmachglas“ (2018) mit Jella Haase, Marc Benjamin, Matthias Schweighöfer, Uwe Ochsenknecht und Juliane Lorenz noch nicht gesehen haben: Es läuft noch mal in der Kinowerkstatt in St. Ingbert, am Freitag, 13. April um 20 Uhr und am Montag, 16. April, um 18 Uhr. Das charmante Märchen, das Mut macht, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen (Drehbuch: Finn Christoph Stroeks) mit viel Musik („Lorde“) überrascht immer wieder. Und natürlich lebt der Film von, mit und durch Jella Haase, die einmal mehr beweist, dass sie weit mehr draufhat als nur Chantal aus „Fack ju Göhte“. Regisseur Florian Ross hat ihr viel Raum gegeben, sich selbst zu spielen. „Fazit: Liebenswerter Selbstfindungstrip mit Witz, Herz und einer überragenden Jella Haase.“ (Cinema.de).


Das kommende Wochenende widmet die Kinowerkstatt dem berühmten Schriftsteller, Journalisten und Drehbuchautor Erich Kästner. Inspiriert von dem Film „Kästner und der kleine Dienstag“ von Wolfgang Murnberger mit Florian David Fitz in der Hauptrolle, läuft am Sonntag um 16 Uhr „Emil und die Detektive“ aus dem Jahre 1931. Ursula Ochs-Steinfeld und Albrecht Ochs lesen am Samstag, 14. April, um 19 Uhr aus Kästners Büchern für Erwachsene, um 20 Uhr wird der Film „Kästner und der kleine Dienstag“ gezeigt. Am Sonntag um 16 Uhr liest das Ehepaar Ochs vor dem Film „Emil und die Detektive“ aus Kästners Kinderbüchern. Das Werk Erich Kästners ist geprägt von großem Humanismus, Fantasie und Humor. Seine Kinderbücher zeichnen sich dadurch aus, dass sie Geschichten aus der Perspektive der Kinder erzählen und Kinder als eigenständige, ernst zu nehmende Persönlichkeiten darstellen. Der Film „Kästner und der kleine Dienstag“ (Deutschland, Österreich 2016) Regie: Wolfgang Murnberger mit Florian David Fitz als Kästner, Hans Albrecht Löhr, Nico Kleemann u.a. erzählt von der Freundschaft zwischen dem Schriftsteller und einem Berliner Jungen. „Kästner und der kleine Dienstag“ basiert auf einer wahren Geschichte: Der Schriftsteller hatte vor allem in seiner frühen Schaffenszeit darunter gelitten, als Kinder- und Jugendbuchautor, und nicht als Verfasser von Büchern für Erwachsene wahrgenommen zu werden.

Doch über seinen ersten großen Verkaufserfolg, den Roman Emil und die Detektive, erschienen 1929, kommt Kästner auch an seinen größten Bewunderer: Eines Tages steht der siebenjährige Hans Albrecht Löhr (in seiner unschuldigen kindlichen Klugheit erstaunlich gespielt von Nico Ramon Kleemann), Fanpostschreiber, vor seiner Tür und bittet um ein Autogramm. Mit Hans‘ Verehrung kann der kinderlose Lebemann Kästner zunächst wenig anfangen. Er erkennt, dass ihm die blühende Fantasie des klugen Jungen bei neuen Geschichten nützlich sein kann. Die beiden werden, auch dank der Beharrlichkeit und Beständigkeit des Jungen, Freunde. Seinem berühmten Autor auf diesem Wegen nahe zu sein, wird zum größten Glück von Hans, der mit seiner Mutter und Schwester ohne Vater aufwächst. Als „Emil und die Detektive“ im Jahr 1931 von der Ufa verfilmt wird - das Drehbuch, erfährt man ganz nebenbei, habe ein gewisser Billy Wilder (deutsch ausgesprochen!) verfasst - geht für ihn ein Traum in Erfüllung: Er darf den „kleinen Dienstag“ spielen – und hat fortan seinen Spitznamen weg.

Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten muss Kästner um sein Leben fürchten. Um den Jungen nicht zu gefährden, beendet er den Kontakt mit einer Lüge. Während der „kleine Dienstag“ denkt, sein Idol sei wie viele andere ins Exil gegangen, ist dieser in Berlin geblieben. Kästner, der wie sein Freund Erich Ohser unter Pseudonym arbeitet, hält sich aus allem Politischen raus. Hans dagegen tritt der Hitlerjugend bei, um nicht aufzufallen. Als die beiden sich nach Jahren wieder begegnen, wird ihre Freundschaft auf eine schwere Probe gestellt.

Emil und die Detektive (Deutschland, 1931), Regie: Gerhard Lamprecht, Drehbuch: Billy Wilder, Emmerich Pressburger und Erich Kästner, nach seinem Roman, Kamera: Werner Brandes, Musik: Allan Gray, mit Fritz Rasp, Käthe Haack, Rolf Wenkhaus, Rudolf Briebach, Olga Engl läuft am Sonntag, 15. April, um 16 Uhr. Es ist die bekannte Geschichte von Emil Tischbein, einem aufgeweckten Jungen aus Neustadt, der in den Schulferien zu seiner Großmutter nach Berlin fährt, auf der Zugfahrt bestohlen wird und mit anderen Kindern zusammen den Dieb jagt.



Am Sonntagmorgen ist das Buch „Die grüne Lüge“ von Kathrin Hartmann Gegenstand in der SR2 - Sendung „Fragen an den Autor“ - der dazugehörige Film gleichen Titels von Werner Boote läuft am Sonntag- und Montagabend, 15. und 16. April, jeweils um 20 Uhr nochmals in der Kinowerkstatt. Dem Kampf gegen die Umweltlügen der Konzerne hat sich Werner Boote in seinem Film „Die grüne Lüge“ (Österreich/Deutschland/Brasilien/Indonesien/USA 2017) angenommen. „Greenwashing“ nennt man das. Regisseur Werner Boote und Autorin Kathrin Hartmann decken solche Umweltlügen auf.

Jella Haase in „Vielmachglas“.
Jella Haase in „Vielmachglas“. FOTO: Warner Bros.