| 20:15 Uhr

Konzert
Kinderhände spielten Meisterwerke

Charlotte und Nicolas Edelmann (von rechts) begeisterten das Publikum vierhändig am Klavier mit dem Ungarischen Tanz von Brahms.
Charlotte und Nicolas Edelmann (von rechts) begeisterten das Publikum vierhändig am Klavier mit dem Ungarischen Tanz von Brahms. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Bei „Talente in Concert“ in der St. Ingberter Christuskirche begeisterten wieder junge Musikanten ihr Publikum. Von Cornelia Jung

Auch Kinder, die musikalisch etwas „drauf“ haben und sonst im Umgang mit anderen nicht gerade schüchtern sind, müssen, wenn sie sich mit ihrem Instrument einer breiten Öffentlichkeit vorstellen, noch einiges lernen und an Selbstbewusstsein gewinnen. Und wenn es nur die Verbeugung am Schluss ihres Instrumentalvortrags ist, mit dem sie sich für die Aufmerksamkeit und den verdienten Applaus des Publikums bedanken. Ein solches Format ist seit 15 Jahren „Talente in Concert“, ein Konzert in der Christuskirche, bei dem sich junge Musiker und ihr Instrument mit einem Stück aus ihrem Repertoire vorstellen.


In der vergangenen Woche war es wieder soweit und bei der 16. Veranstaltung dieser Art stellten sich die Kinder und Jugendlichen, nein nicht einem kritischen, sondern einem wohlwollenden Publikum. Solch ein Konzert lebt nicht nur von den Top-Leistungen der Talente, der Musik und der großen Bandbreite der vorgetragenen Stücke, sondern vor allem von der herzlichen Atmosphäre, mit der man durch den Abend getragen wird. Dort spürt und sieht man, dass die Proben hart, aber kein Drill sind, und dass sich die Instrumentalisten mit ihren Lehrern verstehen, ja sogar zum großen Teil freundschaftlich verbunden sind.

Neid, Missgunst oder Schadenfreude über kleine Patzer bei den anderen Vortragenden scheinen den jungen Musikern fremd. Mitgefühl, wenn es mal nicht so läuft, oder ehrliche Freude bei einem gut gelungenen Vortrag dagegen sind offensichtlich. Die gute Seele der Talente-Vorstellung ist Organisatorin, Klavierlehrerin und die Leiterin von „Talente in Concert“, Barbara Barthruff. Sie richtet den Notenständer, blättert die Notenhefte um, begleitet am Klavier, tröstet, macht Mut und ist vor allem eines – mächtig stolz auf jedes einzelne ihrer „musikalischen Kinder“, aus denen zum Teil schon Berufsmusiker geworden sind. Und vor allem scheint sie mit den anderen Instrumentallehrern erreicht zu haben, dass die meisten auch später der Musik und dem Instrument treu sind.



Beim jüngsten Konzert war beispielsweise wieder Noemi Bauer dabei, die in einem Auslandsjahr in der Karibik ein Jahr kein Klavier spielte und mit Chopins Ballade G-Moll doch eine grandiose Leistung zu Gehör brachte. „Ein kraftvolles Stück, schwer zu spielen. Vor allem schwer, es so intensiv bis zum Schluss durchzuhalten“, war Klavierlehrerin Barthruff von dieser reifen Leistung angetan. Noemis Bruder Jonathan, mit einer Sonate von Dmitri Kabalewski ebenfalls am Tasteninstrument, hat laut Barthruff „einen Riesenschritt“ in seinen Leistungen gemacht. „Es ist immer wieder schön, die Entwicklung jedes einzelnen von Jahr zu Jahr zu sehen“, sagte sie.

Lucie Dima ist erst zehn Jahre alt, spielte ein Stück von Charles Dancla und ist mit ihrer Geige trotz ihres jungen Alters in dieser Runde schon „keine Unbekannte mehr“, wie die Leiterin des Konzerts sagte. „Geige ist schwer zu spielen, so filigran und schwer zu greifen“, lobte Barthruff. Für Sarah Wolf (Flöte) und Lina Poetsch (Klavier) war es ihre erste Vorstellung bei dieser Talente-Reihe. Beide nahmen am Kammermusikkurs teil und wurden wegen ihres überzeugenden Spiels zu „Talente in Concert“ eingeladen. Sie trugen eine Sonate von Händel beziehungsweise einen Walzer und eine norwegische Weise von Eduard Grieg vor.

Feuer versprühte David Goebler mit seiner Violine und dem Czardas von Vittorio Monti. Dieses temperamentvolle Stück, das laut Barthruff schon bei den Proben enormen Spaß gebracht hat, und Goebler heimsten begeisterte Bravo-Rufe ein. Jedes einzelne dieser Talente legte einen tollen Auftritt hin, und die Zuhörer kamen in den Genuss, nicht nur mit Freude Teil des Ganzen gewesen zu sein, sondern auch noch Stücke von Komponisten zu hören, die kaum geläufig sind. „Ich bin überwältigt. Es ist etwas anderes, zu Hause für sich allein zu spielen oder im Konzert, wo noch das Adrenalin dazu kommt und zu Höchstleistungen anspornt“, weiß Barbara Barthruff, „und was wir heute hier gehört haben, waren definitiv Höchstleistungen.“

Die zehnjährige Lucie Dima meisterte, wie die anderen auch, ihren Part sehr souverän. Foto: Cornelia Jung
Die zehnjährige Lucie Dima meisterte, wie die anderen auch, ihren Part sehr souverän. Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung