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Neues Personal für das Juz
Kein Jugendlicher steht vor verschlossener Tür

Stand zuletzt im Zentrum der Debatte: Das Juz in St. Ingbert.
Stand zuletzt im Zentrum der Debatte: Das Juz in St. Ingbert. FOTO: Tobias Fuchs
St. Ingbert. Das Juz St. Ingbert hat einen neuen „Bufdi“ gefunden. Endet damit auch die politische Kontroverse um die Personalie? Von Tobias Fuchs

Das Jugendzentrum (Juz) in St. Ingbert bekommt ab Mai einen neuen „Bufdi“, einen Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst. Das hat Tobias Drumm vom Verband saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung (Juz United) unserer Zeitung bestätigt. Nach einer öffentlichen Stellenausschreibung habe sich „schnell“ jemand gefunden, „aus dem Juz-Umfeld“, wie Drumm sagt. Somit muss in der Pfarrgasse keine Honorarkraft beschäftigt werden, um die Öffnungszeiten zu gewährleisten. Das Juz und der Verband hatten dies in Erwägung gezogen, weil die Bewerber um die Nachfolge des Ende März ausgeschiedenen „Bufdis“ kurzfristig abgesprungen waren. Im April decken nun Ehrenamtliche alle Zeiten ab. Kein Jugendlicher wird vor verschlossener Tür stehen.


Endet mit dieser Nachricht auch die Kontroverse um den „Bufdi“? Drumm nennt deren Auslöser zwar eine „Nichtigkeit“. Aber das Juz sei Teil der politischen Auseinandersetzung in St. Ingbert. Deshalb sahen sich Zentrum und Verband veranlasst, eine ausführliche Klarstellung zu veröffentlichen.

Am 26. Februar hatte Juz United die Stadt über die drohende Vakanz ab April informiert. In der E-Mail stand: „Um weiterhin regelmäßige Öffnungszeiten auch im frühen Nachmittagsbereich gewährleisten zu können, wäre übergangsweise der Einsatz von Honorarkräften denkbar.“ Drumm erklärt, dass Juz United als Dachverband der 130 selbstverwalteten Jugendzentren im Saarland über einen „Pool von Honorarkräften“ verfüge, allesamt „pädagogisch fit“, wie er betont. Was in St. Ingbert geplant gewesen sei, bezeichnet Drumm als „pädagogisch fundierte Praxis, seit Jahrzehnten erprobt und von den Jugendlichen bei der Stadt beantragt“.

Der Plan: Die Kommune sollte das Geld, das sie für den „Bufdi“ zur Verfügung stellt, für Honorare zahlen – monatlich 230 Euro. Bis die offene Stelle neu besetzt wird. Aus der Verwaltung und dem Juz-Beirat habe es „positive Rückmeldungen“ gegeben. Doch im Ausschuss für Kultur, Bildung und Soziales stimmten CDU, Familien-Partei und die Grünen dagegen (wir berichteten).

Oberbürgermeister Hans Wagner (parteilos) kritisierte das Nein in einer Pressemitteilung: „Wegen eines marginalen Geldbetrages und der Sturheit eines Mehrheitsbündnisses im Stadtrat haben die Jugendlichen in St. Ingbert auf unbestimmte Zeit das Nachsehen.“ Auch Christdemokraten und Grüne wandten sich danach an die Öffentlichkeit.



Jürgen Berthold, der Grünen-Fraktionsvorsitzende, habe gegen den Einsatz von Honorarkräften von außerhalb gestimmt – nicht gegen das selbstverwaltete Juz. Das teilte Rainer Keller mit, Vorstandssprecher der Partei in St. Ingbert. Keller weiter: „Es bestand aus Sicht der Grünen nämlich die Gefahr, dass der Einsatz von Honorarkräften von Juz-United Saarbrücken eine Dauerlösung hätte werden können.“ Dies sei aber unvereinbar mit dem Ziel der Selbstverwaltung des Juz.

Tobias Drumm von Juz United kann das nicht nachvollziehen. „Der Verband ist keine Gefahr für die Selbstverwaltung“, sagt er. Für alle Maßnahmen von Juz United sei ein Mandat der Vollversammlung des Juz zwingende Voraussetzung. Den neuen „Bufdi“ hat das Plenum vor einer Woche abgesegnet.