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Ingobertus soll zu seinem Schöpfer

Der neue Pin für den St. Ingberter Fastnachtsumzug thematisiert die Ingobertus-Statue, die von einem Rohrbacher Stampes-Stößer bedroht wird. Foto: SZ/Stefan Kayser
Der neue Pin für den St. Ingberter Fastnachtsumzug thematisiert die Ingobertus-Statue, die von einem Rohrbacher Stampes-Stößer bedroht wird. Foto: SZ/Stefan Kayser
St. Ingbert. Die Augen gen Himmel gerichtet, die Hand am Evangelium - so ruht die Ingobertus-Statue friedlich auf dem St. Ingberter Bauhof. Frieden dürfte im Streit um die umstrittene Heiligenfigur aber wohl nicht so schnell einkehren Von SZ-Redakteur Michael Beer

St. Ingbert. Die Augen gen Himmel gerichtet, die Hand am Evangelium - so ruht die Ingobertus-Statue friedlich auf dem St. Ingberter Bauhof. Frieden dürfte im Streit um die umstrittene Heiligenfigur aber wohl nicht so schnell einkehren. Während sich zwischenzeitlich auch die Kommunalaufsicht mit dem Sandstein-Ingo beschäftigt hat, spricht die Stadtverwaltung auf SZ-Nachfrage davon, dass er wieder zu seinem Schöpfer soll und die rund 20 000 Euro, die er kostete, zurück in die Stadtkasse wandern. Pressesprecher Peter Gaschott erläutert: "Wir haben das juristisch extern prüfen lassen. Das Rechtsgeschäft hat massiv gelitten, weil die Vergaberichtlinien nicht eingehalten worden waren."


Auf Deutsch: Der Vertrag sei unwirksam, da der Auftrag ohne Ratsbeschluss nicht vom ehemaligen Oberbürgermeister Georg Jung hätte vergeben werden dürfen. Die Stadt werde jetzt auf Rückabwicklung drängen. Der betroffene Künstler müsse eventuelle Schadensersatzansprüche zivilrechtlich gegen den Ex-OB geltend machen. Damit gibt es einen neuen Sachstand in der Debatte, in der von verschiedenen Seiten auch an die neue Rathausspitze kritische Fragen gestellt worden sind. Herdis Behmann, für die SPD-Alt-Fraktion im St. Ingberter Stadtrat, hat beim Landesverwaltungsamt nachgehakt, wie es sich denn mit der Gestaltung der Kreisverkehre im Allgemeinen und dem Abbau des steinernen Namenspatrons der Stadt im Besonderen verhalten darf.

Seitens der Kommunalaufsicht gab es dazu durchaus interessante Ausführungen. Zunächst bestätigt sie die These, dass der Stadtrat in Fragen der Verkehrsrund-Gestaltung zuständig ist und diese Zuständigkeit auf einen Ausschuss oder den Oberbürgermeister delegieren kann. So war der Beschluss des Bauausschusses, die von Ex-OB Georg Jung in einer Nacht- und Nebelaktion aufgestellte Figur kurz nach dem Amtswechsel wieder abbauen zu lassen, rechtens. Allerdings rügt das Amt: "Ausweislich der vorgelegten Unterlagen hat der Ausschuss die vorgenannte Entscheidung jedoch nicht in öffentlicher Sitzung, sondern im nichtöffentlichen Teil getroffen, was eine Verletzung des Öffentlichkeitsgrundsatzes darstellt und damit die Rechtswidrigkeit des Beschlusses zur Folge hat." Im gleichen Atemzug schreibt das Amt jedoch, aufgrund der Tatsache, dass der Beschluss bereits im September vollzogen worden sei, werde von kommunalaufsichtsrechtlichen Maßnahmen abgesehen.



Die Auskunft der Kommunalaufsicht hat Herdis Behmann nicht überrascht. "Verwunderlich" findet sie aber, dass der rechtswidrige Beschluss letztlich einfach hinzunehmen sei. Sie hat aber auch nachgefragt, wie denn eine "kommunalaufsichtsrechtliche Maßnahme" aussehen könne, um den Rechtsbruch zu heilen. Behmann: "Man hat mir mitgeteilt, dass dies zum Beispiel ein Wiederherstellen des Originalzustandes wäre." Dann hätte der arme Heilige also wieder auf dem Laster in den Kreisel zurückkehren müssen, ehe sein Abtransport rechtlich einwandfrei erfolgen könne. Sich auf diesem Weg mindestens landesweit zum Gespött zu machen kann niemand ernsthaft wollen, weiß auch die Sozialdemokratin. Sie sagt zu der Farce um den Heiligen: "Es ist genau das, was in der Amtszeit Georg Jungs kritisiert wurde: Schnellschüsse und an Gremien vorbei arbeiten." Nun bleibt abzuwarten, ob der Künstler seine Statue klaglos zurücknimmt.

Meinung

Sandstein

und Sandkasten

Von SZ-Redakteur

Michael Beer

Einfache Gemüter würden sagen: Eine Sache ist richtig, oder sie ist falsch. Aber das ist natürlich zu kurz gesprungen. Die Ausführungen der Kommunalaufsicht zur Ingobertus-Statue zeigen: Auch falsch kann sich durchsetzen - wenn man rasch handelt. Selbst wenn die Heiligenfigur aber jetzt wieder zu ihrem Schöpfer zurückkehren sollte, bleibt die Geschichte ein Trauerspiel, in dem nicht nur der alte, sondern auch der neue Verwaltungschef eine schlechte Figur abgegeben hat. Die verbohrte Auseinandersetzung um den wonneproppigen Stadtheiligen aus Sandstein, den der ehemalige OB selbstherrlich aufstellen und der neue OB eiligst wieder abbauen ließ, hatte zuweilen Sandkasten-Niveau und machte die Stadt zur Lachnummer im Land. Bleibt zu hoffen, dass die Entscheider dieser Stadt an Neujahr geschworen haben, persönliche Befindlichkeiten künftig hintanzustellen.