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In St. Ingbert bleibt die Küche kalt

Es war zu erwarten: Der erfolgreiche Gegenhaushalt einer aufmüpfigen Rats-opposition konnte nicht unwidersprochen bleiben. Bürgermeister Rainer Hoffmann – kommunalpolitisch mit allen Wassern gewaschen – hat Zweifel angemeldet, ob beim Beschluss des Zahlenwerkes alles exakt nach Geschäftsordnung des St.

Ingberter Stadtrates ging. Die Kommunalaufsicht - ist sie 2009 an den Marktplatz gezogen, weil sie einen Beschäftigungsschwerpunkt in dieser Stadt vorausahnte? - hat nun die Aufgabe, den Beschluss formal zu prüfen. Stark vereinfacht steht sie vor folgender Situation: Mutter sagt um elf Uhr vormittags: "Wir essen heute Kartoffelsuppe, oder?" Die ältere Tochter: "Igitt, ich will Spaghetti." (Änderungsantrag I). Einer der Söhne ruft (um die tierliebe Schwester zu ärgern): "Ich will aber Kaninchenbraten." (Änderungsantrag II). Seine Brüder applaudieren begeistert. Wie nicht anders zu erwarten, bricht Tumult los. Da erhebt Vater die sonore Stimme und sagt: "Wenn Mutters guter Vorschlag keine Mehrheit findet, stimmen wir jetzt über die beiden Änderungsanträge ab." Mutter verdreht die Augen, die ältere Schwester ist den Tränen nahe, die Jungs johlen. Dann geht alles rasend schnell. Der Braten bekommt eine knappe Mehrheit, Mutter und Tochter verlassen unter Protest die Küche. Vater lässt in dem Tohuwabohu nicht mehr wie versprochen über den zweiten Änderungsantrag entscheiden und fragt sich bange, wo er das Kaninchen herbekommen soll. Kurz darauf betritt Mutter wieder die Küche und erklärt der verdutzten Bande: "Formfehler! Ihr habt die Hausordnung missachtet und nicht wie versprochen über den Sphagetti-Antrag abgestimmt. So geht es nicht. Jetzt gibt es Grünkern-Klöschen."

Nun ist die Stadt keine Familie und die Sache liegt gewiss komplexer. Aber im übertragenen Sinne bleibt in St. Ingbert fürs Erste die Küche kalt, bis die Kommunalaufsicht entschieden hat. Na dann Mahlzeit.