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In Rohrbacher Mühle zieht Leben ein

Die neuen Besitzer der Rohrbacher Mühle luden zur Besichtigung ein. Die Rohrbacher staunten über den gelungenen Umbau. Foto: Jung
Die neuen Besitzer der Rohrbacher Mühle luden zur Besichtigung ein. Die Rohrbacher staunten über den gelungenen Umbau. Foto: Jung FOTO: Jung
Rohrbach. Für das Mühlengebäude in Rohrbach sah es lange schlecht aus. Bis eine Familie es 2014 kaufte und aus dem Dornröschenschlaf weckte. Nun ist das Haus seit zwei Wochen bewohnt. Zwei Wohnungen und Büros entstehen noch. Cornelia Jung

. Die Rohrbacher waren gespannt, was sich an der Mühle getan hat, seitdem das altersschwache Gebäude in der Mühlstraße 36 im Mai 2014 von Magdalena Telus und Andreas Meiser gekauft worden war. Am Samstag luden die neuen Besitzer dazu ein, sich über die Geschichte, den Baufortschritt und die Pläne für die Zukunft des Mühlgebäudes zu informieren.

Lange sah es so aus, als wenn die im 16. Jahrhundert erstmals erwähnte Wassermühle niemals wieder mit Leben erfüllt werden würde. Doch durch einen Zufall bekam das Gemäuer eine zweite Chance. Denn Dr. Andreas Meiser, gebürtiger Illinger, der bis vergangene Woche mit seiner Familie in Neunkirchen wohnte, fährt gern Rad. Auf einer seiner Touren entdeckte er das Haus, das zum Verkauf stand. Das deutsch-polnische Paar suchte schon lange nach einer geschichtsträchtigen Immobilie mit Charme. "Wir haben uns sofort in die Mühle verliebt", so Magdalena Telus, die sich über alles Material freut, was ihr die Rohrbacher zu ihrer Mühle zukommen lassen. Dann taucht das Paar in die Geschichte ein. Davon profitieren auch Radler und Spaziergänger, die einen Abstecher zur Mühle machen, und nebenbei noch ein bißchen Historie mit auf den Weg bekommen. Früher befanden sich auf der Südseite des großen Mühlgebäudes, deren drei Etagen je rund 160 Quadratmeter haben, drei Mühlräder mit 3,50 Meter Durchmesser. "Ich hätte ja gerne wieder ein Rad angebracht", so die Slawistin, "aber wir wollen keine sentimentalen Geschichten. Das geht nur in Rücksprache mit den Menschen, die es besser wissen." So wie Karl Abel und Walter Gehring von den Rohrbacher Heimatfreunden oder Friedrich Müller, der bereits einen Aufsatz über die Mühle veröffentlicht hat. Beide waren am Samstag bei der Besichtigung dabei und hatten interessante Mühlen-Geschichten durch alle Jahrhunderte zu erzählen.

Einziger Wermutstropfen beim Kauf des Gebäudes sei der fehlende Gewölbekeller gewesen, so die neue "Müllerin" Telus, doch nach eigenen Grabungen, bei der sie sich wie ein Archäologe gefühlt habe, kamen am Scheunengebäude sogar zwei zum Vorschein. In einem davon plätschert eine Quelle. Unter Denkmalschutz steht das einzige Mühlenensemble St. Ingberts nicht.

Die Familie hat im vergangenen Jahr viel Arbeit investiert, im und am Backsteingebäude ist viel passiert. Es wurde Fußbodenheizung eingebaut, eine spezielle Innendämmung angebracht, ein Anbau, in dem früher die Dampfmaschine stand, wurde entfernt, die Fassade sanft gesandstrahlt, Sandsteinmauern erneuert, Fensterleibungen wurden wieder geöffnet, Löcher geschlossen, eine Pelletheizung eingebaut, eine Solaranlage aufs Dach gebracht, eine morsche Robinie gefällt und noch vieles mehr.

Magdalena Telus möchte dort ihre Büros einrichten, Sprachunterricht anbieten, aber auch Ausstellungen und Konzerte im Rahmen der deutsch-polnischen Gesellschaft anbieten, im Herbst ist ein kleines Jazzkonzert mit polnischen Musikern geplant.

"Wir haben gemerkt, dass die Rohrbacher an der Mühle hängen", so das Ehepaar Telus-Meiser, "wir wurden hier gut aufgenommen und möchten den Menschen hier auch etwas zurückgeben."