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Zeitzeuge am BBZ
Geschichten von Flucht und Vertreibung

Geschichtsstunde im Berufsbildungszentrum mit Horst Bernard (an der Tafel vorne links) und Thomas Döring (rechts) vom Adolf-Bender-Zentrum.
Geschichtsstunde im Berufsbildungszentrum mit Horst Bernard (an der Tafel vorne links) und Thomas Döring (rechts) vom Adolf-Bender-Zentrum. FOTO: Joachim Frenzel-Paal
St. Ingbert. Zur Gedenkwoche für Willi Graf gab es im BBZ in St. Ingbert für Oberstufenschüler einen Zeitzeugen-Vortrag. red

Geschichte aus erster Hand erlebten die Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Oberstufengymnasiums am Berufsbildungszentrum (BBZ) St. Ingbert nicht zum ersten Mal, aber selten so spannend und packend verpackt, wie bei dem Zeitzeugengespräch mit Horst Bernard. Im Rahmen der Gedenkwochen für Willi Graf, den Namensgeber der Schule, hatte das BBZ in Zusammenarbeit mit dem Adolf-Bender-Zentrum den 86-jährigen Bernard eingeladen, um ihn nach seinen Erlebnissen aus der Zeit von 1933 bis 1946 zu befragen.


Und was er erzählte, machte Lernende und Lehrende am BBZ nachdenklich. Mit fast drei Jahren war er 1935 mit seinen Eltern und seiner drei Monate alten Schwester nach Südfrankreich geflohen, weil sein Vater aus einer jüdischen Familie stammte und sich für die Sozialdemokraten und den Status Quo bei der Saarabstimmung stark gemacht hatte.

Bernard berichtete von mutigen Menschen, die ihnen Wohnung und Arbeit gaben, die extra für ihn ein Zeugnis mit einem falschen Vornamen erstellten, damit er als Henri Bernard ein Gymnasium im damaligen Vichy in Frankreich besuchen konnte, so dass die Häscher der SS und der Gestapo ihn glücklicherweise nicht weiter behelligen konnten.



Atemlos hörten die Jugendlichen zu, wie er davon sprach, dass ein französischer Polizist seinen Vater immer wieder vor Razzien gewarnt hat, damit er nicht als vermeintlich französischer Fremdarbeiter nach Deutschland gebracht wurde. Wie er als Zwölfjähriger Zeuge eines Massakers in Frankreich wurde, das die SS an Menschen verübte, die sich zur Beerdigung eines Resistance-Aktivisten auf dem Friedhof eingefunden hatten. Und wie er schließlich 1946 mit seinen Eltern ins Saarland zurückkehrte, wo er zum ersten Mal in Saarbrücken die Zerstörungen sah, die der Krieg angerichtet hatte. Ob er nach dem Krieg Nazis begegnet sei, wollte ein Schüler von ihm wissen. Ja, aber es sei für ihn leichter gewesen als für andere, die nach dem Krieg in Amtsstuben oft denselben Menschen gegenüberstanden, von denen sie in der Nazizeit gedemütigt und drangsaliert worden waren.

Ob er Parallelen zwischen der NSDAP zu heutigen Parteien erkenne, war eine andere Frage, die ihm gestellt wurde. Bernard erklärte, dass es zurzeit keine Partei in Deutschland gebe, die eindeutig nazistische Tendenzen verfolge, dass ihn aber das Verhalten mancher Menschen in aktuellen Parteien fatal an vergangene Zeiten erinnerten und nannte in diesem Zusammenhang die Hetzjagden in Chemnitz, die von manchen in Frage gestellt worden waren.

In seinem Schlusswort betonte Bernard, dass niemand von den hier Anwesenden für das verantwortlich gemacht werden könne, was zwischen 1933 und 1945 in Deutschland geschehen ist, dass es aber die Aufgabe dieser und kommender Generationen sei, solche Gräuel in Zukunft zu verhindern.