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Frauenkabarett
Lachen für ein Dach über dem Kopf

Das Homburger Frauenkabarett war in der Stadthalle in Aktion und hatte die  Mission, Gelder für den guten Zweck einzuspielen.
Das Homburger Frauenkabarett war in der Stadthalle in Aktion und hatte die Mission, Gelder für den guten Zweck einzuspielen. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Schon einige Male trat das Homburger Frauenkabarett für den guten Zweck auf. In der Stadthalle spielten sie diesmal für den „Treff em Gässje“, der sich in seinem Jubiläumjahr ganz besonders über die künstlerische Unterstützung freut.

Das „Homburger Frauenkabarett“ ist eine ganz eigene Hausnummer, für jeden Spaß zu haben und manchmal ganz schön derb. Es hat sein Stammpublikum und jedes Jahr kommen neue Fans hinzu. Solche Zugpferde braucht es auch, um zahlreiche Gäste in die Stadthalle zu locken. Es war kein normaler Auftritt der gewollt komisch-bissigen Truppe, sondern eine Benefizveranstaltung für den „Treff em Gässje“ in St. Ingbert. Der Treff ist eine wichtige Anlaufstelle für wohnungs- oder perspektivlose Menschen, in der diese sich wohlfühlen, ein preisgünstiges warmes Mittagessen und Alltagshilfe bekommen oder sich handwerklich betätigen können.


Für soziale Belange sind viel zu wenige Gelder da, weshalb solch eine finanzielle Unterstützung, die mit Hilfe der Kultur „erwirtschaftet“ wird, gerade recht kommt. Caritas-Mitarbeiter Mathias Schappert, verantwortlich für die Ambulante Wohnungslosenhilfe und „Pro Integra - junge Flüchtlinge in Bildung, Ausbildung und Beruf“, fand dann auch mehr als nur herzliche Worte für die Unterstützung durch das Kabarett, zu dem auch eine „städtische“ Kollegin, Birgit Schöndorf, gehört. „Es ist schon Tradition, dass die fünf Damen zu uns kommen. Sie sind ein Erfolgsgarant und immer zuverlässig. Mit ihrem Ticketkauf unterstützen sie unsere Tagesstätte ungemein“, richtete Schappert seine Begrüßungsworte gleichermaßan an die Künstler wie ans zahlreich erschienene Publikum. „Dieses Jahr ist nicht einfach ein weiteres Jahr im Leben des ,Treff em Gässje´, sondern uns gibt es jetzt 20 Jahre.“

Dieses Jubiläum bedeute 20 Jahre Hilfe für Menschen in besonders schwierigen Situationen und vor allem zwei Jahrzehnte ehreamtliches Engagement. „Wir holen Menschen vom Rande der Gesellschaft in ihre Mitte und versorgen sie mit einem Dach über dem Kopf, Essen und gesellschaftlicher Teilhabe, eben dem, was für andere selbstverständlich ist“, sagte der Sozialpädagoge weiter. Für diesen guten Zweck fiel den vielen Besuchern des Programms „Neues aus dem Spätmittelalter“ das Lachen nochmal so leicht. „Auch wenn das Mittelalter naht, sind wir uns für nichts zu schad‘ und hopsen fröhlich im Quadrat“, reimten die Kabarettistinnen denn auch in ihrem ersten musikalischen Beitrag.



Alle Themen aufzuzählen, die die Frauen am Schopfe packten und genüsslich in alle Richtungen drehten, um die Zuschauer lachend, nachdenklich aber in jedem Falle gut zu unterhalten, würde um einiges zu weit führen. Nur soviel: In alt bewährter Manier war ihnen nichts heilig – Politik, Partnerschaft, banaler Alltag, das Alter, die Nachbarn. Es ging um körperliche Unzulänglichkeiten, speziell um den „Wabbel“ (so um den Bauch rum), der eigentlich zu nichts taugt, außer zu einem äußerst amüsanten musikalischen Liebsbrief an ihn. Einfach köstlich. Ein wahrer Schenkelklopfer. Und das war nicht das einzige Highlight des unterhaltsamen Abends in der St. Ingberter Stadthalle, denn eigentlich war jeder Beitrag eins. In Zukunft unvergessen werden die beiden nett gewandeten „Darmbakterien“ bleiben, die sich über die „inneren“ Werte eines menschlichen Körpers unterhielten, oder „Siri“, die in einem Smartphone wohnt. Korruption, die Mainstream-Senioren der Generation 65+, ein zeitgenössisches Gemälde einer lächelnden Cellulite, Tratsch auf dem Klassentreffen, Alter versus Jugend, aus dem ersteres als Sieger hervorging, Lieblingsmensch „Schokoladenweihnachtsmann“ und vieles mehr – das war der Stoff, aus dem am Freitag das Lachen wurde.

Natürlich ging am Ende, als der vielgewünschte „Dachdecker Herr Bach“ noch zum Zuge gekommen war, der Dank der toll schauspielenden Frauen auch ans Publikum. Nach einer längeren Sommerpause seien es die Zuschauer in St. Ingbert gewesen, die dem Kabarett wegen des Heimspiels als „Hometrainer“ zur Seite gestanden hätten und zum Wiedereinstieg in die neue Programmzeit verhalfen. Wenn das mal für Kabarett, Publikum und der „Treff em Gässje“ keine win-win-win-Situation war...