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Ausschuss für Stadtentwicklung
Hohe Hürden für barrierefreie City

Ein Flickenteppich: In der St. Ingberter Fußgängerzone fehlen zwischen Rickertstraße und Engelbertskirche (in Hintergrund) mittlerweile viele Pflastersteine. Die Stadt will die Schäden nun beheben lassen.
Ein Flickenteppich: In der St. Ingberter Fußgängerzone fehlen zwischen Rickertstraße und Engelbertskirche (in Hintergrund) mittlerweile viele Pflastersteine. Die Stadt will die Schäden nun beheben lassen. FOTO: Tobias Fuchs
St. Ingbert. Der Ausschuss für Stadtentwicklung debattiert über die Fußgängerzone. Klar ist: Das Pflaster muss repariert werden. Von Michael Aubert

Das Thema einer barrierfreien Fußgängerzone in der Stadt St. Ingbert ist nicht neu. War es in den vergangenen Monaten doch schon öfter Thema im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Und doch wollte Roland Körner (Familienpartei) das Thema erneut auf der Tagesordnung des Ausschusses wissen. Zum Ausbau der Barrierefreiheit der Fußgängerzone im Bereich von Rickertstraße bis Engelbertskirche wurde von der Verwaltung ein Angebot von einem Ingenieurbüro eingeholt, das bereits in Saarbrücken, in der Kaltenbachstraße Erfahrungen mit der barrierefreien Umsetzung für Pflasterflächen gesammelt hat. Dieses soll nach Prüfung dem Ausschuss für Baumanagement zur Beauftragung vorgelegt werden. Vorab wird die Vermessung für den Teilbereich beantragt.


Wie Oberbürgermeister Hans Wagner (parteilos) erklärte, müsse die Pflasterung, die aufgrund von Lkw mittlerweile beschädigt ist und viele Unebenheiten aufweise, nun erneuert werden. Am Gesamtbild der Fußgängerzone solle sich aber nichts ändern. Die Pflastersteine gehörten zum Stadtbild und würden den Flair in der Fußgängerzone ausmachen.

Für Roland Körner stellt sich aber die Frage: „Wieviel Teer verdrängt schon das Flair?“ Der Fraktionsvorsitzende der Familienpartei wurde nicht müde, beim Punkt „Barrierefreiheit in der Fußgängerzone“ auf zwei Aspekte hinzuweisen. In diesem Zusammenhang könne es doch nicht nur um die Verbesserung der Pflasterung gehen und die Beseitigung sowie Ausbersserung der Holpersteine. „Dabei geht es jetzt auch nicht darum, die Fußgängerzone auf ein bauliches Niveau zu heben, sondern einen größtmöglichen Zugang zu Restaurants und Geschäften in der Innenstadt zu ermöglichen“, sagte Körner. Ob nun für Menschen im Rollstuhl oder mit Kinderwagen oder Rollatoren. In Luxemburg gebe es baulich interessante, kleinere Rampen.



Martin Ruck, Leiter des Geschäftsbereichs Stadtentwicklung und Umwelt bei der Stadt St. Ingbert, erläuterte, dass es beinahe unmöglich sei, die Barrierefreiheit zu den Restaurants und Geschäften von Seiten der Stadt anzugehen, weil die Auflagen zu groß seien. „Da greift dann sofort die DIN“, sagte er und erklärte die Problematik folgendermaßen: „Wenn wir eine Stufe überwinden wollen, bei sechs Prozent maximaler Steigung, heißt das: Wir brauchen drei Meter Rampe.“ Geschäfte oder private Nutzer hätten diesbezüglich hingegen ganz andere Möglichkeiten. Da würden Zugeständnisse gemacht. Dies sei aber im Einklang mit dem Denkmalschutz oft schwer umzusetzen.

Die Hürden für eine barrierfreie Fußgängerzone sind also sehr hoch. In diesem Zusammenhang wies Pascal Rambaud (CDU) darauf hin, dass es doch naheliege, mit den Mietern und Eigentümern in den Geschäften zu sprechen „und zu prüfen, inwieweit sie uns entgegenkommen wollen – und ob sie bereit sind, einen Schritt in Richtung Barrierefreiheit zu machen“, sagte er.

Auch Körner ließ nicht locker: In seinem zweiten Aspekt ging es ihm darum, die Fußgängerzone nicht einfach nur instandzuhalten, sondern – wenn schon etwas gemacht würde – am Ende zumindest von einem Mehrwert sprechen zu können. Er bezweifelte auch, dass die Fußgängerzone durch eine asphaltierte, für Rollstuhlfahrer und Rollator-Nutzer nutzbare Idealline an Flair verlieren würde.