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Hasseler Verkaufsurkunde kehrt wieder heim

Die Original-Urkunde war am Freitag der am meisten fotografierte Gegenstand. Foto: Bergmann
Die Original-Urkunde war am Freitag der am meisten fotografierte Gegenstand. Foto: Bergmann
Hassel. Es gibt diese Momente, da ist man einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Der gute Stürmer beim Fußball kennt das. Er weiß, wo die Bälle seiner Mitspieler landen und wo die Lücke im gegnerischen Tor ist.So ähnlich ging es Roland Paul. Der Mann ist zwar kein Torjäger, sondern Direktor des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern Von SZ-Mitarbeiter Oliver Bergmann

Hassel. Es gibt diese Momente, da ist man einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Der gute Stürmer beim Fußball kennt das. Er weiß, wo die Bälle seiner Mitspieler landen und wo die Lücke im gegnerischen Tor ist.



So ähnlich ging es Roland Paul. Der Mann ist zwar kein Torjäger, sondern Direktor des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern. Irgendwann im Herbst 2011 besuchte er eine Verwandte, dir ihren Geburtstag feierte. Dort traf Roland Paul noch weitere geladene Gäste. Darunter auch eine Frau Schneider aus dem Städtchen Kirchheimbolanden. Am Kaffeetisch saß Paul neben ihr, und so kamen die beiden ins Gespräch. Frau Schneider erzählte ihm von einigen alten Fotos aus St. Ingbert, die Roland Paul haben dürfe.

Und dann sei da noch etwas, doch das könne sie ihm aber nicht so ohne Weiteres geben. Paul wurde hellhörig und vereinbarte einen Termin bei der Frau, dessen Mutter aus St. Ingbert stammt. In einem DIN-A 5-Umschlag steckte sie dann: Die Urkunde, die belegt, dass die verschuldete Witwe Carolina Sophia von und zu Schorrenburg am 19. August 1771 ihre Besitztümer des zu Zweibrücken gehörenden Ortes Hassel mit sämtlichen Waldgebieten an den Nassau-Saarbrückischen Geheimrat Georg Andreas Dern verkaufte.

69 000 Rheinische Gulden legten Dern und seine Frau Maria Juliana für Hassel auf den Tisch, 20 000 waren sofort zu zahlen - alles in "gültigen und annehmlichen Müntzsorten". Jetzt ging die Urkunde in den Besitz des St. Ingberter Stadtarchivs über. Das fixierten Oberbürgermeister Hans Wagner und Stadtarchivar Dieter Wirth am Freitagabend vor einigen neugierigen Hasselern im Sitzungssaal des ehemaligen Rathaus sogar vertraglich.

"Das ist jetzt die älteste Original-Urkunde, die wir im Archiv haben. Alle anderen ähnlichen Dokumente sind entweder Abschriften oder Kopien", so Wirth, der sich sowohl als Stadtarchivar, als auch als Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins über diesen Augenblick freute. Im Keller des Rathauses wandert das historische Papier in den Panzerschrank. Das gute Stück hat zwar niemand auf seine Echtheit geprüft, aber Zweifel daran seien unangebracht, beruhigt Roland Paul: "Die Urkunde hat ja sogar noch die Original-Siegel."

Und was passierte nach dem Verkauf? Mit dieser Frage hat sich Friedrich Müller, Geschichtslehrer, Heimatforscher und Übersetzer der Schrift, beschäftigt. "Für die Bürger änderte sich praktisch nichts. Die neuen Besitzer durften keine höheren Steuern einziehen und auch nicht, was damals durchaus üblich war, Soldaten nach Amerika verkaufen."