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Handball
Handballspiel als eine Frage der Ehre

In den Spielen zwischen Niederwürzbach und St. Ingbert geht es – wie hier auf unserem Archivbild – sehr eng zu.
In den Spielen zwischen Niederwürzbach und St. Ingbert geht es – wie hier auf unserem Archivbild – sehr eng zu. FOTO: Christian Wulf
St. Ingbert. Die Derbys zwischen der SGH St. Ingbert und dem TV Niederwürzbach sind immer eine enge Kiste. Nun steht das nächste Duell auf dem Spielplan. Von Lucas Jost

Summa cum laude, mit höchstem Lob, werden in Deutschland grundsätzlich nur Promotionen ausgezeichnet. Gäbe es das Prädikat im Sport, die Derbys zwischen der SGH St. Ingbert und dem TV Niederwürzbach hätten es allemal verdient. Denn was die beiden Lokal-Rivalen in den vergangenen Derbys ihren Zuschauern boten, erfüllte jede Erwartung, die der Begriff „Derby“ mit sich bringt.


Vier Mal trafen beide Klubs seit Dezember 2016 in Pflichtspielen aufeinander. Vier Mal blieben die Aufeinandertreffen bis zur letzten Minute unglaublich spannend. Vier Mal duellierten sich die Saarlandligisten absolut auf Augenhöhe. Vier Mal waren die Derbys eine Nerven-Zerreißprobe für Trainer, Spieler und Zuschauer. Der TVN konnte drei hauchdünne Siege feiern, einmal mit zwei, zweimal mit einem Tor Vorsprung. Der letzte Sieg, im Hinspiel der laufenden Saison, ging an die SGH. Standesgemäß knapp. Mit 29:28. Diesen Samstag um 18 Uhr kommt es in der Würzbachhalle in Niederwürzbach erneut zum heiß ersehnten Duell der Dauer-Konkurrenten.

„Das Derby ist immer ein besonderes Spiel, da hat keiner Probleme, sich zu motivieren gegen Niederwürzbach“, verspricht der St. Ingberter Rückraumschütze Michael Bauer. „Das wird wohl intensiver als ein normales Rundenspiel“, sagt er und bestätigt den Eindruck von Konkurrent Stefan Dreßler. „Das ist ein Spiel, das will man auf jeden Fall gewinnen. Das Derby hat seine eigenen Regeln und ist immer ein hitziges Spiel. Ich glaube nicht, dass man da lockerer oder mit weniger Motivation reingeht“, sagt der TVN-Torhüter.

Die Vorzeichen versprechen eine ähnlich ausgeglichene Partie wie in der Vergangenheit. Das Zünglein an der Waage? Weniger der Heimvorteil, denn die Tagesform. „Ich bin mir nicht mal sicher, ob in St. Ingbert nicht mehr Fans von uns da waren“, scherzt Dreßler. „Der Heimvorteil macht einen kleinen Unterschied, da man die Halle zu Hause kennt. Das Ding ist, wenn das Spiel losgeht, legt sich der Schalter im Kopf um. Dann will man so oder so gewinnen.“ Der 23-Jährige Bauer schildert: „Tagesform und Glück sind mitentscheidend. Aber besonders kommt es bei uns darauf an, dass wir unsere eigenen Fehler minimieren, die wir in den letzten Spielen zur Genüge gemacht haben. Es gab immer eine Phase, in der wir in der Abwehr mit dem Torhüter zusammen sehr gut gespielt haben. Es gab aber immer eine Phase, in der es gar nicht gelaufen ist. Wenn wir die abstellen, haben wir definitiv eine Chance.“

Beide Teams müssen am Samstag auf einen Spieler verzichten. Die SGH zum fünften Mal auf Linksaußen Ralf Wilhelm. Der Tabellendritte kann nach wie vor nicht auf Yannick Pressmann zurückgreifen. Ansonsten seien die Kader, soweit absehbar, vollständig. Ein kleiner Bonus ist für den Siebten der Saarlandliga zusätzlich zu holen. Nach zuletzt zwei Siegen hat sich St. Ingbert viel Luft nach unten verschafft. Zwei Punkte – und das Thema Abstiegskampf dürfte endgültig aus der Welt sein. Dieser Gedanke gerät am Wochenende aber schnell in den Hintergrund. Denn der Erfolg im Derby ist viel mehr eins: eine Frage der Ehre.