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Halloween
Mit Krötenschleim und Spinnengift

Karin Lefebre-Wagner (rechts) las in der Buchhandlung Friedrich gruselige Geschichten vor.
Karin Lefebre-Wagner (rechts) las in der Buchhandlung Friedrich gruselige Geschichten vor. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Zum dritten Mal veranstaltete das Stadtmarketing ein Halloween-Event in der Innenstadt. Die Besucher kamen zahlreich und gruselten sich gern.

Wer sich am Mittwoch in St. Ingberts Mitte mit achtbeinigen Krabbeltieren, Fledermausflügeln oder einem Knochengewand kostümiert hatte, war in bester Gesellschaft. Denn an diesem Tag stieg das Halloween-Event des Stadtmarketing, das sich bei seiner dritten Auflage größter Beliebtheit erfreute. Waren bei der Premiere vor zwei Jahren meist nur die Kinder gruselig angezogen, tun es die Eltern ihnen immer mehr nach.


Von einem zaghaften Versuch hat sich das St. Ingberter Halloween zu einer festen Veranstaltungsgröße mit wachsenden Beliebtheitswerten gemausert. Selbst Großeltern, die der deutschen Kopie des amerikanischen Vorbilds ursprünglich wenig Positives abgewinnen konnten, gehen mittlerweile mit den Enkeln von Haus zu Haus oder in diesem Fall von Geschäft zu Geschäft, um sich Süßigkeiten einzufordern. „Süßes oder Saures“ hieß es dann sogar in der Polizeiinspektion St. Ingbert, aus der die kleinen Gruselmonster, Drachen und Sensenmänner die Gummibärchen „befreiten“.

Auch die Gastronomen, die Halloween gleich zum Partymachen nutzten, und Geschäfteinhaber hatten einen besonderen „Tag (und Nacht) der offenen Tür“, bei dem sich die jungen Halloween-Liebhaber die Klinke in die Hand gaben. Einige St. Ingberter Vereine waren ebenfalls präsent und bauten wie die DNZ, die eine Gruselwerkstatt „betrieb“, ihre Stände auf. Wessen Gesicht noch „nackt“ war, konnte sich gegenüber der Alten Kirche schön gruselig schminken lassen. Ein Angebot, das gut nachgefragt war.



Fotograf Alex Weber hatte in seiner Gruselkulisse in der Stadtbücherei ebenfalls alle Hände voll zu tun. „Bei uns war von Anfang an viel Betrieb“, so Weber. Ja, in St. Ingbert war die Hölle los, was durchaus positiv gemeint ist. Die Straßenparty traf den Nerv der Leute. Schon kurz vor 18 Uhr mussten einige Gewerbetreibende kapitulieren, denen Gutzjer und Co. ausgegangen waren. Dabei kamen die kleinen „Erpresser“, die Süßes verlangten, zum Teil nicht einfach nur mit ihren Stoffbeuteln zur Bonbon-Jagd, sondern standesgemäß mit Mini-Hexenkesseln oder Kürbissen. Sogar beim Verkäufer der Esskastanien wurde um Süßigkeiten nachgefragt, doch dieser zuckte nur die Schultern und verwies auf sein herzhaftes Angebot. Klar gehörte zu diesem Halloween auch das Kürbis-Schnitzen dazu. 220 Stück des großen orangen Gemüses, die zu großen Teil vorbestellt waren, hatten Schüler des Albertus-Magnus-Gymnasiums ausgehöhlt und so schon eine Menge Vorarbeit für die Gestaltung von Kürbisgrimassen aller Art geleistet. Mit Enthusiasmus gingen die Kinder am Stand des Stadtmarketing, meist unterstützt von ihren Eltern, an die Arbeit. Die konnte ganz schön schweißtreibend sein, hielt die Kinder aber nicht davon ab, später vorm SoHo noch die Kinderdisko zu besuchen, die von der Tanzschule Srutek angeboten wurde. Viele Schaufenster hatten sich in Gruselkabinette, Gräber, Höhlen oder Fledermausquartire verwandelt, in einer Damen-Boutique begrüßte eine (liebe) Hexe die Kinder, während bei dem Bekleidungsgeschäft gegenüber ein bewegungsfreudiges Skelett diesen Part übernahm. „Toll, was die hier alles auf die Beine gestellt haben“, sagte eine Besucherin, die später unbedingt mit ihren Kindern und den Enkeln noch zur Feuerschau von Sidera gehen wollte.

An einer Hauswand, wo eine Gruselstory in Scherenschnittmanier gezeigt wurde, versammelten sich Filmfans, während sich kleine Leseratten und Bücherwürmer bei der Buchhandlung Friedrich von Hexen und Kobolden Spukgeschichten über die kleine Hexe Lilly oder Spinnengift und Krötenschleim vorlesen ließen. Bei den Kostümierungen, von denen die besten prämiert wurde, waren einige Besucher sehr frei in der Interpretation des Themas. Tiger, Bären, Marienkäfer wurden gesichtet. Und auch Star Wars-Figuren. Die allerdings waren beliebter Teil des Programms und ließen sich hundertfach mit großen und kleinen Besuchern des Hallowwen-Events fotografieren.