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"Guter Zeitpunkt zum Aufhören"

Der geschäftsführende Vorstand der Schwimmfreunde 1911 St. Ingbert (von links): Gerti Conrad, Helmut Kaul, Markus Gestier und Werner Simmet. Foto: Manfred Schetting
Der geschäftsführende Vorstand der Schwimmfreunde 1911 St. Ingbert (von links): Gerti Conrad, Helmut Kaul, Markus Gestier und Werner Simmet. Foto: Manfred Schetting
St. Ingbert. Eine Vereinskarriere kann so plötzlich und unvermutet beginnen. Ihr Sohn sei vom Fußballtraining immer recht schmutzig und mit Blessuren nach Hause gekommen, erzählt Gerti Conrad. Ihr Mann Werner habe damals halb im Spaß gesagt, der Junge könne doch in den Schwimmverein gehen Von SZ-Redakteur Michael Beer

St. Ingbert. Eine Vereinskarriere kann so plötzlich und unvermutet beginnen. Ihr Sohn sei vom Fußballtraining immer recht schmutzig und mit Blessuren nach Hause gekommen, erzählt Gerti Conrad. Ihr Mann Werner habe damals halb im Spaß gesagt, der Junge könne doch in den Schwimmverein gehen. So kam es auch - und Gerti und Werner Conrad waren schon wenig später feste Größen im Schwimmverein 1911 St. Ingbert.



Werner Conrad hatte den Vorsitz von 1980 bis 1993 inne, danach war er Ehrenvorsitzender bis zu seinem Tod im Jahr 2009. Gerti Conrad hat ebenfalls ab 1980 in verschiedenen Funktionen im Vorstand des damaligen Schwimmvereins und der heutigen Schwimmfreunde gewirkt - obwohl sie schon in den ersten Vereinstagen zu ihrem Mann gesagt hatte, beide sollten doch lieber keine Ämter im Verein übernehmen. Die Geschäftsführerin ist die "gute Seele" und "zentrale Anlaufstelle" des Vereins, wie es der zweite Vorsitzende Helmut Kaul ausdrückt. Unter die drei Jahrzehnte möchte Conrad gleichwohl einen Schlussstrich ziehen. Und mit ihr die weiteren Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes: der Vorsitzende Markus Gestier, sein Stellvertreter Helmut Kaul und Kassierer Werner Simmet.

"Schwimmfreunde St. Ingbert 1911" heißt der Verein nach seiner Wiedervereinigung 2010. Erster und Zweiter Weltkrieg hatten das Vereinsleben unterbrochen, 1975 spaltete sich dann nach internen sportlichen und menschlichen Querelen ein Teil des Vereines ab und ging seinem Hobby unter dem Namen "Wasserfreunde St. Ingbert" nach. Die Fusion ein Vierteljahrhundert später war nicht unumstritten in den Reihen der St. Ingberter Wassersporttreibenden. Einige verärgerte Mitglieder, berichtet die Runde zu Gast in der Redaktion, hätten denn auch ihren Austritt erklärt. Dennoch hat der aktuelle Vorstand den Schritt nicht bereut und spricht von einer wachsenden Zahl an Mitgliedern, auch über St. Ingbert hinaus. An die 800 Mitglieder zähle man heute, über 20 Übungsleiter engagierten sich und auch das Potenzial an Helfern, ohne die kein Verein auskommt, sei vorhanden. Die Schwimmfreunde richten vier Wettkämpfe im Jahr aus, es gibt eine Warteliste für das Anfängerschwimmen, die Bäderbetriebsgesellschaft des "blau" unterstütze den Verein, Jugendwart Andreas Schäfer habe ein umfassendes Trainingskonzept erarbeitet, das den einzelnen Abteilungen gerecht werde. Eine positive Entwicklung mithin nach allem, was zu hören ist.

Und jetzt verlassen die Verantwortlichen das Schiff? Alle vier, erläutert Gestier, hätten die schwierige Übergangsphase der Vereinigung beider Schwimmclubs gestalten wollen. Nachdem dies geschafft sei, wollten sie nun das Ruder in andere Hände legen. Der geschäftsführende Vorstand lege sein Amt zudem nicht nieder, sondern trete bei den für März anstehenden turnusmäßigen Neuwahlen nicht mehr an. Gerti Conrad, 75, und Werner Simmet, 72, führen das Alter als Beweggrund an. Gestier, 50, und Kaul, 33, verweisen auf ihre langjährige Zugehörigkeit zur Vereinsspitze. Gestier: "Wir haben gute junge Leute, die andere Ideen in den Verein einbringen." Kaul fügt hinzu: "Wir werden alle nicht von der Bildfläche verschwinden. Wir haben einen geordneten Übergangsprozess eingeleitet." Er sei zuversichtlich, dass sich geeignete Kandidaten dem Votum der Mitgliederversammlung stellen werden.

Mit der Wiedervereinigung und der 100-Jahr-Feier im vorletzten Jahr habe es eine Zäsur gegeben, bekräftigt Gestier. Ein guter Zeitpunkt zum Aufhören nach seiner Meinung. Dass der Schritt auch seine Kehrseite hat, will Gerti Conrad nicht verhehlen: "Ich bin schon ein bisschen traurig darüber", sagt sie, "aber ich möchte die Verantwortung nicht mehr tragen." Den Kontakt werde sie aber halten. Nach drei Jahrzehnten Vorstandsarbeit, die sie einst gar nicht übernehmen wollte, lässt sich das auch gar nicht anders denken.