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Geschwindigkeitskontrolle
Wenn es in St. Ingbert plötzlich blitzt

Ein Blick auf die technischen Geräte in dem Fahrzeug, mit dem Anja Fickinger von der Verkehrsüberwachung der Stadt St. Ingbert Kontrollen ausführt.
Ein Blick auf die technischen Geräte in dem Fahrzeug, mit dem Anja Fickinger von der Verkehrsüberwachung der Stadt St. Ingbert Kontrollen ausführt. FOTO: Michael Aubert
St. Ingbert. Die SZ begleitete zwei Mitarbeiter der städtischen Verkehrsüberwachung in St. Ingbert bei ihren Kontrollen. Von Michael Aubert

Ein Blitz. Und schon ist es passiert. Wieder ist ein Foto fertig für den Versand. Für die beiden städtischen Mitarbeiter Anja Fickinger und Rüdiger Schenkelberger ist es der erste Autofahrer, der an diesem frühen Morgen in Oberwürzbach zu schnell durch die Geschwindigkeitskontrolle fährt. Er wird bald Post von der Verkehrsüberwachung der Stadt St. Ingbert erhalten. Auch wenn es ziemlich lange gedauert hat. Kaum einer, der die erlaubten 30 Stundenkilometer vor der Kirche in Oberwürzbach überschreitet.


Nur ganz zu Beginn, als Fickinger und Schenkelberger dabei waren, ihr Equipment aufzubauen, waren beide überzeugt, dass ihnen einer durch die Lappen gegangen ist. „Der war ganz sicher zu schnell“, meinte Schenkelberger. Doch so sehr der ganze Ablauf morgens Routine ist und jeder Handgriff sitzt, es dauert eben seine Zeit. Bis der Wagen geparkt, der Blitz, die Kamera und das übrige Equipment aufgebaut und so ausgerichtet und eingestellt sind, dass man den Fahrer auf den Bildern auch erkennen kann.

Dabei hat die Digitalisierung auch in der Verwaltung einige Erleichterungen mit sich gebracht. Die meiste Arbeit muss nur noch einmal gemacht werden. „Jeder Messpunkt hat seine eigene Nummer mit bestimmten Voreinstellungen, die im Computer hinterlegt sind“, sagt Fickinger. Das erleichtere das Auslesen der Daten und die Arbeit nach den Kontrolleinsätzen ungemein. Lediglich die Toleranzen müssten eingegeben werden: fünf Stundenkilometer Gerätetoleranz und vier Opportunitätstoleranz. Bei wem es also blitzt, der kann sicher sein, dass er tatsächlich zu schnell war. Die Rohrbacherin ist schon seit über 20 Jahren in der Verkehrsüberwachung tätig. Zwölf Jahre in St. Ingbert und zuvor neun Jahre beim Saarpfalz-Kreis.

Und die Arbeit ist nicht immer einfach. Ein großer Teil der Temposünder ist genervt, hat kaum ein Unrechtsbewusstsein und zahlt die Strafen erst nach der ersten Mahnung. Und das wirkt sich natürlich auch auf die Mitarbeiter aus. „Es gab schon Kollegen, die in ihrem Heimatort nicht blitzen wollten“, sagt die Rohrbacherin. „Aber mir macht das nichts aus. Das ist halt mein Job“, sagt sie und grinst: „Ich habe auch schon einen Brief an meine eigene Adresse geschickt.“ An ihren Mann.

Was den einen Autofahrer unwahrscheinlich nervt, nimmt der andere sportlich, lächelt und winkt den städtischen Mitarbeitern noch zu. „Das kommt eher selten vor“, sagt Fickinger. „Aber wenn tatsächlich jemand anhält, sind die meisten sehr nett und wollen eigentlich nur wissen, wieviel sie zu schnell waren.“ Wo genau in St. Ingbert geblitzt wird, ist unterschiedlich. Vorwiegend aber wird an Gefahrenstellen kontrolliert. Etwa im Umfeld von Kindergärten, Schulen, Spielplätzen, Senioren- oder Pflegeheimen.



Von Mai 2017 bis März diesen Jahres hat das Team um Fickinger im Stadtgebiet St. Ingbert 134 Messungen an 44 verschiedenen Standorten durchgeführt. Von über 40 000 Fahrzeugen, die die Messpunkte in diesem Zeitraum passiert haben, waren etwas mehr als 6000 zu schnell unterwegs, was einer Verstoßquote von etwa 15 Prozent entspricht. Die höchsten Geschwindigkeitsüberschreitungen wurden in der Saarbrücker Straße (94 km/h) und der Oberen Kaiserstraße (96 km/h) gemessen – bei erlaubten 50 Stundenkilometern. Oder in der Spieser Landstraße: mit 74 km/h in der 30er Zone. Dort waren bei 15 Messungen auch die meisten Verstöße zu verzeichnen (2218), dicht gefolgt vom Messpunkt in der Hasseler Straße (13 Messungen, 819 Verstöße) und der Südstraße (12, 698).

Andere Zahlen als an diesem vergleichsweise ruhigem Morgen. „Wenn man nicht mehr so viel erwischt, denkt man schon, dass sich die Arbeit langsam auszahlt“, sagt Schenkelberger. Gar nicht belehrend, sondern vielmehr der Überzeugung, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen und deren Kontrollen einfach Sinn machen.

Von fest installierten Blitzern halten beide nicht viel: „Der Druck durch die nicht angekündigten Kontrollen ist da schon größer“, sind sie überzeugt.

Auf dem Weg zurück ins Rathaus überprüfen die beiden noch die Anzahl der begrenzenden Schilder. Denn das 30er Schild muss aufgrund des Ortsunkundigengebots bis zum Kontrollpunkt an allen Einbiegungen wiederholt werden. Nur wenn auch die Rechtssicherheit gegeben ist, können Fickinger und ihre Kollegen auch gleich die nächsten Verwarnungen für den Versand fertigmachen.

In Sichtweite zu dem Verkehrsweg „Schulweg“ ist das Auto geparkt, mit dem das Tempo der Autos kontrolliert wird.
In Sichtweite zu dem Verkehrsweg „Schulweg“ ist das Auto geparkt, mit dem das Tempo der Autos kontrolliert wird. FOTO: Michael Aubert