| 20:37 Uhr

Kolumne Unserer Woche
Geschrien statt geschwiegen

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Von Joachim Schickert

Rosen hatte Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener am Donnerstagabend mit in die Stadtratssitzung gebracht. Doch kein heimlicher Verehrer hatte ihr die Blumen gebracht, zumal diese aus Papier waren und nicht rot, sondern weiß. Am Nachmittag, so die Verwaltungschefin, die bekannt dafür ist, dass sie je nach Gelegenheit vor einer Ratssitzung schon mal Besinnliches einstreut, hatten sie Schüler der Gemeinschaftsschule Blieskastel, der Geschwister-Scholl-Schule, besucht und ihr zum Gedenken von Hans und Sophie Scholl sowie weiteren Mitgliedern der „Weißen Rose“ die Blumen überreicht. Denn genau an diesem Donnerstag, 22. Februar, war es 75 Jahre her, dass die Geschwister Hans und Sophie, gerade mal 24 und 21 Jahre alt, sowie Christoph Probst (23), Mitglieder der studentischen NS-Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, wegen „Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftzersetzung“ mit dem Fallbeil hingerichtet worden waren. Weitere Mitglieder, unter ihnen Willi Graf aus Saarbrücken, sollten später ihr Los teilen. „Das Schicksal von Hans und Sophie Scholl, die ihr Leben für eine gerechte Sache opferten, bewegt uns noch heute. Zahlreiche öffentliche Plätze oder Straßen wurden nach ihnen benannt. Auch die Geschwister-Scholl-Schule in Blieskastel hat die beiden wie viele andere Bildungseinrichtungen als Namensgeber gewählt, um ihr Andenken zu wahren und im Rahmen der historisch-politischen Bildung und Friedenserziehung zu thematisieren“, erklärte Faber-Wegener, warum sie die Rosen mitgebracht hatte. Nachdem sich alle Ratsmitglieder und Besucher im Saal erhoben hatten, gedachte man anschließend der mutigen jungen Leute, die für ihre Überzeugungen und das Verteilen von Flugblättern ihr Leben lassen mussten. Eine schöne Geste von Verwaltung und Rat an diesem Abend, denn das Schicksal der Mitglieder der Widerstandsbewegung rüttelt immer noch auf. Auch  Liedermacher Konstantin Wecker hat sich im Lied „Weiße Rose“ seine Gedanken gemacht. In seiner unvergleichlichen Art sang er: „Ihr habt geschrien, wo andre schwiegen, obwohl ein Schrei nichts ändern kann, ihr habt gewartet, ihr seid geblieben, ihr habt geschrien, wo andre schwiegen – es ging ums Tun und nicht ums Siegen!“.