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Tanztherapie
Gegen eine Erkrankung antanzen

Stephanie Uhl, die seit kurzem in St. Ingbert lebt, macht zur Zeit eine Ausbildung zur Tanztherapeutin.
Stephanie Uhl, die seit kurzem in St. Ingbert lebt, macht zur Zeit eine Ausbildung zur Tanztherapeutin. FOTO: Stephanie Uhl
Homburg/St. Ingbert. Stephanie Uhl macht eine Ausbildung zur Tanztherapeutin. Sie will Menschen helfen, ein Körperbewusstsein zu entwickeln.

Tanzen ist heutzutage viel mehr, als sich einfach nur auf Partys oder in der Disco auf und ab zu bewegen. Indem man tanzt, könne man Gefühle ausdrücken, über die man sonst eher nicht reden würde, und sogar psychische oder physische Einschränkungen im Alltag verbessern, erklärt Stephanie Uhl, die seit eineinhalb Jahren in Frankfurt eine Ausbildung zur Tanztherapeutin absolviert. Die Ausbildung sei sehr praxisorientiert, am Ende erhalte Uhl ein Zertifikat. Eine Ausbildungsvergütung, wie bei klassischen Ausbildungsberufen, gebe es allerdings nicht. Dafür aber die Möglichkeit, verschiedene Förderungen in Anspruch zu nehmen.


Uhl, die bereits Tanzpädagogin ist, erklärt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass zwischen der Tanzpädagogik und der Tanztherapie unterschieden werden muss: „Die Tanzpädagogik besteht rein aus tänzerischen Aspekten. Es ist die Lehre des Tanzes. In der Tanztherapie werden Menschen dahingehend therapiert, indem sie durch das Tanzen einen besseren Zugang zu ihren Gefühlen bekommen und dadurch ihr wahres Selbst entdecken. Dies ist oft in der Tanzpädagogik ebenso, nur nicht so bewusst, denn in der Therapie wird über jedes Gefühl gesprochen und es wird nach Wegen gesucht, wie ein Patient mit einer psychischen Auffälligkeit einen relativ angenehmen Alltag verbringen kann.“ Die Tanztherapie richte sich an jede Zielgruppe – ob Kinder oder Erwachsene, mit psychischen oder physischen Erkrankungen. Durch den therapeutischen Ansatz entstünde ein angenehmerer Umgang mit Konflikten – „weil das Selbstwertgefühl gestärkt wird, können diese einfacher geklärt werden“.

Dabei könne zum Beispiel ein Kind, das unter Einschlafproblemen leidet, sich zur Musik vollkommen frei und individuell bewegen, sich von negativen Gedanken lösen, zu sich selbst finden und ein besseres und bewussteres Körpergefühl entwickeln. Der Patient könne sich leichter öffnen und so einen Zugang zu seinen Zweifeln, Ängsten und Sorgen bekommen. Die Ursache könne erkannt und eine Lösung gefunden werden.



„Die Art der Bewegung sagt viel über Gefühle aus“, erklärt Uhl. Dennoch – um langfristige Erfolge zu erzielen, müsse man auch wollen. Der einzelne Patient trage eine große Portion Eigenverantwortung. „Man muss zuerst seine eigene Erkrankung verstehen lernen und sich eingestehen, bevor man etwas ändern kann“, so Uhl.

Sie spricht aus eigener Erfahrung. Ursprünglich kommt Uhl aus Baden-Württemberg. Der Liebe wegen ist sie vor kurzem nach St. Ingbert gezogen. Sie habe schon immer gerne getanzt, aber ihre persönliche Geschichte habe sie darin bestärkt mit Menschen zu arbeiten. Denn Uhl litt selbst seit ihrem elften Lebensjahr unter Anorexie, also Magersucht. Es sei ein langer Weg gewesen, bis sie sich die Erkrankung eingestanden habe, ein Bewusstsein und den Willen entwickelte, etwas an ihrem Zustand zu ändern. Das geschah erst rund zehn Jahre später. Mit 21 unterzog sie sich für ein halbes Jahr einer stationären Behandlung. Eine „klassische Therapie“, die aber nicht der richtige Weg für sie gewesen sei. Zu sehr zielte diese darauf ab, aus ihr eine „Egoistin“ zu machen, nur an sich selbst zu denken. „Ich wurde richtig kalt. Aber eigentlich wollte ich nie jemanden vor den Kopf stoßen.“

Sehr mühselig sei es daher gewesen, anschließend eine geeignetere Therapieform für sich entdeckten. Die fand sie schließlich im Tanzen. Das Wichtigste sei, dass man „immer ein Ziel vor Augen hat, sich nicht verunsichern lässt und an sich selbst glaubt, dass man es schafft“. Das möchte sie ihren Patienten vermitteln und mit auf den Weg geben. Zwar gelte sie selbst als geheilt, Uhl erklärt aber, dass man auch als Therapeut eine gewisse Grundhaltung zur Achtsamkeit entwickeln müsse. So beschäftige man sich als Therapeut auch mit sich selbst und arbeite mit sich. Zwar sei die Tanztherapie bisher noch nicht stark etabliert, aber dennoch immer mehr im Kommen. „Viele Menschen wollen nicht oder es fällt ihnen schwer zu reden. Mit Bewegung erreicht man Menschen oft besser“, sagt sie abschließend. Uhl plant zur Zeit, eine Selbsthilfegruppe für Menschen, die unter einer Essstörung leiden, und auch für deren Angehörige zu gründen.

Weitere Infos erteilt Stephanie Uhl freitags von 18 bis 20 Uhr, Tel. (0176) 30 10 34 41.

Stephanie Uhl macht zur Zeit eine Ausbildung zur Tanztherapeutin.
Stephanie Uhl macht zur Zeit eine Ausbildung zur Tanztherapeutin. FOTO: Stephanie Uhl