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Kunstwerk umgestoßen
Nun wurde Gret selbst zum Opfer

In einem Gewaltakt haben Unbekannte die Gret-Skulptur aus ihrer Verankerung gelöst und umgeworfen.
In einem Gewaltakt haben Unbekannte die Gret-Skulptur aus ihrer Verankerung gelöst und umgeworfen. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Die Gehnbachfreunde hatten im Wald zwei Kunstwerke eines Kettensägenkünstlers aufgestellt. Integrierte Bänke laden Wanderer zum Verweilen ein. Eine der Holzskulpturen wurde vergangene Woche mutwillig zerstört. Von Cornelia Jung

Das Bild, welches sich den Gehnbachfreunden Mitte der vergangenen Woche in „ihrem“ Wald bot, war ein verstörendes. Oder besser gesagt, ein zerstörtes. Denn die von Kettensägenkünstler Andreas Müller gefertigte Holzskulptur der Matz-Mörderin Gret mit integrierter Bank, die erst im Sommer in der Gehnbach aufgestellt worden war, wurde aus ihrer Halterung gehoben und umgeworfen (wir berichteten). Dabei wurde die Bank beschädigt.


Ärgerlich, dass das von den Gehnbachfreunden finanzierte Kunstwerk, das die Spaziergänger erfreut, an eine geschichtliche Begebenheit erinnern und zum Ausruhen einladen soll, unbekannten Rowdys zum Opfer fiel. Als die Vereinsmitglieder den ersten Schrecken verdaut hatten, erstatteten sie Anzeige bei der Polizei. „Der kopflose Matz ging nachts um und hat sich an der Gret gerächt“, nahm Konrad Weisgerber Bezug auf die Moritat vom Mord an Matz, der eine wahre Begebenheit zugrunde liegt. Mit diesem trockenen Humor überspielt er die als „gezielte, bösartige Aktion“ und „Gewaltakt“ bezeichnete Tat.

Das sei kein Dumme-Jungen-Streich gewesen, zu dem sich Jugendliche mal eben so hätten hinreißen lassen, ist man sich beim Verein sicher. Denn die hölzerne Gret wiegt rund 350 Kilogramm. Die Figur wurde in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag der vergangenen Woche nicht einfach „umgeschubst“, sondern von den Dübeln befreit und aus der Verankerung gehievt. „Das war geplant. Ohne Gerät geht das nicht. Das schafft man nur mit dem Autokran oder indem man immer wieder Klötzchen unterlegt und die Skulptur zentimeterweise hochhebelt“, sagt Weisgerber.



Und weil man dazu schon einiges an Werkzeug oder Ausrüstung brauche, hoffen die Vereinsmitglieder, dass Spaziergänger, Wanderer, Gassigänger oder Fahrradfahrer jemanden bemerkt haben. „Für Hinweise sind wir dankbar. Wir lassen uns davon aber nicht unterkriegen“, lautet der Tenor bei den Gehnbachfreunden. Gret werde wieder aufgestellt, schließlich habe man für das kommende Jahr Pläne mit ihr und um sie herum. Denn am 13. April 2019 gibt es eine Führung über den „Moritatenweg“, mit Live-Sägevorführungen. Anwesend sein werden sowohl Andreas Müller, der den Matz und die Gret schuf, als auch die Fränkin Res Hofmann, ihres Zeichens Speedcarverin und eine der besten Kettensägenkünstlerinnen Deutschlands.

Die Werke, die dann entstehen, sollen im Wald verbleiben und den in Holz dargestellten „Krimi“ bereichern. Außerdem wird an diesem Tag, der unter der (Feder-)Führung der Gehnbachfreunde, des Heimat- und Verkehrsvereins und der Biosphärenvolkshochschule steht, noch einmal die wahre Geschichte über das Drama von „Matz und Gret“ erzählt.