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St. Ingbert
Flüchtlinge und Stabsstelle sagen „Danke“

Bei den syrischen Spezialitäten, die viele der geflüchteten Familien als Dankeschön an ihre Helfer gespendet hatten, griffen alle Gäste gern zu.
Bei den syrischen Spezialitäten, die viele der geflüchteten Familien als Dankeschön an ihre Helfer gespendet hatten, griffen alle Gäste gern zu. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Die Stabsstelle Integration lud zum Ehrenamts-Dankeschön in ihre Räumlichkeiten ein. Dabei gab es ein syrisches Fingerfood-Buffet. Von Cornelia Jung

Viele Haupt- und Ehrenamtliche in Sachen Flüchtlingshilfe tätige St. Ingberter engagieren sich seit 2013 für die Neubürger. Nur so konnte es gelingen, vielen hier „Gestrandeten“ eine neue Heimat zu geben. „Das Ehrenamt ist einer der wichtigsten Punkte. Aus einer Betreuung von Geflüchteten im Ehrenamt entstehen Freundschaften, die elementar sind, um die Integration zu stemmen“, sagt Mike White von der Stabsstelle Integration. Diese persönlichen Beziehungen seien das „Kernding“, durch die viele Prozesse in Gang kämen. Durch solche privaten Kontakte mit Einheimischen sei es überhaupt erst möglich, die Kultur des anderen und die hiesigen Regeln des Zusammenlebens zu verstehen.


Für White und sein Team war es nun an der Zeit, die von allen ehrenamtlichen Helfern, verschiedenen Institutionen, Hilfsorganisationen, der Verwaltung, den Netzwerkern, eigentlich von der gesamten Stadtgemeinschaft, bisher geleistete Arbeit mit einem „Ehrenamts-Dankeschön“ zu honorieren. Denn ohne all die Genannten würde die Stadt bei der Integration nicht so gut dastehen. Wie gut diese gelinge, zeige die Tatsache, dass viele der Flüchtlinge mittlerweile außerhalb der Erstunterkünfte Wohnraum fanden, Mitglied in Vereinen seien und sich einige von ihnen bereits selbst wieder ehrenamtlich einbringen.

Das „Ehrenamts-Dankeschön“ mit vielen Möglichkeiten des Austauschs fand am vergangenen Donnerstag in der Dr. Wolfgang-Krämer-Straße statt. Bewusst war das ehemalige Katasteramt als Veranstaltungsort gewählt worden, weil dort laut White „alles zusammenläuft“. Im unteren Teil sind die Büros der Stabsstelle, oben wohnen mehrere Familien. Einige dieser syrischen Familien und das Team der Stabsstelle sorgten für das Fingerfood-Buffet und die Getränke. Im Hof hatten die Kinder Spaß bei Spielen, die ein Sport-Mobil anbot.



Rund 150 Besucher folgten der Einladung, darunter Oberbürgermeister Hans Wagner, der das vielfältige Engagement der St. Ingberter ebenfalls lobend hervorhob. Was die Integration anbelange, sei die Mittelstadt Spitze im Saarland, worin er auch im Gespräch mit anderen Bürgermeistern bestärkt werde. St. Ingbert sei für andere Kommunen ein Vorzeigebeispiel dafür, wie Eingliederung gelingen könne. Wagners Dank ging an alle Ehrenamtlichen, die dazu beigetragen haben, aber auch an die in der Stabsstelle Tätigen: „Die Gastfreundschaft in diesem Haus ist unerreicht.“

Ihre Dankbarkeit für all die von der Stabsstelle und zahlreichen Ehrenamtlern geleistete Arbeit zeigten die Neubürger in der Vergangenheit auch mit kleinen Geschenken. Diese Gesten rühren Birgit Schöndorf von der Abteilung für Familie und Soziales. Sie zeigte auf die vielen kleinen Aufmerksamkeiten „dankbarer Kundinnen“, für die es in der Stabsstelle einen extra Gabentisch gibt. An anderer Stelle lag während des „Tags der offenen Tür“ in der Stabsstelle ein Album aus, in dem sich mehrere Geflüchtete mit Bild und persönlichen Worten für die vielfältige Hilfe bedankten.

Zaccharias Almasri lobt vor allem die Motivation und das Engagement der Stabsstelle. Der Syrer erzählt, wie die Integration in seinem Fall ablief. Das Finden einer Wohnung sei die größte Herausforderung gewesen. Drei Monate Schillerschule und sechs Monate Unterkunft im „Gefängnis“ („Schreiben Sie lieber neue Musikschule“) hätten kaum Privatsphäre zugelassen. Mit der Wohnung und dem intensiven Sprachstudium änderte sich das. „Für mich sind die Deutschen ein Freundschaftsvolk. Ich habe eine große Chance gefunden bei Mike White und seinem Verein“, sagt der 35-Jährige, „ich habe durch Zeitung, Fernsehen, Kino, Internet und die Kurse fünf Sprachquellen gehabt. Man muss nur mutig sein und auf die Leute zugehen. Dann klappt auch die Integration.“ Das zu hören freut seine „Betreuerin“, die Mitglieder des „Bündnisses für Weltoffenheit, Vielfalt und Toleranz“ und natürlich Mike White. „Mir macht die Arbeit immer noch Spaß. Ich glaube, wir machen das richtig. Wir haben eine Vertrauensbasis geschaffen“, sagt der Stabsstellenleiter. Die Wohnraumbegehungen bei den derzeit 1042 Flüchtlingen laufe jetzt aus. Sie hätten sich nun an die Situation und Regeln gewöhnt, so dass diese Begleitung wegfallen könne.