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Feuerwehreinsatz
Fische ersticken im Hasseler Griesweiher

Rund 15 000 Liter Wasser wurden pro Minute aus dem Griesweiher abgepumpt und diesem dann wieder zugeführt.
Rund 15 000 Liter Wasser wurden pro Minute aus dem Griesweiher abgepumpt und diesem dann wieder zugeführt. FOTO: Florian Jung/Feuerwehr St. Ingbert
Hassel. Die Ursache für den Sauerstoffmangel war eine verstopfte Abwasserleitung des EVS. Feuerwehr und THW wälzten den Weiher um.

Der Griesweiher zwischen Hassel und Niederwürzbach drohte umzukippen. Bereits am Montag wurde die Freiwillige Feuerwehr Hassel von Mitgliedern des Angelsportvereins Hassel auf mehrere Fische, die aufgrund von Sauerstoffmangel im Wasser bäuchlings nach oben auf dem Weiher trieben, aufmerksam gemacht. Die Einsatzkräfte rückten am Abend zum Umwälzen der Weiheranlage aus – zu diesem Zeitpunkt sei man noch von einer natürlichen Ursache des Sauerstoffmangel ausgegangen, so die Feuerwehr. Mittels einer Pumpe wurde das Wasser über mehrere Stunden angesaugt und durch ein Strahlrohr wieder in den Weiher geleitet. Insgesamt seien so 250 000 Liter Wasser umgewälzt worden.



Bei einer Überprüfung am Dienstag stellte sich das Ausmaß größer als am Abend zuvor angenommen heraus, und erneut trieben tote Fische auf dem Weiher. Mitglieder des Angelsportvereins setzten daher umgehend Fische in ein gesondertes Becken um. Gegen 16.30 Uhr rückte der Löschbezirk Hassel erneut mit der Pumpe an. Auch das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz wurde informiert, das umgehend Proben des Gewässers entnahm und weiterhin einen extrem niedrigen Sauerstoffgehalt feststellte. Der Einsatzleiter des Löschbezirks Hassel forderte Verstärkung aus Oberwürzbach und Rohrbach an, damit weitere Pumpen vor Ort zum Einsatz gebracht werden konnten. Zusätzlich zur Feuerwehr kam die Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen des THW Ortsverbands Friedrichsthal zum Einsatz, da es abzusehen gewesen sei, dass die Maßnahme einige Stunden andauern würde. Der THW Ortsverband St. Ingbert sorgte für eine Ausleuchtung der Einsatzstelle. Währenddessen wurde die Landstraße in Richtung Hassel gesperrt.

Innerhalb einer Minute wälzten die Pumpen der Feuerwehr und des THW rund 15 000 Liter Wasser um, das an verschiedenen Stellen dem Weiher wieder zugeführt wurde. Bei erneuten Messungen konnte eine stetige Verbesserung des Sauerstoffgehaltes nachgewiesen werden. Letztlich konnte auch die Ursache für den Sauerstoffmangel festgestellt werden. „Durch das Überlaufen, infolge einer Verstopfung eines Sonderbauwerkes des Entsorgungsverbandes (EVS) kam es zum unkontrollierten Eintritt von Abwasser in den Weiher“, so die Feuerwehr. Mitarbeiter des EVS konnten die Störung daraufhin beheben.

Im Einsatz waren insgesamt 40 Feuerwehrleute mit sechs Einsatzfahrzeugen. Das THW war mit 25 Personen und acht Fahrzeugen vor Ort. Ebenso unterstützten ein Verantwortlicher für Kanal und Abwasser der Stadt St. Ingbert und der Landesbetrieb für Straßenbau die Einsatzarbeiten. Nach mehreren Stunden endete der Einsatz für die Feuerwehr gegen 0.30 Uhr am Mittwochmorgen.

Das St. Ingberter Stadtratsmitglied Adam Schmitt (Bündnis 90/Die Grünen) sagt, dass der EVS eine „erhebliche Mitschuld“ an diesem Vorfall trage. Zwar komme es sehr häufig vor, dass Abwasserleitungen oder Regenüberläufe verstopfen, das „Grundproblem“ sei aber, dass dort keine Sensoren angebracht seien. Eigentlich, so Schmitt, seien diese bundesweit vorgeschrieben, um mittels Datenfernübertragung möglichst früh auf eine Störung hinzuweisen. „Über Stunden und Tage läuft das Wasser in den Bach oder Weiher und niemand merkt es. Wir Grünen haben schon länger gefordert, dass überall Sensoren eingebaut werden. Es geht hier um Schadensminimierung.“

Der EVS erklärte auf Nachfrage, dass die von ihnen betriebene Anlage am Griesweiher „nicht hochgradig gefährdet“ sei. Seit 20 Jahren sei es dort zum ersten Mal zu einem Vorfall solchen Ausmaßes gekommen. Des Weiteren sei bisher nicht geklärt, ob die verstopfte Leitung und das überlaufende Abwasser die einzige Ursache für das drohende Umkippen des Gewässers war. Dennoch bestätigt der Verband, dass die von Schmitt geforderten Sensoren „eine sehr gute Idee“ sind. Mitarbeiter des EVS werden in Kürze eine mögliche Installation solcher Sensoren am Überlauf prüfen.

40 Feuerwehrleute und 25 Kräfte des THW Friedrichsthal waren bis 0.30Uhr am Mittwochmorgen im Einsatz.
40 Feuerwehrleute und 25 Kräfte des THW Friedrichsthal waren bis 0.30Uhr am Mittwochmorgen im Einsatz. FOTO: Florian Jung/Feuerwehr St. Ingbert