| 21:06 Uhr

Stadtrat
Filmer-Nachwuchs kommt auch 2019

Fabian Roschy und Jörn Michaely (von links) rührten im Stadtrat erfolgreich die Werbetrommel, um auch künftig das Bundesfestival junger Film nach St. Ingbert zu holen.
Fabian Roschy und Jörn Michaely (von links) rührten im Stadtrat erfolgreich die Werbetrommel, um auch künftig das Bundesfestival junger Film nach St. Ingbert zu holen. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Zwar wurde die Finanzierung des Filmfestivals für 2019 noch nicht in allen Einzelheiten geklärt, aber die Macher bekamen vom Stadtrat grünes Licht. Man will das Event möglichst dauerhaft in St. Ingbert halten.

Sie sind jung, dynamisch, flexibel und vor allem kreativ – die Jungfilmer, die vor kurzem in St. Ingbert zum Bundesfestival junger Film kamen. Und zumindest der künstlerische und der organisatorische Leiter, Jörn Michaely und Fabian Roschy, stehen bereits wieder in den Startlöchern für die Veranstaltung im nächsten Jahr, wie sie im jüngsten Stadtrat berichteten. Sie zeigten im Stadtrat einen Film zum diesjährigen Festival, das ein großer Erfolg war und sowohl von Gästen als auch Filmern hoch gelobt wurde. Warum also daraus neben Pfanne und Jazz-Festival keine dritte dauerhafte Säule im Kulturleben der Stadt installieren?


Detailliert und durchdacht schilderten die beiden, wie das Event künftig aufgebaut werden könne, damit es zwar über die Stadt hinaus Ausstrahlung hat, aber auch im Kostenrahmen bleibt. Sie sagten aber auch deutlich, dass die Akquise von Sponsoren, die Pressearbeit und die Organisation nicht mehr ehrenamtlich geleistet werden könne und man deshalb studentische Hilfskräfte auf 450 Euro-Basis brauche. Jungregisseur Michaely unterbrach dafür sogar sein Studium. Außerdem müsse eine größere Leinwand und ein Tagesprogramm her. Schulen und regionale Partner sollen gewonnen werden, um die Bühne auch tagsüber zu bespielen.

„Wir wollen mehr Filmschaffende vor Ort, um kommendes Jahr im Open-Air Kino nicht 400, sondern 800 Stühle füllen zu können. Da die jungen Filmschaffenden oft Studenten und auf Unterstützung angewiesen sind, wollen wir sie mit einer anteiligen Fahrtkostenerstattung unterstützen“, so der Wunsch des Orga-Teams an den Stadtrat. Man denke auch an „mehr roter Teppich auf dem grünen“. Heißt, man will prominente Schauspieler für die Jury gewinnen, wozu jedoch Fahrten, Unterkunft und Aufwandsentschädigungen gezahlt werden müssten. Wie immer hing die Entscheidung des Stadtrates also am Geld. Der Rat wollte vertagen, um im Herbst in Ruhe darüber beraten zu können. Doch jetzt müssten die Ausschreibungen raus und die Filmschaffenden angeschrieben werden, damit sie sich St. Ingbert vom 30. Mai bis 2. Juni blocken, so Michaely.



Die Zeit gab dem Stadtrat also den Takt vor. Die beiden Filmemacher profitierten noch von der anhaltenden Begeisterung der Besucher, unter denen auch der Oberbürgermeister war. Auch Frank Breinig (CDU) fand es sinnvoll, den „Schwung nach dem verdienten Erfolg fürs nächste Jahr mitzunehmen“. Deshalb waren sich fast alle Fraktionen einig, dass man so ein Ereignis nicht mehr aus den Händen geben wolle. „Das muss auch nächstes Jahr laufen“, sagte Hans Wagner zu Beginn der Diskussion. Der Satz „St. Ingbert könnte einmal im Jahr Zentrum für junge Filmer werden“, hörte sich aus Michaelys Mund aber dann auch verlockend für die hiesige Kulturszene der „heimlichen Kulturhauptstadt“ an. Der Wunsch, es noch einmal oder immer wieder in St. Ingbert zu machen, sei an Roschy und Michaely von allen Seiten herangetragen worden. „Deshalb stehen wir heute hier.“

Die Organisatoren warben auch mit den Gastronomiebetrieben, die in der „filmreif“-Zeit von vielen jungen Gästen profitierten. Roland Körner (Familienpartei) wies auf das Alleinstellungsmerkmal der Stadt hin, wenn das Festival hier angesiedelt werde. Doch er stellte auch die Frage, ob ein Präzedenzfall für andere Kulturveranstaltungen geschaffen werde, wenn man sich positiv entschiede. Und ob sich die Stadt das auch finanziell leisten könne. Kosten entstünden vor allem durch die Bühne und die Technik, wie der OB sagte. Über die Finanzierung müsse man sich in den Haushaltsberatungen nach den Ferien Gedanken machen, denn ohne den „Verein zur Förderung der sozialen und kulturellen Belange der Mittelstadt St. Ingbert“ hätte das Festival schon 2018 nicht stattfinden können.

16 000 Euro hatte es von dem Verein gegeben, „gut angelegtes Geld“, wie dessen Mitglieder betonten. An Bauhofleistungen, Gebäude-, Müll- und Personalkosten fielen dieses Jahr 11 000 Euro an, die im „Kulturbereich“ verrechnet wurden, wie Marika Flierl sagte. „Ich plädiere für eine saubere Vorbereitung im Ausschuss. Hier wird eine neue Veranstaltung kreiert, bei der wir schauen müssen, ob wir uns das leisten können. Denn wir müssen schon einige Veranstaltungen stemmen“, gab Andreas Gaa (FDP) zu bedenken. Mit den Worten „dann legt mal los“ signalisierte der Oberbürgermeister den filmreif-Organisatoren die Unterstützung des Stadtrates. Michalely schloss angesichts der Finanzdiskussion mit den Worten: „Wir sind das billigste Festival, das man sich vorstellen kann. Kultur ist aber mehr als Bespaßung des Volkes. Es ist gut investiertes Geld.“