| 18:10 Uhr

Unwetter-Bilanz
Wenn das System an seine Grenzen stößt

Unwetter 1-2: Regenrückhalte- oder Auffangbecken wie hier am Diedesbühl könne bei Starkregenereignissen die „Wasser-Piks“ auffangen.
Unwetter 1-2: Regenrückhalte- oder Auffangbecken wie hier am Diedesbühl könne bei Starkregenereignissen die „Wasser-Piks“ auffangen. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Feuerwehr und Abwasserbetrieb zogen nach den Unwettern in St. Ingbert Bilanz und benannten positive wie negative Aspekte.

Die Unwetter Anfang Juni haben St. Ingbert und seine Bewohner voll erwischt. Zu mehr als 300 Einsätzen wurde die Feuerwehr gerufen. Alarmiert wurde aber auch der technische Leiter Abwasserbetrieb, denn die Kanäle, für die er und sein Team verantwortlich sind, mussten die Wassermengen zu einem großen Teil aufnehmen.


Christian Fettig nannte die aktuellen Zahlen der Regenfälle. Als St. Ingbert Land unter war, ging innerhalb weniger Stunden soviel Regen nieder wie normalerweise in eineinhalb Tagen. Am nächsten Tag habe man sich die Regenrückhaltebecken angeschaut und Schadensaufnahmen gemacht. Direkt im Anschluss an die Starkregen seien viele Regeneinläufe gespült worden. „Wir waren sehr viel draußen in der Zeit. Wenn ein Problem gemeldet wurde, sind wir los“, so Fettig zum verstärkten Arbeitseinsatz in jenen Tagen. Sein Fazit: „Das Kanalnetz funktionierte in der Größenordnung wie es soll.“ Die Regenrückhaltebecken, die in den letzten 20 Jahren gebaut wurden, hätten viel Wasser abgefangen.

In der jüngsten Ortsratssitzung hatte er Bilder von Hochwasserständen der Vergangenheit dabei, aber auch ein historisches Foto, das den Großbach noch unkanalisiert zeigt. Heute sind versiegelte Flächen dort, wo sich damals bei Hochwasser der Bach zu beiden Seiten seines Laufes ausbreiten konnte. „Die Räume für Versickerungsflächen sind wichtig“, resümierte auch Ortsvorsteher Ulli Meyer. Wie Christian Fettig sagte, funktioniere auch das Kanalsystem nicht mehr, wenn die Bäche randvoll sind. „Dann muss man neue Wege für das Wasser suchen“, so der Abwasserexperte, „wir haben so viele verrohrte Gewässer, deren Profil wir nicht mehr erweitern können.“



Die Frage eines Ortsratsmitgliedes, ob in diesem Zusammenhang die Offenlegung einiger Gewässer sinnvoll sei, bejahte Fettig, sagte aber auch, dass dies kein Allheilmittel sei. „Wir müssen schauen, wie wir das Wasser bei Starkregen verteilen“, so der städtische Mitarbeiter. Abgesenkte Bordsteinkanten, die für Radfahrer und gehandicapte Menschen sinnvoll seien, seien es im Hochwasserfall nicht, denn das Wasser werde nur durch hohe Bordsteinkanten im Zaum gehalten und „kanalisiert“. Durch niedrige Randsteine könne das Wasser auch schneller in die Häuser laufen. „Wir können da aber als Stadt und Bürger was machen“, ist Fettig überzeugt und sagte, dass ein entsprechendes Konzept erarbeitet werden müsse, da alles miteinander zusammenhänge.

Gerade werde eine Broschüre „Versicherung von Eigentum“ erarbeitet. Aus seiner Sicht bräuchte aufgrund der Häufung von Schadensfällen jedes Haus eine individuelle Beratung und einen Planer, der Tipps gebe. Das koste aber Geld. Der Ortsvorsteher bedankte sich noch einmal bei allen Einsatzkräften, auch bei der Feuerwehr. Feuerwehrmann Wolfram Zintel berichtete in der Sitzung ebenfalls über den Einsatzmarathon Anfang des Monats. Er informierte über die Einsatzschwerpunkte im Stadtzentrum. Umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer, vollgelaufene Keller, zwei aufgeschwemmte Öltanks – das war das Szenario, das die Feuerwehr vorfand. „Nebenbei“ sei man noch zu Verkehrsunfällen auf der Autobahn und wegen der Alarmierung durch Brandmeldeanlagen ausgerückt.

Mit Rückblick auf die Wetterereignisse zog St. Ingberts Löschbezirksführer Bilanz und zählte auf, woran es mangelte. Dazu gehörte das Vorhalten zahlreicher gefüllter Sandsäcke, der Wunsch nach einem zusätzlichen Hochleistungs-Wassersauger und auch die Neuanschaffung eines Notstromaggregats, denn das jetzige sei von 1974 und entspreche nicht mehr dem Stand der Technik. Außerdem sei bei hoher Feuchtigkeit, wie sie zu diesem Zeitpunkt herrschte, eine Lüftung oder Klimatisierung im Gerätehaus besonders wichtig. Auch das Vorhalten von Verpflegung sei ein wesentlicher Punkt. „Die Einsätze liefen gut. Wir haben alles nacheinander abgearbeitet“, so Zintel. Die Koordinierung mit dem Technischen Hilfswerk habe wie immer gut geklappt und man könne nicht auf dessen Hilfe verzichten.