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50 Jahre Festo
Festo stärkt Industriestandort Saarpfalz

Dieses Archivfoto entstand im Mai 1998: Festo erweitert seine Logistik- und Produktionsfläche durch einen Neubau mit einer Betriebsfläche von mehr als 13 000 Quadratmetern .
Dieses Archivfoto entstand im Mai 1998: Festo erweitert seine Logistik- und Produktionsfläche durch einen Neubau mit einer Betriebsfläche von mehr als 13 000 Quadratmetern . FOTO: senzig
St. Ingbert/Homburg. Vor 50 Jahren hat Festo in Rohrbach die Produktion aufgenommen. Seitdem hat sich das Werk rasant weiterentwickelt. Von Michael Aubert

Vor fast genau einem halben Jahrhundert hat in Rohrbach eine Erfolgsgeschichte begonnen. Als Festo im Jahr 1968 in Rohrbach eine Produktionshalle auf einem 43 000 Quadratmeter großen Gelände für die Herstellung von Zylindern gekauft hat, konnte noch keiner ahnen, wie sich das Werk in den darauffolgenden 50 Jahren entwickeln würde. Der einst kleine Standort hat sich schnell zu einem großen Betrieb gewandelt und sich stetig neu erfunden. Von anfänglich 50 Mitarbeitern hat sich das Unternehmen in Rohrbach zu Festos weltweit größtem Produktions- und Logistikzentrum mit rund 2800 Mitarbeitern gemausert. Auch viele Mitarbeiter kommen täglich aus Kirkel, Limbach und Homburg zu Festo nach Rohrbach, einige schon seit zwei Generationen.


Kaum hatte Festo am 28. September 1968 die Fertigung in Rohrbach mit etwa 50 Mitarbeitern aufgenommen, wurde in den ersten Monaten das Gebäude baulich optimiert und weitere Mitarbeiter eingearbeitet, welche zuvor hauptsächlich – wie sollte es zu dieser Zeit im Saarland auch anders sein – in den saarländischen Gruben und in der Stahlindustrie gearbeitet hatten. Weil das Unternehmen schon damals der Ausbildung eigener qualifizierter Fachkräfte eine wichtige Rolle einräumte und die Pneumatik nach Aussagen von Alfred Ermers, dem jetzigen Leiter des Lernzentrums in Rohrbach, ein komplett neues Feld war, wird eine Lehrwerkstatt errichtet.

Beim zweiten Azubi-Jahrgang ist das Gebäude, in dem die Lehrlinge ausgebildet werden, fertiggestellt. Im Januar 1969, vier Monate nach Aufnahme der Fertigung, ist nach Angaben des Unternehmens bereits die erste Ausbaustufe beendet. Mittlerweile arbeiten 135 Personen in Rohrbach. Im Oktober 1969, sind es schon 230 Kollegen.



Die Gemeinde Rohrbach wird 1974 im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform in die Stadt St. Ingbert eingegliedert. Im Jahr darauf wird bei Festo in Rohrbach eine EDV-Anlage als Leitstand eingerichtet, eine zentrale Arbeitssteuerung der gesamten Fertigung. Im Vordergrund stehen dabei die Maschinenbelegung, die Terminsicherheit und die Rückmeldung der Fertigungsdaten. So entsteht eine direkte Verbindung zum Stammhaus im baden-württembergischen Esslingen.

In den 1980er Jahren wird das Werk Rohrbach erneut erweitert. Der Ausbau beginnt zwischen 1981 und 1982 mit einer neuen Fertigungshalle für die Produktion von den Zylinderbaureihen. Die Produktion läuft auf CNC gesteuerten Werkzeugmaschinen. In den Jahren 1985 bis 1986 entsteht eine Montagehalle mit Kantine und zusätzlichen Sozialräumen sowie ein EDV gesteuertes Hochregal-Lager. Zwischen 1989 und 1990 wird die dritte Halle gebaut, für die wachsende Kunststoffproduktion. Das Werksgelände ist mittlerweile so groß, dass viele Mitarbeiter Fahrräder benutzen, um schnell von A nach B zu kommen. Den Transport von Komponenten übernahm damals ein führerloses Transportsystem.

Mit dem Kauf eines 26 Hektar großen Geländes, vergrößert Festo das Werk 1993 erneut. Nur: Das Areal befindet sich auf der anderen Seite der A 6. Um die beiden Gebiete zu verbinden, wird „einfach“ ein Tunnel gebaut. Quasi zeitgleich strukturiert Festo seine logistischen Abläufe Anfang der 1990er Jahre neu: Um europaweit eine direkte Belieferung der Kunden zu ermöglichen, werden in Rohrbach das Customer Service Center (CSC) und zwei Montagehallen gebaut. Am 12. April 1994 erfolgte der Spatenstich für die erste Ausbaustufe des CSC, das in den Jahren 1999, 2002, 2004 und 2009 jeweils erweitert wurde.

Mit dem Spatenstich für das CSC wird nach eineinhalbjähriger Bauzeit am 12. April 1994 das Festo Lernzentrum in Rohrbach eröffnet. Anfangs als reiner Anbieter von Seminaren, entwickelt es sich bald zu einer wichtigen Institution für die Aus- und Weiterbildung, nicht nur im Saarland. In den ersten zehn Jahren nehmen rund 20 000 Personen an Seminaren teil und es werden 330 Azubis ausgebildet. Heute ist es ein anerkannter Weiterbildungsträger im südwestdeutschen Raum, zu dessen Kunden internationale Unternehmen aller Branchen, Institutionen, Festo-Mitarbeiter und Privatpersonen zählen. Es ist das einzige Lernzentrum der Festo AG, weshalb immer wieder führende Vertreter der Politik bei Festo in Rohrbach zu Gast sind. 2002 wird ein zweiter Bauabschnitt fertiggestellt.

2005 wird das Production Service Center (PSC) in Rohrbach eröffnet, um die Produktionslogistik und somit den Materialfluss – vom Wareneingang über den Produktionsprozess bis zum Warenausgang – zu optimieren. 2013 wird auch dieses Gebäude erweitert. Es entstehen neue Flächen für die Produktion und Produktionslogistik, Büros und Funktionsräume sowie ein Verbindungstunnel für den Werksverkehr zu den bestehenden Gebäuden.

Die jüngste große Entwicklung im Jahr 2015 ist die Inbetriebnahme der Festo Polymer GmbH in Hassel. Das frühere Leistungszentrum für die Fertigung von Gummi-Kunststoff-Teilen in Rohrbach zieht nach Hassel um, wo die Produktion der Kunststoffteile im Spritzgussverfahren im Sekundentakt erfolgt.

Spielerei im Festo-Lernzentrum: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (2. v. l.) spielt mit einer von Mario Kasakow (r.) entwickelten pneumatischen Hand Schnick-Schnack-Schnuck. Links Alfred Ermers, Leiter des Lernzentrums. Rechts neben Heil die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger.
Spielerei im Festo-Lernzentrum: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (2. v. l.) spielt mit einer von Mario Kasakow (r.) entwickelten pneumatischen Hand Schnick-Schnack-Schnuck. Links Alfred Ermers, Leiter des Lernzentrums. Rechts neben Heil die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger. FOTO: Cornelia Jung