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Farben, die schön verschwimmen

In der Stadtbücherei St. Ingbert gab es Urkunden für die Künstlerinnen von Kursleiterin Gülhan Efkar (rechts). Foto: Cornelia Jung
In der Stadtbücherei St. Ingbert gab es Urkunden für die Künstlerinnen von Kursleiterin Gülhan Efkar (rechts). Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
St Ingbert. Ebru ist für die Teilnehmerinnen der Kurse von Gülhan Efkar zum einen der Ausdruck ihrer Kreativität im Umgang mit mit Wasser und Farbe. Zum anderen sehen sie darin eine Chance des Zusammentreffens. Ihre Arbeiten hängen in der Stadtbibliothek. Cornelia Jung

. Derzeit lädt die Stadtbibliothek St. Ingbert nicht nur zum Lesen, sondern auch zum Schauen ein. Denn erstmals stellen hier elf Künstlerinnen ihre Werke aus, die man in noch keiner Ausstellung der Region gesehen hat.

Die Rede ist von Ebru, einer Kunstform, die der traditionellen osmanischen Malkunst entlehnt ist. Was man den farbenfrohen 47 Bildern in Marmoriertechnik nicht ansieht, ist ihre faszinierende Form der Entstehung. Die Farben werden auf dem Wasser aufgebracht und schwimmen wie ein Film auf ihm. Mit Kämmen und anderen Hilfsmitteln werden Muster und Farbverläufe komponiert, die durch das Auflegen von Papier aufs Farb-Wasser und der Art und Weise, wie das Papier durch das Wasser gezogen und ihm entnommen wird, noch einen letzten Feinschliff bekommen. Jedes Bild ist ein Unikat.

Oberbürgermeister Hans Wagner eröffnete am Freitag die Schau mit Kunstwerken, deren Herstellung ihm nicht geläufig war. Kundiger war da schon Uschi Macher vom Kultusministerium, die sich in Vorbereitung dieses Termins, wie viele andere der mehr als 100 Vernissage-Besucher übrigens auch, im Internet informiert hatte. "Die Bilder sind von atemberaubender Schönheit und meditativer Kraft", so Macher, "durch die Künstler beginnen die Farben zu leben." Sie ist im Ministerium für internationale Kulturarbeit zuständig und war, obwohl sie "nur" in Vertretung des Schirmherrn Kultusminister Ulrich Commerçon kam, für die Ausstellungseröffnung sicher die erste Wahl. Geht es doch nicht nur um die Kunst, sondern vor allem darum, dass in den Kursen, die Gülhan Efkar leitet, Brücken zwischen den Kulturen geschlagen werden. Frauen unterschiedlicher Herkunft finden hier zusammen, lernen sich kennen und schätzen. "Diese Kunst könnte ein Sinnbild für das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen sein. Nichts wird verdrängt, alles verschwimmt miteinander und ergibt am Ende ein wunderbares Zusammenspiel", so Uschi Macher zu den Assoziationen, die das "Malen auf dem Wasser" bei ihr hervorrief.

Kurs auch im Seniorenheim



Heidrun Möller, Kreisvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt , ist stolz darauf, "dass es uns gelungen ist, so etwas auf die Beine zu stellen". Mit der Unterstützung des Ortsvereins St. Ingbert , der Awo und der Stadt habe man günstige Rahmenbedingungen für die Ebru-Kurse gehabt. Auch für die Bewohner des Seniorenzentrums Fidelishaus sei der dort stattfindende Kurs eine tolle Sache gewesen. "Die Bewohner fühlten sich davon so angesprochen, dass sie immer zum Anschauen vorbei kamen", so Möller. Dieser exotisch anmutende Kurs, der für manche türkische Teilnehmerin vielleicht auch ein Kurs gegen Heimweh sei, wie Heidrun Möller sagte, ist keine Eintagsfliege, sondern geht in den nächsten Tagen in die vierte Runde.

Den Frauen , die nun ausstellen, verlieh Gülhan Efkar im Rahmen der Vernissage eine Teilnahme-Urkunde. Und damit sind sie nicht nur Botschafterinnen einer Kultur, wie Laudatorin Marika Flierl sagte, sondern sie bekamen auch ihren "Gesellenbrief" für eine Kunst, die zum besseren Verstehen beitragen kann.

Die Ebru-Ausstellung in der Stadtbücherei St. Ingbert in der Kaiserstraße 71 hat bis zum 31. Oktober geöffnet. Sie kann montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und freitags von 10 bis 13 Uhr besucht werden.