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Fahrräder für Flüchtlinge gesucht

St Ingbert. Jeden Monat kommen zwischen acht und zehn Flüchtlinge nach St. Ingbert. Zunächst werden sie am Ortsrand untergebracht, wo ihr Aufenthaltsstatus geklärt wird. Damit sie mobil werden und die Innenstadt problemlos erreichen können, werden jetzt Fahrräder gesucht und anschließend kostenlos verteilt. bea

Wer als erster die Idee hatte, ist kaum mehr zu sagen. Es geht um rasche Hilfe. Das ist am Tisch im "Treff em Gässje" der Caritas ausgemachte Sache. Da sitzen rundherum engagierte St. Ingberter, die wollen, dass Bürgerkriegsflüchtlinge bald mobile St. Ingberter werden. Harald Heinrich und Ursula Hubertus von der Ortsgruppe des Allgemeinen Fahrradclub (ADFC) erklären, dass es bereits in Saarbrücken ein ähnliches Projekt gibt. Seit vergangenem Oktober wurden dort zusammen mit mehreren Partnern rund 600 Fahrräder gesammelt und bereits 300 an Flüchtlinge verteilt. Jetzt sollen auch in St. Ingbert die neuen Mitbürger in der neuen Heimat mobil werden. "Es gibt einen Riesen-Bedarf", sagt Ursula Hubertus. "Die Menschen haben kein Geld für eine Busfahrkarte. Mit gebrauchten Fahrrädern können sie leichter am gesellschaftlichen Leben teilhaben." Wie wichtig Mobilität für eine rasche Integration ist, stellt auch Jürgen Berthold vom Bündnis für Weltoffenheit, Vielfalt und Toleranz heraus. "Wir sind für praktische Hilfe und wollen, dass schnell Kontakte entstehen." Der Verein für Handel und Gewerbe engagiert sich ebenfalls. Der Vorsitzende Nico Ganster: "Auch wir wollen dazu beitragen, dass sich Menschen nicht ausgegrenzt fühlen, sondern mit Fahrrädern in die Stadt kommen." Dafür stellt der Verein 1 500 Euro zur Verfügung. Mit dem Geld sollen vor allem Ersatzteile gekauft werden.

Die Fahrräder können mittwochs im "Treff em Gässje" in der Zeit von 14 bis 18 Uhr abgegeben werden. Wer das nicht kann, sollte im Caritas-Zentrum anrufen. Dort werden die Anrufe notiert, der ADFC übernimmt alles Weitere. Ursula Hubertus, die auch ehrenamtliches Mitglied bei der Caritas ist, ruft zurück, und vereinbart einen Abholtermin. Dafür stellt wiederum die Caritas einen Bus zur Verfügung. "Für uns besteht die Herausforderung darin, die Aktion zu koordinieren", sagt Leiter Andreas Heinz. "Wir haben zusammen ein System erarbeitet, das getreu unserem Caritas-Auftrag Menschen in Not hilft, das allerdings auch Missbrauch ausschließt." Damit meint er den möglichen Handel mit den geschenkten Fahrrädern. Deshalb werden die Räder registriert. Alle Flüchtlinge und Asylbewerber erhalten einen entsprechenden Nachweis. Voraussetzung dafür sind einige Behördengänge, die von Integrationslotsen der Caritas unterstützt werden. Annemarie Neisius vom Fachdienst für Migration und Integration arbeitet hier eng mit dem Sozialamt der Stadt St. Ingbert zusammen. Die Verwaltung stellt zudem im Rathaus einen Raum zur Verfügung, wo die Fahrräder zwischengelagert werden können.

Was wäre das alles ohne die Fahrrad-Werkstatt im "Treff em Gässje"? Mechaniker Daniel Weiss wird an den Rädern "Achter" herausschlagen, Birnchen wechseln, Ketten ölen und vieles mehr.