| 20:16 Uhr

Buchvorstellung
Neues Buch vertieft Wissen über Ingobertus

 Die Herausgeberin des Ingobertus-Buchs, Elke Sonn (Zweite von rechts), am vergangenen Samstag beim Signieren eines Buches nach dessen Vorstellung in der Martin-Luther-Kirche. Mit dabei (von links): Verleger Stefan Wirtz, Ortsvorsteher Ulli Meyer und Werner Sonn.
Die Herausgeberin des Ingobertus-Buchs, Elke Sonn (Zweite von rechts), am vergangenen Samstag beim Signieren eines Buches nach dessen Vorstellung in der Martin-Luther-Kirche. Mit dabei (von links): Verleger Stefan Wirtz, Ortsvorsteher Ulli Meyer und Werner Sonn. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Sammelband von Elke Sonn über den Namensgeber St. Ingberts belegt trotz weniger historische Quellen die „Präsenz“ des Heiligen. Von Cornelia Jung

Viele St. Ingberter waren am vergangenen Samstag in die Martin-Luther-Kirche gekommen, um der Vorstellung eines ganz besonderen Buches beizuwohnen. Über 30 Jahre lang hatte sich Elke Sonn mit Fakten und „Legenden“ zur Figur des Ingobertus befasst, die nun in einem kleinen Büchlein, das im St. Ingberter Conte-Verlag erschienen ist, nachzulesen sind. Ingobertus als „Gründervater“ der Mittelstadt sorgte vor einiger Zeit für Schlagzeilen, als eine Skulptur, ihm zu Ehren, wegen ihres Standortes und Aussehens zum Streitobjekt einiger wurde. An ihr schieden sich die Geister. Jenen, aber nicht nur ihnen, kann man die Lektüre des Buches, das den Untertitel „Vom Pilger zum Patron“ trägt, wärmstens empfehlen.


Denn in ihm kommt nicht nur der promovierte Historiker Markus Gestier zu Wort, indem er die historische Figur des heiligen Ingobert oder Angilbert in den jeweiligen geschichtlichen Kontext stellt, sondern auch Franz Vogelgesang und Werner Sonn. Der eine, Domkapitular in Speyer und Freund des Steinbildhauers und Skulpturenschöpfer Rupert Fieger, der andere ehemaliger Pfarrer der Martin-Luther-Kirche in St. Ingbert. Beiden wird die Diskussion um das steinerne Kunstwerk, die sich verselbstständigte und zum Politikum wurde, nicht geheuer gewesen sein.

Liest man im Buch über den Künstler und sein St. Ingberter Werk, werden die Querelen um den vom Kreisel verbannten, auf dem Bauhof zwischengelagerten und nun auf einer Wiese vor Sengscheid stehenden Sandstein-Ingobertus noch unverständlicher. Familie Sonn mochte die unwürdigen Worte und Zeilen über die Ingobertus-Statue, die es 2013 zuhauf gab, nicht ertragen und kaufte sie anonym „frei“.



Verschwörungstheorien im „Ingobertuskrieg“, wie Elke Sonn im Vorwort schreibt, sorgten dafür, dass diese Anonymisierung aufgehoben werden musste, um weitere Verbalausbrüche zu unterbinden. Ihrer Loyalität der Figur und des Menschen Ingobertus, der Statue, dessen Künstler und ihrem ökumenischen Glauben gegenüber, ist es wohl zu verdanken, dass der „Schöpfer“ der roten Sandsteinskulptur auch der Illustrator des 143 Seiten schmalen Buches wurde.

Elke Sonn las bei der Buchvorstellung aus ihrem „Traum des Ingobertus“, einem von sieben Kapiteln. Die Quellen über den Heiligen sind dürftig und auch Jahreszahlen seines Lebens gibt es keine, wie Gestier in seiner Einführung sagte, und doch müsse es ihn gegeben haben. Elke Sonn lässt den Protagonisten ihrer Erzählung verschiedene Zeitebenen beschreiten, von seinem Auftauchen im sechsten Jahrhundert, über die Zeit des Schwarzen Todes im 14. Jahrhundert, der Französischen Revolution bis hin in unser heutiges Computerzeitalter. Wie Ortsvorsteher Ulli Meyer in einem Grußwort sagte, stehe die Person des heiligen Ingobertus, der den Grundstein für unsere Stadt gelegt habe, vor allem für Gemeinsamkeit: „Die Figur der Ingobertus mag uns Gottvertrauen und Energie vermitteln, denn wer in eine solch wüste Gegend kam, musste beides haben.“

Gestier, durch dessen Engagement das Buch erscheinen konnte, wie Elke Sonn sagte, sprach der Herausgeberin seinen Glückwunsch aus, „dass Sie die Idee hatten, den heiligen Ingobertus wieder aufleben zu lassen“. Auch wenn dessen Figur nicht ganz unumstritten ist, wie Gestier sagte, kann er doch als Vorbild dienen. Wie Werner Sonn betonte, werde er immer wieder gefragt, warum er sich als Protestant für den „katholischen Ingobertus“ einsetze. Dahinter stecke die Überzeugung der meisten, Luther habe die Heiligen abgeschafft und aus seiner Kirche verbannt.

Auch dazu findet sich ein Beitrag des Theologen im Buch, in dem er mit diesem Mythos aufräumt. Außerdem richtet sich „unsere Verehrung nicht auf die historische Person des Ingobertus, sondern auf die missionarische Hingabe, mit der er den Glauben in unsere Heimat gepflanzt hat“. Mundartdichter Manfred Kelleter war nach der Einladung zur Buchvorstellung inspiriert und reimte über die Bedeutung des Eremiten Ingobertus Folgendes: „(…) baut er am Bach in Tales Mitte dann zum Verbleib sich eine Hütte und blieb an diesem Ort, um zu verkünden Gottes Wort. Heut strahlt in diesem Tal die Stadt, die nun von ihm den Namen hat: St. Ingbert!“