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Kolumne Unsere Woche
Eine Wanderung auf die Osterinsel

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Eine Waldwanderung, die aktuelle Forstarbeiten rund um St. Ingbert erläutern sollte, warf so nebenbei eine fast schon historische Frage auf. Wie steht es um die Nachhaltigkeit der Waldwirtschaft?

Metallsplitter in den Bäumen? Am Tag der Nachhaltigkeit? So kann man es natürlich auch sehen. Die Folgen des Krieges halten länger nach, als es manchem Sägewerk lieb ist. Für Förster Michael Weber, der die Waldwanderung in seinem Revier St. Ingbert Süd leitete, war es nur eine kleine Randbemerkung. Denn eigentlich ging es bei der Waldwanderung darum, die Arbeit der Förster zu erläutern: die naturnahe und somit nachhaltige Forstwirtschaft.


Dass die gefällten Bäume auf Bomben- und Granatsplitter untersucht werden müssen, bevor sie im Sägewerk verarbeitet werden können, hallt noch nach. Spielt aber bezüglich der Arbeit von Michael Weber eine eher untergeordnete Rolle. In erster Linie geht es um die Pflanze der nachhaltigen Forstwirtschaft, deren Knospen bereits seit Anfang des 18. Jahrhundert treiben. In diesem Zusammenhang wird immer wieder Oberberghauptmann Johann Carl von Carlowitz (1645–1714) genannt, der mit seinem Werk „Anweisung zur wilden Baum-Zucht“ (1713) als Schöpfer des (forstlichen) Nachhaltigkeitsbegriffs gilt. Der Freiberger vertrat, da der Rohstoff Holz in ganz Europa begrenzt war, die These, dass in einem Wald nur so viel abgeholzt werden sollte, wie in diesem zeitnah und auf natürliche Weise nachwachsen kann. Das Prinzip der Nachhaltigkeit sollte sicherstellen, dass ein natürliches System in seinen wesentlichen Eigenschaften langfristig erhalten bleibt. Die Wurzel des nachhaltigen Denkens und Handelns. Die sich heute auch in der vergleichsweise jungen Verordnung des Saarforsts wiederfindet.

Hätten die ersten Bewohner der chilenischen Osterinsel auf ein solches Wissen zurückgreifen können, vielleicht wären sie behutsamer mit ihren Bäumen umgegangen. Ihre Bewohner haben die einst komplett bewaldete Insel in eine baumlose karge Ödnis verwandelt. Sie fällten Bäume für Boote, Häuser und um ihre Toten zu verbrennen – nicht zuletzt, um ihre riesigen, aufs Meer blickenden Steinstatuen zu transportieren. Die Versuche, die Insel heute wieder zu bewalden und so vor Erosion zu schützen, wären vielleicht nicht ganz so aussichtslos, hätten sie weitsichtiger gehandelt.



Es erinnert an eine Weisheit nordamerikanischer Ureinwohner, mit der Greenpeace in den 1980er Jahren gegen den Raubbau an der Natur warb: Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet und der letzte Fisch gefangen, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.