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Bahnhof in Rohrbach
Eine Unterschriftenaktion zeigt Wirkung

Den Situation am Bahnhof in Rohrbach halten Bürger wie auch ansässige Unternehmen für unhaltbar.
Den Situation am Bahnhof in Rohrbach halten Bürger wie auch ansässige Unternehmen für unhaltbar. FOTO: Jörg Schuh
Rohrbach. 1000 Unterschriften von Bürgern und Unternehmen sind erfolgreich. Die Bahn plant den Abriss des maroden Bahnhofs in Rohrbach. red

(aub/red) Vandalismus, nächtliche Orgien und Vermüllung. Seitdem das Rohrbacher Bahnhofsgebäude nicht mehr mit einem Bahnmitarbeiter besetzt wurde, ging es steil bergab. Der Zustand des Bahnhofsgebäudes hat zwischenzeitlich so sehr gelitten, dass dieses eher einer Ruine gleicht. Bis heute. Doch jetzt scheint die Bahn den „Problembahnhof“ Rohrbach anzugehen.



Dies liegt auch an einer Unterschriftenaktion, die vom stellvertretenden Ortsvorsteher in Rohrbach, Jörg Schuh (CDU), initiiert wurde. „Es gab eben viele Beschwerden von Bürgern und Bahnreisenden“, sagt Schuh. Viele fühlten sich unsicher in dem schwer einsehbaren Bahngelände und hätten Angst, das Bahngebäude mit dem verwinkelten unterirdischen Zugang zum Mittelgleis zu betreten. Außerdem sei in dem maroden Bahnhofsgebäude auch die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet. Spätestens seitdem eine Passagierin in einen morschen Lieferantenschacht eingebrochen ist, erhielten die Beschwerden ihre Rechtfertigung.

Auch die ansässigen Unternehmen beklagten, dass ihren Kunden der Bahnhof Rohrbach nicht mehr zuzumuten sei. Dies führe so weit, erzählt Schuh, dass die Unternehmen ihre Kunden, Partner oder Besucher nicht am Bahnhof in Rohrbach sondern in St. Ingbert oder Homburg abholen würden.

So war schnell klar, dass eine Unterschriftenaktion auf breite Zustimmung stoßen würde. „Die Unterschriftenaktion haben wir schon 2015 ins Leben gerufen“, erklärt Schuh, „doch lange ist nicht wirklich etwas passiert. Die Bahn hat sich immer zurückgehalten und sich auf die nötigsten kosmetischen Reparaturen beschränkt.“ Es sei lediglich die marode Treppe der Personenunterführung nach Hassel erneuert sowie eine Betonsanierung durchgeführt worden, erklärt die CDU in einer Mitteilung.

Doch das eigentliche Problem, nämlich die Herstellung der Verkehrssicherheit und die Schaffung eines sicheren Zugangs für die Bahngäste sei bis heute ungelöst.

Bewegung in der Sache brachte dann aber die Unterschriftenaktion. Etwa 1000 Rohrbacher Bürger und Unternehmen setzten sich „für ein Ende der unzumutbaren und nicht mehr tragbaren Zustände am Rohrbacher Bahnhof“ ein.

Ende vergangenen Jahres habe Ortsvorsteher Roland Weber (parteilos) im saarländischen Verkehrsministerium die Unterschriften an die zuständige Referatsleiterin Astrid Klug (SPD) übergeben. Neben Vertretern der Rohrbacher Ortsratsfraktionen seien auch die städtischen Mitarbeiterinnen Magret Welsch und Waltraud Guth anwesend gewesen, die die Kommunalpolitiker fachlich unterstützt hätten. Der Appell des Ortsvorstehers lautete: „Am 8. Dezember 2017 soll der Rohrbacher Bahnhof versteigert werden. Dem Ortsrat Rohrbach sind die Hände gebunden. Bitte helfen Sie uns, damit der Bahnhof nicht zum Spekulationsobjekt verkommt und weiter zerfällt.“

Das Problem war hierbei gar nicht der Preis. Das Mindestgebot für das Areal mit zirka 3570 Quadratmetern Grundstück setzte das Auktionshaus Karhausen damals bei 9000 Euro zuzüglich Courtage an. Aber die Problematik mit der Sicherung der ICE-Strecke „wäre für die Kommune gar nicht möglich gewesen“, sagt Schuh. Auch durch den Kauf des Bahnhofsgebäudes durch einen Investor hätte eine weitere Verwahrlosung des Gebäudes samt Umfeld nicht ausgeschlossen werden können, meint Schuh.

Referatsleiterin Klug versprach Abhilfe zu schaffen. Das saarländische Verkehrsministerium erwirkte zunächst, dass die Deutsche Bahn den Rohrbacher Bahnhof von der Liste der für Dezember 2017 vorgesehenen Auktion für nicht mehr benötigte Bahnimmobilien gestrichen hat, so die CDU. Außerdem scheine die Bahn nach Einschätzung der CDU endlich Verantwortung zu übernehmen, indem sie folgende Maßnahmen durchführen will: die Vorbereitung der Abrissmaßnahme des Bahnhofsgebäudes, die Ermittlung der Abriss- und Sanierungskosten sowie die Prüfung der Genehmigung und Beteiligungen im Zusammenhang mit der geplanten Abrissmaßnahme.

Nach Abschluss dieser vorbereitenden Arbeiten wird die Deutsche Bahn der Stadt St. Ingbert ein Kauf-
angebot für die bereinigte Fläche, also nach Abriss der Gebäude unterbreiten, meint Schuh. Beim Ankauf des Bahngeländes stehen der Mittelstadt erhebliche Fördermittel für die Sanierung des Bahnhofsgeländes und der Schaffung für Park & Ride-Plätzen zur Verfügung. Außerdem lassen sich weitere Zuschüsse aus dem Fördertopf für kleinere Bahnhöfe generieren.

„Mein ausdrücklicher Dank gilt allen Bürgern und Unternehmen, die unsere Unterschriftenaktion unterstützt haben“, sagt Jörg Schuh, „ohne die 1000 Unterschriften wären unsere Erfolgsaussichten gleich null.“

Ortsvorsteher Roland Weber übergab die Unterschriften an Astrid Klug, die Leiterin der Abteilung Verkehr im Saar-Wirtschaftsministerium.
Ortsvorsteher Roland Weber übergab die Unterschriften an Astrid Klug, die Leiterin der Abteilung Verkehr im Saar-Wirtschaftsministerium. FOTO: Nico Weber / Nico Weber/Ortsrat
Heruntergekommen und verwahrlost: Der Bahnhof in Rohrbach zeigt sich vielerorts in einem maroden Zustand.
Heruntergekommen und verwahrlost: Der Bahnhof in Rohrbach zeigt sich vielerorts in einem maroden Zustand. FOTO: Teresa Bauer