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Eine Oase inmitten der Industriekultur

Die Skulptur der Mauer, die von Händen durchbrochen wird, könnte auch symbolhaft für die Gefühle der Künstlerin Sigrid Caspar stehen, die nach zwölf Jahren ihr Atelier in St. Ingbert aufgibt: Manchmal muss man Mauern einreißen, um klar zu sehen, was dahinter verborgen ist. Foto: Cornelia Jung
Die Skulptur der Mauer, die von Händen durchbrochen wird, könnte auch symbolhaft für die Gefühle der Künstlerin Sigrid Caspar stehen, die nach zwölf Jahren ihr Atelier in St. Ingbert aufgibt: Manchmal muss man Mauern einreißen, um klar zu sehen, was dahinter verborgen ist. Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
St Ingbert. Künstlerin Sigrid Kasper hielt auf dem Gelände des „Innovationsparks Am Beckerturm" Seminare ab, machte Ausstellungen und arbeitet hier selbstverständlich auch an ihren Objekten. Nun verlässt sie diesen Schaffensort. Der Auszug ist bereits in vollen Gange und der Künstlerin fällt dabei eine Last vom Herzen. Cornelia Jung

. Ein Teil des 710 00 Quadratmeter großen Areals "Innovationspark Am Beckerturm " war auch zwölf Jahre das künstlerische Zuhause der Keramikkünstlerin Sigrid Caspar. Bereits im vergangenen Jahr trug sie sich mit dem Gedanken, ihr Atelier und das angrenzende Freigelände, das Teil der Ausstellungsfläche ist, aufzugeben. Die 59-Jährige ist kreativ, sprudelt meist über vor Ideen, hat bereits einen "Fan-Club", der ihre Arbeiten liebt und die Künstlerin teils durch Ausstellungsbesuche, Gespräche oder aber Kursbesuche auf ihrem St. Ingberter Weg begleitete.



Sie hat Erfolg mit dem, was sie (er)schafft und hat noch Spaß dabei. Für ihre Kursteilnehmer ließ sie immer wieder auch ausländische Dozenten nach St. Ingbert kommen, sie selbst zeigte ihre Kunst auch in Asien. Sie könnte rundum zufrieden sein. Doch für die Aufgabe des Ateliers spielte vor allem der Zeitfaktor eine Rolle. Sie war als Selbstständige mit eigenem Atelier in St. Ingbert angetreten, um sich die Zeit selbst einteilen zu können, um selbst entscheiden zu können, welche Aufträge sie annimmt oder was sie macht. Rückblickend sagt sie: "Ich hab' die vergangenen Jahre weniger Zeit gehabt, als jemals zuvor." Sie fühlte sich manchmal wie im Hamsterrad, der Stress vor Ausstellungseröffnungen kam neben der Atelierarbeit dazu.

Nicht von ungefähr kam so der Name ihrer vorerst letzten St. Ingberter Ausstellung "Affenzirkus" zustande, für die sich Sigrid Caspar nicht etwa im Fundus bediente, sondern eigens Skulpturen fertigte. Während sich am Samstag und Sonntag Besucher im Atelier umschauten, spielte ein Bekannter im Garten Klavier. Zu den Klängen spazierte auch die Künstlerin über die Freifläche, unterhielt sich mit den Gästen, verkaufte nebenbei noch einige ihrer Figuren, die nun in anderen Gärten eine liebevolle neue Heimat finden. Überall gibt es auf diesem Gelände etwas zu schauen, aus einigen Keramikobjekten sprudelt Wasser, das eine beruhigende Wirkung auf seine Betrachter hat.

Eine Oase inmitten der Industriekultur. Sigrid Caspar hat sich dort, wo früher Bier gebraut wurde, mit der Hilfe ihres Lebensgefährten ein Refugium geschaffen. Mit der Zeit wanderten Eidechsen ein, Molche fühlen sich in dem kleinen Teich wohl und auch ein Zaunkönig ist dort zu Hause. Nicht nur für diese Tiere hofft Caspar, dass sich für das Freigelände, das sie noch bis Ende des Jahres gemietet hat, eine Folgenutzung findet, die ihnen "Bleiberecht " zusichert.

In den vergangenen Wochen war es für die Künstlerin stressig, denn bis Ende August muss das Atelier für den Nachmieter geräumt sein. Viele Sachen sind schon zusammengepackt. Kommt da nicht Wehmut auf? Während viele Freunde und Bekannte, so auch der Geschäftsführer des Innovationsparkes, ihren Weggang bedauern, atmet sie auf. Denn mit jedem Regal, das ausgeräumt ist, mit jedem Gerät, das verkauft oder zu Sigrid Caspars Wohnort gebracht wird, löst sich die Anspannung: "Von wegen emotionsgeladenes Objekt. Mir fällt ein Gebirge vom Rücken. Bei mir ist jetzt viel mehr Leichtigkeit drin. Nun kann ich auch mal meine Freundin in Wiesbaden besuchen. Einfach so. Das ist ein geiles Gefühl. Ich entscheide jetzt, was ich will." Und das sind Kurse, die sie in der Bosener Mühle, in Wien oder am Bodensee gibt. Sie nimmt weiterhin Aufträge an, hat eine Brennmöglichkeit in Frankreich. Mit der Aufgabe des Ateliers ist ihr eine Last genommen. Doch ihre künstlerische Arbeit geht woanders weiter.

sigridcaspar.com