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Eine Kümmererin im Uruhestand

Die St. Ingberterin Hedi Pfeffer (links) engagiert sich an vielen Stellen. Eine davon ist die örtliche Senioren-Union, die sich einmal im Monat in der Altenbegegnung der Stadthalle trifft.
Die St. Ingberterin Hedi Pfeffer (links) engagiert sich an vielen Stellen. Eine davon ist die örtliche Senioren-Union, die sich einmal im Monat in der Altenbegegnung der Stadthalle trifft. FOTO: Cornelia Jung
St Ingbert. Ob Senioren-Union, Donum Vitae, „Kleine Hände“ oder Herz Mariae, die Liste mit Hedwigs Pfeffers Ämtern und Funktionen ist lang. Und „nebenbei“ sitzt die 72-Jährige auch noch im Rundfunkrat des SR, als Vertreterin der katholischen Frauenverbände im Land. Cornelia Jung

. Hedwig Pfeffer war Lehrerin. "In meinem ersten Leben", wie sie sagt. Sie unterrichtete gern. Die gebürtige Kölnerin kam 1970 wegen des neuen Arbeitsplatzes ihres Mannes ins Saarland und hatte keine Eingewöhnungsschwierigkeiten, auch weil die Saarländer ordentlich Karneval feiern können, wie die aus der Faschingshochburg stammende 72-Jährige feststellte.



Das "zweite Leben" der Hedi Pfeffer begann, wenn man so will, mit ihrer Pensionierung im Jahr 2007. Die Grundlagen dafür legte sie allerdings bereits in ihrem Berufsleben, denn neben der Arbeit engagierte sie sich vielfältig. Im Stadtrat beispielsweise, bei der Frauenunion war sie Kreisvorsitzende, sie war bei "3-6-5" aktiv, ist es noch in der Pfarrei Herz Mariae und vor allem bei "Donum Vitae". Die Bundesvorsitzende des letztgenannten Vereins, der 1999 gegründet wurde, als die deutschen Bischöfe aus der Schwangerschaftskonfliktberatung ausgestiegen waren, wollte diese wichtige Institution auch im Saarland etablieren, wo sie herkam. "So was brauchen wir hier", sagte Rita Waschbüsch damals zu Hedi Pfeffer .

Beide Frauen kannten sich aus der Landespolitik. Es sollte nur ein Jahr dauern, bis der saarländische "Ableger" von Donum Vitae an der Saar gegründet wurde. Hedi Pfeffer ist aus Überzeugung von Anfang an dabei. Die erste Beratungsstelle auf Bundesebene wurde 2000 in Homburg aufgebaut. Seit 2007 ist Hedi Pfeffer erste Vorsitzende von Donum Vitae im Saarland. Mit "ihrem liebsten Kind" konnte seitdem nicht nur hunderten Frauen in persönlichen Krisen geholfen werden, sondern die Arbeit hat auch Hedi Pfeffer viel gebracht. Sie musste sich bei der Übernahme der Leitung mit der Buchhaltung auseinandersetzen. "Damals waren wir in den roten Zahlen", erzählt sie, "ich hatte richtig Bauchweh damit." Ihre erste Aufgabe sah sie damals deshalb darin, "alles auf die schwarze Seite zu bringen". Das hat sie mit ihrem Team geschafft, mit dem sie unter anderem ständig auf Mitgliedersuche ist und mit dem sie Benefizkonzerte organisiert.

"Es fordert mich, denn ich bin rund um die Uhr involviert", sagt die ehrenamtliche "Donum Vitae"-Vorsitzende und Chefin von 16 Angestellten. "Bis ich zum Verein kam, hatte ich als Lehrerin nur Umgang mit Jugendlichen und wenn mal eine Sitzung in der Schule war, dann konnte ich mich zurücklehnen und hörte nur zu. Nun musste ich selbst alles regeln", erzählt die engagierte Frau, die morgens als erstes ihre E-Mails checkt.

Doch nicht nur die Arbeit für die Schwangerenberatung hält Hedi Pfeffer in ihrem (Un-)Ruhestand fit. Sie ist seit 15 Jahren in der Senioren-Union St. Ingbert , mittlerweile deren Vorsitzende, und organisiert mit einem Helferteam die monatlichen Treffen in der Altenbegegnung der Stadthalle.

In St. Ingbert baute sie im Rahmen des Vereins "Kleine Hände" zudem einen Babysitterdienst auf. Und auch beim Rundfunkrat des Saarländischen Rundfunks (SR), dem für die Programmkontrolle zuständigen Aufsichtsgremium, hat sie ein Wörtchen mitzureden. Beim SR hat diese Institution rund 40 Mitglieder, die von Vereinen und Organisationen vorgeschlagen werden. Hedi Pfeffer wurde für die Landesarbeitsgemeinschaft der katholischen Frauenverbände in den Rat entsendet, der sich alle zwei Monate trifft und die Arbeit des Rundfunks kontrolliert. "Wir sind quasi wie die Volksvertreter im Parlament", so Hedi Pfeffer , die beim SR im Programmbeirat und Telemedienausschuss sitzt.

Als eine der Ersten bekommt sie manchmal Sendungen zu sehen, die sie dann beurteilen muss. Seitdem sie diese Aufgabe wahrnimmt, ist ihr Blick aufs Fernsehen ein anderer. Selbst bei für sie weniger interessanten Themen, schaut sie mehr auf die Inhalte der Berichterstattung oder auch die Kameraführung. Privat schaut die 72-Jährige gern Krimis, Komödien, aber auch "Problemfilme". Und wenn neben ihren vielfältigen Aktivitäten noch Zeit ist, geht sie mit ihrem Mann am liebsten Surfen.