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Stadtentwicklung
Ein neuer Tupfer in St. Ingberts Stadtbild

Städtebauliche Weichenstellung in der St. Ingberter Innenstadt: Für den Bereich zwischen Ludwigstraße, Kapellenstraße, Theodor-Heuss-Platz und „Maxplatz“ wird ein Bebauungsplan aufgestellt. Foto: Manfred Schetting
Städtebauliche Weichenstellung in der St. Ingberter Innenstadt: Für den Bereich zwischen Ludwigstraße, Kapellenstraße, Theodor-Heuss-Platz und „Maxplatz“ wird ein Bebauungsplan aufgestellt. Foto: Manfred Schetting FOTO: Manfred Schetting
St. Ingbert. Ein kleiner Teil der Innenstadt wird derzeit überplant. Die Stadtplaner erläutern, warum das sinnvoll und nötig ist. Von Manfred Schetting

Das Ziel für die Stadtplaner im Rathaus ist ein möglichst „einheitliches städtebauliches Bild“ in der St. Ingberter Innenstadt. Ein solches wird aber nicht mit einen großen, planerischen Wurf angestrebt, sondern mit vielen Einzelmaßnahmen. Zu ihnen zählen insbesondere Bebauungspläne, die regelmäßig angepasst werden. Aktuelles Beispiel ist der Bebauungsplan „Umfeld Kapellenstraße - Süd“, dessen Planunterlagen derzeit im der Abteilung Stadtentwicklung und Demographie für jedermann offenliegen.


Für die Bebauung auf beiden Seiten der Kapellenstraße, den westliche Teil des Theodor-Heuss-Platzes bis zur Straße „Maxplatz“ sowie über die östliche Straßenseite der Ludwigstraße besteht bisher kein Bebauungsplan. Gleiches gilt für einige bebaute Grundstücke diesseits und jenseits des Rohrbachs zu Beginn der Post- und mitten in der Ludwigstraße. Auf dieser Fläche mit einer Gesamtgröße von rund 1,6 Hektar, das entspricht knapp drei nebeneinanderliegenden Fußballfeldern, sollen jetzt städtebauliche Vorgaben getroffen werden.

Das Gebiet zwischen Stadtbad und Ludwigstraße ist eine zentrale Lage in der Innenstadt, aber sicherlich kein sogenanntes Filetstück. Warum wird aber jetzt auf dieser Fläche neues Baurecht geschaffen und nicht in der offenkundig fürs Gesamtbild der Innenstadt bedeutsameren Nachbarschaft in der Kohlenstraße oder am alten Stadtbad? Auf diese Frage gaben Elisabeth Geib, die Leiterin der Abteilung Stadtentwicklung und Demographie, und Stadtplanerin Raffaela DelFa im Gespräch mit unserer Zeitung eine recht einfache Antwort. Für den Bereich Kohlenstraße/Josefs-
taler Straße werde derzeit noch ein Gestaltungsplan erarbeitet, ein Bebauungsplan „Kapellenstraße Umfeld – Nord“ sei daher angedacht, aber noch nicht entscheidungsreif. Und am Stadtbad gibt es zwar ein Bebauungsplan, wann genau diesem die seit längerer Zeit geplante Seniorenresidenz folgt, sei noch nicht absehbar.

Dennoch sei es sinnvoll, zunächst das südliche Umfeld der Kapellenstraße planerisch anzugehen, gerade weil es andere Veränderungen in der Innnenstadt bereits mitdenke. Zugleich räumen die Stadtplanerinnen auch Probleme ein, die im Umfeld der Kapellenstraße gelöst werden sollen. „Durch den Bebauungsplan wollen wir Investoren klar sagen können, was in diesem Bereich künftig möglich ist“, betont Eliasbeth Geib.

Die städtebaulichen Missstände in diesem Teil der Innenstadt seien offenkundig. „Die Ludwigstraße beispielsweise war einst eine aktive Geschäftsstraße“, erinnert Elisabeth Geib. „Mittlerweile ist aber eine beginnende Abwärtsspirale zu erkennen, die auch ein eindeutiges Baurecht auffangen soll.“ Für eine Entwicklung, in dem ein Leerstand dem nächsten folgt und zudem Billiganbieter andere Läden ersetzen, kennen Raumplaner einen Fachbegriff: den „Trading-Down-Effekt“. Diesen Trend stoppen helfen soll unter anderem, dass das Gebiet fortan neben dem Wohnen bewusst nur für Einzelhandel, Dienstleistungen und einzelne Gastronomiebetriebe genutzt werden soll. Vergnügungsstätten hingegen, das meint Spielhallen und Wettbüros, will der neue Bebauungsplan untersagen.



Völlig umgekrempelt werden soll der Bereich zwischen Ludwigstraße und Theodor-Heuss-Platz aber nicht, wie Raffaella DelFa betont. „Der Bebauungsplan wird nicht in den Gebäudebestand eingreifen, sondern ist auf künftige Bauvorhaben ausgerichtet. Es besteht also ein Bestandsschutz für die Eigentümer.“ Der bestehenden Struktur – in dem Plangebiet gibt es meist kleinteiligere Grundstücke – trage auch die frühzeitige Offenlegung des Bebauungsplanes Rechnung. „Es gibt viele Beteiligte, die sich in das verfahren einbringen können“, so die Stadtplanerin.

Die aktuellen Planungen sollen zudem neue Wegführungen für Fußgänger und Radfahrer ermöglichen, die sich an der verkehrlichen Schnittstelle zwischen Innenstadt und Stadtpark („Rohrbach-Achse“) abzeichnen. Konkrete Beispiele: Fußgänger und Radfahrer, die zwischen Gustav-Clauss-Anlage und Innenstadt den Tunnel unter der Otto-Toussaint-Straße nutzen, müssen derzeit noch mit der Engstelle auf dem Bürgersteig zu Beginn der Straße „Maxplatz“ klar kommen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht noch die ehemalige Trafostation, die abgerissen werden soll. Gründe, diese Stelle der Innenstadt zu überplanen gibt es also auch in Sachen Straßenverkehr.

Der Bebauungsplan 509 „Umfeld Kapellenstraße“ ist noch bis 23. Februar im Rathaus öffentlich ausgelegt. Infos auch im Internet unter: