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Theaterprojekt
Ein Mentor für die Theatergruppe

Coach Matthias Huber bei der ersten Probe von „Integrama“, dem neuen Schams-Stück.
Coach Matthias Huber bei der ersten Probe von „Integrama“, dem neuen Schams-Stück. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Für das Theaterprojekt Scharms arbeitet jetzt ein ehrenamtlicher Coach. Er soll auch in Sachen Sponsoring auf die Sprünge helfen. Von Cornelia Jung

Vor kurzem wurde das integrative Theaterprojekt Schams vom Bündnis für Demokratie und Toleranz Berlin für seine hervorragende Integrationsarbeit ausgezeichnet. Mit dem emotionalen Stück „Nie wieder Hass“ tourte die Gruppe aus syrischen Neubürgern und St. Ingbertern in diesem Jahr durch einige Städte. Vor einigen Wochen begannen die Proben für das neue Stück „Integrama“, dessen Drehbuch wieder ein gemeinschaftliches Werk der beiden Regisseure Johannes Becher und Mwoloud Daoud ist.


Und gleichzeitig stellt sich für die Truppe die Frage, wie sie mittels Werbung ihren Bekanntheitsgrad erhöhen und an dringend benötigte finanzielle Mittel kommen kann. Denn die Fahrten zu den Auftrittsorten müssen von den Ehrenamtlern bezahlt werden. Ein Manager müsste her. Am besten ein ehrenamtlicher. Gibt es nicht, meinen Sie? Gibt es doch. „Ich bin Mathias“, stellte er sich vor. Mathias Huber ist zwar kein Manager, aber ein Coach auf Zeit bei Schams.

Und er ist in jeglicher Hinsicht ein Gewinn. Der Frankfurter ist sozusagen der Hauptpreis im Rahmen eines vom Verein Startsocial an insgesamt 100 Projekte verliehenen Stipendiums, für das sich die Gruppe bewarb. In den nächsten vier Monaten wird der Wirtschaftspsychologe, der auch ein betriebswirtschaftliches Aufbaustudium vorzuweisen hat, den Theaterleuten behilflich sein, die Werbetrommel zu rühren, wird Tipps für bessere Öffentlichkeitsarbeit geben und Wege aufzeigen, wie Spenden eingeworben werden können.



Nach St. Ingbert vermittelt wurde er von Startsocial, einem Verein unter der Schirmherrschaft der Bundeskanzlerin. Dieser gewährt unter dem Motto „Hilfe für Helfer“ sozialen ehrenamtlichen Projekten eine einmalige Förderung. Viel wertvoller, weil unbezahlbar, ist aber die Vermittlung von Profis, die sich kostenfrei als Mentoren und Coaches engagieren, um „einen systematischen Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und sozialer Projektarbeit“ zu ermöglichen. Einer von Ihnen, der sich dafür zur Verfügung stellte, ist eben Mathias Huber, der als Mitarbeiter bei McKinsey, der renommierten Unternehmens- und Strategieberatung, einiges an Know-how mitbringt. Bereits bei seinem ersten E-Mail-Kontakt mit Hannah Jungfleisch von Schams stellten beide fest, dass sie einige gemeinsame Bekannte haben. Verwunderlich ist das nicht, denn Huber stammt aus St. Ingbert. Nun war er am vergangenen Wochenende erstmalig persönlich bei Schams, lernte die Akteure kennen, erlebte die ersten Probeszenen von „Integrama“ mit und war auch bei der Vergabe der Hauptrollen dabei. „Geil. Das macht richtig Spaß“, sagte er begeistert, „das könnte ein Herzensprojekt werden.“

Er selbst habe sein ganzes Leben mit Musik verbracht und ist der Kunst sehr zugetan. „Von der künstlerischen Seite und wie man das Musiktheater als Möglichkeit der Integration nutzt, ist Schams super gut aufgestellt“, meinte Huber, nachdem er die Projektbeschreibung ausgiebig studiert und sich nun selbst eine Eindruck vom Theaterprojekt gemacht hat, „wichtig ist, dass die Rahmenbedingungen stimmen.“ Und um Schams in dieser Hinsicht unter die Arme zu greifen, ist Huber in St. Ingbert angetreten.

Gerade arbeitet er mit Schams daran, deren Bekanntheitsgrad zu erhöhen und vor allem Strategien zu entwickeln, wie Einzelpersonen oder Unternehmen zum spenden animiert werden können. Ein Crowdfunding über Finanzierungsplattformen wie Betterplace oder Startnext ist im Gespräch. Demnächst sollen auch Amazon-Käufer Schams über „Smile.amazon“ finanziell unterstützen können. Dabei gibt die Online-Einkaufsplattform registrierten Organisationen 0,5 Prozent der Einkaufssumme Ihrer qualifizierten Käufe weiter. Das kostet den Amazon-Käufer nichts, er muss sich bei einem Einkauf lediglich über dieses Programm registrieren und den „Begünstigten“ eingeben. „Kein leichtes Unterfangen. Aber das Potential ist riesig“, findet Huber. Schon jetzt sind Christina Wieth und Hannah Jungfleisch dankbar für die Tipps.

Das neue Stück „Integrama“, in dem es um das Ankommen in der neuen Heimat und die damit verbundenen Schwierigkeiten geht, soll so mit Hubers Hilfe auf erfolgreiche Beine gestellt werden.