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Ein Lotse nimmt ein Stück Sorge

St Ingbert. Der St. Ingberter Ortsverband des Kinderschutzbundes will mit einem neuen Projekt soziale Härten abfedern, die Kinder betreffen. Unbürokratisch soll in Einzelfällen Familien unter die Arme gegriffen werden. Das Projekt nennt sich „Große helfen Kleinen“. Von SZ-Redakteur Michael Beer

Wenn die Eltern chronisch knapp bei Kasse sind, müssen auch die Kinder leiden. Ein paar neue Fußballschuhe, Geld für einen Tanzkurs oder die Klassenfahrt - solche Ausgaben können den Familienetat sprengen.

Der St. Ingberter Kinderschutzbund will an dieser Stelle eingreifen und verhindern, dass Kinder im sozialen Leben abgehängt werden, weil daheim das Geld nicht reicht. "Große helfen Kleinen" heißt ein neues Projekt, das die Vorsitzende Ute Strullmeier und ihre Mitstreiterin Monika Schäfer jetzt zu Besuch in der Redaktion vorgestellt haben. Gerade Familien, die mit ihrem Einkommen knapp über der Grenze von Hartz IV lebten, seien betroffen, erläutert die Vorsitzende. Während bei Menschen, die Sozialleistungen vom Staat beziehen, verschiedene Programme besondere Härten abfederten, stünden jene oft vor der Alternative, Lebensmittel zu kaufen oder ihrem Kind ein Bedürfnis zu befriedigen. Jüngst habe sich eine junge Schwangere Rat suchend an den Kinderschutzbund gewandt, in einem anderen Fall fehlte einer Mutter das Geld, um ihren Kindern den Schwimmanzug zu kaufen, den sie für ihren Verein benötigten. Es ist kein großes Geld, das der Kinderschutzbund im Einzelfall vergibt. Bei 150 Euro liege die Obergrenze, sagt Strullmeier. Aber neben der finanziellen Unterstützung könne ein Gespräch auch weitere Wege öffnen. Strullmeier: "Wir haben über Jahre hinweg Möglichkeiten und Adressen gesammelt, wo es im Notfall Hilfe geben kann." Die Vernetzung soll den Eltern und ihren Kindern zugute kommen, die sich an die Ortsgruppe wenden.

"Es ist schon eine große pädagogische Komponente drin", erläutert Schäfer. Die Menschen, die sich an die Hilfsorganisation wendeten, hätten oft Scham und Scheu. Die Ortsgruppe könne ein Lotse sein, um den Betroffenen ein kleines Stück ihrer Sorgen zu nehmen. Das Gespräch mit Hilfesuchenden führen immer zwei Mitstreiter des Kinderschutzbundes. Zumindest einer davon habe eine entsprechende Ausbildung, sagt Schäfer. Sie selbst sei Diplompädagogin.

"Große helfen Kleinen" gibt es seit vergangenen Oktober. Zunächst haben die Kinderschutz-Aktivisten "verschiedene Institutionen abgeklappert", jetzt laufe die konkrete Hilfe langsam an. Ein dutzend Hilfesuchende habe man bislang betreut. "Die Finanzierung von Freizeiten sind ein riesen Thema", sagt Schäfer.

In der näheren Umgebung haben die beiden solche Projekte in Spiesen-Elversberg, in Neunkirchen und Schiffweiler ausgemacht. Den Anstoß gab die Spende eines Privatmannes, mittlerweile haben Rotarier, das Bekleidungsunternehmen C&A, aber auch Geld aus dem Hoffest der St. Ingberter Polizei dazu beigetragen, die Kasse aufzufüllen. Spenden sind jederzeit willkommen.

Der Kinderschutzbund hat im Ortsverband St. Ingbert rund 100 Mitglieder. Mit Projekten wie "Kind im Krankenhaus", Kleiderkammer und eben "Große helfen Kleinen" versucht er, dort zu helfen, wo auch Kinder in eine schwierige Lage geraten.