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Ein Knall – und der Schornstein war weg

St Ingbert. Mit dem Becker-Schornstein hat St. Ingbert gestern ein Denkmal seiner Brauerei-Vergangenheit verloren. Experten sprengten den 65-Meter-Schlot. Er fiel wie geplant um 18 Uhr in ein Sandbett. Von SZ-Redakteur Michael Beer

Am Ende ist es eine Sache von Sekunden: Nach dem satten Knall der Sprengstoff-Explosion im Fuß des Becker-Schornsteins neigt sich das Gemäuer ein klein wenig nach vorne, verharrt scheinbar und geht ohne allzu lautes Getöse zu Boden. Sprengmeister Helmut Hörig kommt hinter seinem Pickup hervor, von dem aus er gezündet hatte, horcht einen Moment in die Stille, dann gibt er das letzte der Hornsignale: Drei kurze Töne - die Sprengung ist beendet, sein Job getan. Die Zuschauer-Schar, die Hörig zuvor in sicheren Abstand neben die Olk-Bäckerei gescheucht hatte, applaudiert. Dann strömen alle in den Hof: Der Schornstein liegt Stein für Stein präzise auf dem Sandbett, nur die Spitze hat sich beim Sturz leicht nach rechts weggedreht und ist nicht komplett zersprungen.

Der 65 Meter hohe Schlot, der mit dem Beckerturm weit über St. Ingbert sichtbar war und das Stadtbild prägte, ist seit gestern Abend um 18 Uhr Geschichte. Die Sprengung verlief nach Plan, Tonnen von Ziegelsteinen stürzten in das ein Meter hohe Sandbett, das zwischen zwei Gebäudezeilen eigens vorbereitet worden war. Die Umgebung blieb unversehrt. Hunderte Schaulustige verfolgten von verschiedenen Stellen, aus der Fußgängerzone, vom Alten Friedhof oder vom Hobels, den Akt.

Der Hochschornstein war 1938 erbaut worden und auch nach dem Ende der Brauerei mit seinen gelben Becker-Bier-Lettern ein Symbol der Stadt. Stefan Braun, Eigentümer des Geländes und Geschäftsführer des heutigen "Innovationspark Am Beckerturm", hatte im Frühjahr den Abbruch beantragt, nachdem vermehrt Splitter aus der Außenhülle des Hochkamins gebrochen waren und die Gesundheit von Firmenmitarbeitern gefährdet war.

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