| 20:16 Uhr

Matthäus-Passion
Ein geniales Werk der geistlichen Musik

Das Collegium Vocale Blieskastel trat zusammen mit der Singschule St. Hildegard und Mitgliedern der Deutschen Radiophilharmonie in der Schlosskirche Blieskastel auf, vorne Leiter Christian von Blohn.
Das Collegium Vocale Blieskastel trat zusammen mit der Singschule St. Hildegard und Mitgliedern der Deutschen Radiophilharmonie in der Schlosskirche Blieskastel auf, vorne Leiter Christian von Blohn. FOTO: Jörg Martin
Blieskastel. In der Blieskasteler Schlosskirche spielte am Sonntag die Deutsche Radiophilharmonie. Auf dem Programm stand die Matthäus-Passion.

„Das ist kaum zu glauben, aber zu erklären“, sprach Brigitte Gode am Sonntagnachmittag zu den Besuchern des Konzerts in der Schlosskirche. Die platzte aus allen Nähten. Immer wieder kamen Liebhaber geistlicher Musik nach und zusätzliche Stühle mussten herbeigeholt werden. Die Vorsitzende des Freundeskreises Saarpfälzische Musiktage freute sich, dass es gelungen war, die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach erstmals im Gotteshaus auf dem Schlossberg aufzuführen. Christian von Blohn hatte die Gesamtleitung. Durch eine Spende des Lions-Clubs Blieskastel war das Konzert erst überhaupt möglich gewesen. Die Matthäus-Passion gehört zu den genialsten Werken auf dem Gebiet der geistlichen Musik. Der Komponist schätzte sein Werk selbst als seine wichtigste Schöpfung ein. Das zeigte sich am Sonntag auch bei der Zusammensetzung der Besetzung. Chor und Orchester sind nämlich doppelt besetzt. Um die Wirkung zu verstärken, wählte Johann Sebastian Bach einen Cantus-Firmus-Chor, dessen Rolle hier die Singschule St. Hildegard (Leitung: Johanna Kuhn) übernommen hatte. Das vom tiefem christlichen Glauben geprägte Werk, die Leidensgeschichte Jesu aus dem Matthäus-Evangelium, wird geschildert, beeindruckt in seiner dramatischen Anlage vor allem durch den Wechsel von intensiven Chorälen und Arien sowie der Dramatik der Chöre. Immer wieder ist das Lied „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ (Paul Gerhard) zentrale Botschaft, die sich durch das gesamte Werk von über zweieinhalb Stunden zieht. Chor und Orchester Nr. 2 wird mittlerweile gleichberechtigt behandelt. Das war früher, das Werk wurde 1727 in der Leipziger Thomaskirche uraufgeführt, noch nicht so. Bach behandelt die Zweitversion offenkundig etwas stiefmütterlich, da beiden weniger Aufgaben zugeteilt wurden. Eine völlig untypische Vorgehensweise für den Komponisten. Experten vermuten gar, dass bei der Uraufführung die Zweitbesetzung auf einer anderen Empore stattfand. Mit einer Besonderheit konnte Christian von Blohn dafür in Blieskastel aufwarten: alle Partien im Orchester waren solistisch besetzt.